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Die Presseschau von Mittwoch, dem 10. Juni 2026

10.06.202608:54
Schule (Bild: Dirk Waem/Belga)
Illustrationsbild: Dirk Waem/Belga

Im frankophonen Schulwesen sind jetzt auch die externen Prüfungen am Ende des Schuljahrs von dem Machtkampf zwischen Lehrern und Regierung bedroht. Die Zeitungen kommentieren das genauso wie die Ausweitung der Flexi-Jobs, die Industriepolitik der flämischen Regierung und den Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft.

"Neue Kraftprobe um die Durchführung der Schulprüfungen", titelt La Libre Belgique. "Glatigny hält an den Prüfungsterminen fest", notiert La Dernière Heure auf Seite eins. "Der neue Konflikt", schreibt Le Soir auf seiner Titelseite.

Der anhaltende Streit im frankophonen Schulwesen hat ein neues Kapitel aufgeschlagen. Lehrergewerkschaften drohen jetzt damit, die externen Prüfungen am Ende des Schuljahres nicht abhalten zu wollen – aus Protest gegen die geplanten Schulreformen der Regierungskoalition aus MR und Les Engagés.

La Libre Belgique zeigt dafür kein Verständnis und erinnert daran: "Zusammen aufwachsen, eine Gesellschaft bilden und sich gemeinsam entwickeln, diese Dinge benötigen Regeln und klare Grenzen. Genau deshalb ist die Ankündigung der Gewerkschaften, die externen Abschlussprüfungen an den Schulen zu boykottieren, schockierend. Dass die Lehrer streiken, um damit ihren Unmut gegen die geplanten Reformen auszudrücken, ist völlig legitim. Aber dass die externen Abschlussprüfungen sabotiert werden sollen, damit überschreiten die Lehrer eine Grenze. Denn dadurch tragen sie ihren Streit mit den Politikern auf dem Rücken derer aus, die nichts für den Streit können, nämlich auf dem Rücken der Schüler und ihrer Eltern", schimpft La Libre Belgique.

Alle sollten sich zusammenraufen

Le Soir sieht das genauso und rät: "Angesichts der schlimmen und weitreichenden Konsequenzen, die ein Ausfall der externen Abschlussprüfungen für die Schüler haben würde, wäre es am besten, alle würden sich jetzt mal zusammenraufen und für die Zeit dieser wichtigen Prüfungen eine Art Waffenruhe verkünden. Das wäre vollkommen im Sinne der Schüler, ihrer Eltern, im Sinne des gesamten Schul- und Ausbildungssystems. Diese „Auszeit“ könnte auch dafür genutzt werden, die eigenen Positionen im Machtkampf zwischen Gewerkschaften und Regierung einmal in Ruhe zu überdenken, um nach der Auszeit vielleicht mit mehr Ernsthaftigkeit über die Streitpunkte neu zu verhandeln", überlegt Le Soir.

Het Laatste Nieuws gibt zu bedenken: "Es gibt ein Streikrecht, aber es gibt auch ein Recht auf Lernen. Dieses Recht wird durch den anhaltenden Streik von Lehrern im französischsprachigen Landesteil gerade völlig missachtet. Zu bedauern ist auch, dass vor allem an den Schulen gestreikt wird – und dadurch massiv Unterricht ausfällt –, die nicht zu den besseren Schulen unseres Landes zählen. Opfer des Streiks werden dadurch Kinder, die Unterricht und Bildung unbedingt nötig hätten, um ihren Rückstand zu den guten Schülern aufzuholen", bemerkt Het Laatste Nieuws.

Fehlende Strategie

L’Avenir beschäftigt sich mit der geplanten Ausweitung der Flexi-Jobs auf fast alle Berufsgruppen und stellt fest: "Während das Gesetz gestern die Hürde des Ausschusses für Soziale Angelegenheiten gemeistert hat, bleibt die Kritik an den Neuerungen bestehen. Flexi-Jobs werden es Arbeitslosen schwerer machen, wieder in ein beitragspflichtiges Arbeitsverhältnis zu kommen. Ihre Chancen, Arbeitszeit für die Rente zu sammeln, sinkt. Außerdem werden mehr Flexi-Jobs dazu führen, dass die Sozialkassen, vor allem die Krankenversicherungen, weniger Geld über Abgaben erhalten. Was den liberalen Parteien der Föderalregierung sicher ziemlich gut gefällt", ärgert sich L’Avenir.

De Tijd beobachtet: "Die flämische Regierung ist seit einiger Zeit dabei, als aktiver Player in der Industrielandschaft aufzutreten. Mit 119 Millionen Euro überstützt sie das Volvo-Werk in Gent, unterbreitet dem schwächelnden Chemieunternehmen Vynova ein Kreditangebot, will mitbieten um die Fläche des in Konkurs gegangenen Busherstellers Van Hool. Dass die Regierung sich darum bemüht, in den aktuellen Zeiten strategische Unternehmen nicht dem freien Markt zu überlassen, ist gut. Allerdings ist dabei noch keine Strategie zu erkennen. Ohne Strategie läuft die Regionalregierung aber Gefahr, sich in ihrer Industriepolitik zu verzetteln, warnt De Tijd.

Finanzielles Debakel täte WM gut

Zur anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko kommentiert La Dernière Heure: "Ohne Zweifel wird US-Präsident Trump alles daransetzen, diese WM zu seiner WM zu machen. Das Event soll mit dazu beitragen, seine Größe und die Größe der USA zu zeigen. Passend zum 250. Geburtstag der USA. Zugleich dürfen Fans aus zahlreichen Ländern und sogar ein Schiedsrichter aus Afrika nicht in die USA einreisen. Das Symbolische einer Fußball-WM für die Weltgemeinschaft spielt bei dieser WM eben keine Rolle", bedauert La Dernière Heure.

Het Nieuwsblad geht sogar noch einen Schritt weiter: "Hoffen wir", schreibt die Zeitung, "dass die WM aus sportlicher Sicht ein Fest wird mit einer Glanzrolle für die Roten Teufel. Und dass gleichzeitig die WM zu einem finanziellen Debakel wird. Denn nur das scheint den Weltfußballverband Fifa noch vor dem völligen Ausverkauf des Fußballs stoppen zu können", kritisiert Het Nieuwsblad.

Kay Wagner

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