"Der Iran diktiert die Agenda im Nahen Osten", titelt De Morgen. "Trump kann sich noch so dagegen wehren: Netanjahu sucht den Krieg", schreibt De Standaard auf Seite eins.
Der Krieg im Nahen Osten ist in den letzten Tagen wieder "heiß" geworden: Israel und der Iran haben sich wiederholt gegenseitig beschossen. US-Präsident Donald Trump hat dabei mehrmals versucht, den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zur Mäßigung zu bewegen.
"Und die Sprache des US-Präsidenten ist dabei schon immer plastischer geworden", kann De Standaard in seinem Leitartikel nur feststellen. "You're fucking crazy", soll Trump dem israelischen Ministerpräsidenten an den Kopf geworfen haben. Nur er habe das Sagen, betonte der US-Präsident. Diese Episode spricht Bände. Benjamin Netanjahu kennt offensichtlich nur noch ein Mittel: Die eiserne Faust, die den Gegner schlichtweg zerquetschen soll. Doch ist er mit genau dieser Strategie inzwischen an Grenzen gestoßen. Denn sie sind alle noch da: die Hamas in Gaza, die Hisbollah im Libanon, die Revolutionsgarden im Iran. Hier zeigt sich die fundamentale Schwäche Israels. Mit Namen: Der Irrglaube, dass Sicherheit nur erreicht werden kann durch militärischen Größenwahn. Dieser dogmatische Glaube an den Krieg und die krankhafte Aversion gegen jede Form von Diplomatie machen Netanjahu und viele andere israelische Politiker zu lebenslangen Versagern.
Ein effizienteres Unterrichtswesen als Teil der Lösung
"Die Krawallmacher müssen den Schaden selbst zahlen", so derweil die Aufmachergeschichte von Het Laatste Nieuws. Das sind die Worte des föderalen Innenministers Bernard Quintin. Der fordert Konsequenzen nach den wiederholten Ausschreitungen in Brüssel am Rande der Proteste gegen die Sparmaßnahmen im frankophonen Unterrichtswesen. Die Föderalregierung arbeite jetzt an einem Gesetz, das es erlauben soll, Krawallmacher für den angerichteten Schaden haftbar zu machen.
"Die Bilder, die seit Tagen in den Straßen der Hauptstadt produziert werden, machen einen tieftraurig", meint De Tijd betrübt in ihrem Leitartikel. Im Grunde sehen wir hier einen Fall von kollektiver Selbstverstümmelung: Jugendliche, die ihre eigene Stadt zerstören. Klar: Die kleine Minderheit von Krawallmachern steht nicht stellvertretend für die Demonstranten. Dennoch überschattet diese Gewalt deutlich einen vielleicht in Teilen sogar durchaus legitimen Protest. Das eigentlich Tragische ist: Die Regierung der Französischen Gemeinschaft hat ja bei dieser Reform die Zukunft des Unterrichtswesens vor Augen. Die Maßnahmen sind schmerzhaft, aber nötig. Und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Denn, wenn man künftig vermeiden will, dass Jugendliche in Parallelwelten abgleiten, dann ist ein effizienteres und besseres Unterrichtswesen mit Sicherheit Teil der Lösung.
Krawallmacher - Politiker aller Couleur übertreffen sich
"Ob nun in Uniform oder mit Sturmhaube: Stoppt die Gewalt!", so der flammende Appell von La Dernière Heure. In jedem Fall muss man einen differenzierten Blick auf die Ereignisse der letzten Tage werfen. Vor allem darf man nicht verallgemeinern. Erstens: Nicht alle Demonstranten sind Krawallmacher. Wer das behauptet, der will eigentlich nur demokratischen Widerstand delegitimieren. Zweitens darf man aber auch nicht alle Polizeibeamte über einen Kamm scheren. Zweifelsohne haben einige Polizisten grob über die Stränge geschlagen, sie stehen aber nicht stellvertretend für die 40.000 Frauen und Männer, die tagtäglich ihren unverzichtbaren und im Übrigen immer schwereren Job machen. Eine solide Demokratie sollte dazu in der Lage sein, diese feinen Unterschiede zu erkennen. Und diejenigen zu bestrafen, die für die Gewalt verantwortlich sind. Auf beiden Seiten.
"Im Zusammenhang mit den Krawallmachern haben sich jedenfalls einige Politiker schon wieder gegenseitig zu übertreffen versucht, konstatiert Het Laatste Nieuws. Den Anfang machte der Vooruit-Vorsitzende Conner Rousseau, der die Randalierer in "Bootcamps" stecken wollte, Umerziehungslager also. Schützenhilfe bekam er dann gleich vom N–VA-Verteidigungsminister Theo Francken. Wie so oft wurde hier also auf der allgemeinen Empörungswelle gesurft, ohne dass dabei wirklich konkrete Lösungen ausformuliert wurden. Nicht viel besser war allerdings die Reaktion des Brüsseler PS-Ministers Ahmed Laaouej, der gleich von "Faschismus" sprach. Würde er das wiederholen, wenn er vor den Opfern eines "echten" Faschismus stünde? Und welche Lösung schlagen die Sozialisten vor? Denn in einem Punkt sollte man sich doch einig sein. Ausschreitungen wie die der letzten Tage sind inakzeptabel. Und davon abgesehen unterminieren sie jeden legitimen Protest.
Dieser Konflikt wird Spuren hinterlassen
"Diese Geschichte ist in jedem Fall noch nicht vorbei", warnt La Capitale. Wenn die Regierung der Französischen Gemeinschaft geglaubt hat, dass sich die Gemüter während der Ferien beruhigen würden und man diese Proteste aussitzen kann, so hat sie sich wohl getäuscht. Alles weist vielmehr auf das Gegenteil. Die Gewerkschaften hatten für den Schulbeginn Ende August bereits neue Proteste angekündigt. Das Kräftemessen dürfte dann in eine neue Runde gehen. Mit anderen Worten: Dieser Konflikt wird Spuren hinterlassen. Das allerdings sollte allen Beteiligten doch zu denken geben. Man versetze sich mal in die Eltern. In vielen Schulen ruht der Unterricht seit Wochen. Und das dürfte wohl so bleiben. Vielleicht werden Prüfungssessionen organisiert, vielleicht auch nicht. Und zu allem Überfluss könnte das nächste Schuljahr genauso wieder beginnen. Deswegen sollten alle Beteiligten – trotz des inzwischen abgrundtiefen Grabens, der sie voneinander trennt – einmal in sich gehen: Man wird am Ende miteinander reden müssen. Zum Wohle der Kinder.
Roger Pint