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Die Presseschau von Montag, dem 8. Juni 2026

08.06.202609:40
Polizisten und Demonstranten am Donnerstag vor dem Parlament der Französischen Gemeinschaft in Brüssel
Polizisten und Demonstranten am Donnerstag vor dem Parlament der Französischen Gemeinschaft in Brüssel (Bild: Emile Windal/Belga)

Manche Zeitungen blicken voller Vorfreude auf die anstehende Fußball-WM, denn heute reisen die Roten Teufel in Richtung Amerika ab. Gleichzeitig sorgen die Polizeigewalt bei den Protesten im frankophonen Unterrichtswesen, die Debatte um Schwangerschaftsabbrüche und die Zukunft von Volvo Gent für politische Kontroversen.

"Let's go!", titelt La Dernière Heure. "Die WM kann kommen", schreibt das GrenzEcho auf Seite eins. "Jetzt wird's langsam ernst", so die Schlagzeile von Le Soir.

Wirklich "ernst" wird es für Belgien eigentlich in genau einer Woche: Am kommenden Montag bestreiten die Roten Teufel ihr WM-Auftaktspiel gegen die Mannschaft aus Ägypten. Heute ist lediglich der Abreisetag: "Die Roten Teufel fliegen heute voller Selbstvertrauen in die Staaten", so die Schlagzeile von Het Laatste Nieuws.

"Auch diese WM wird sich wieder irgendwie komisch anfühlen", bemerkt sinngemäß La Libre Belgique in ihrem Leitartikel. Das Turnier bettet sich in einen schwierigen geopolitischen Kontext ein. Überschattet wird es von militärischen Konflikten und auch von diplomatischen und wirtschaftlichen Spannungen. An sich ist das nichts Neues; der internationale Sport war nie völlig frei von der Politik. Man denke nur an die WM 1934 im Italien von Mussolini oder 1978 in Argentinien, das damals von einer Militärjunta regiert wurde. Große Sportveranstaltungen haben immer auch als Vitrine für die örtlichen Machthaber gedient, als Legitimation oder Aushängeschild. Bedauerlich ist allerdings, dass der Weltfußballverband FIFA zunehmend zum Akteur in diesem Spiel wird. Bester Beweis ist der ominöse "Friedenspreis", der unlängst dem US-Präsidenten Donald Trump überreicht wurde. Erfahrungsgemäß verstummen solche Misstöne spätestens an dem Tag, an dem "der Ball rollt". Und, in der Tat: So sehr man auch auf Missstände im Spitzensport aufmerksam machen muss, so wenig darf man die vereinende Kraft insbesondere des Fußballs unterschätzen. Die wichtigste Nebensache der Welt bringt nach wie vor Menschen zusammen, über Grenzen, Sprachen, Überzeugungen und Kriege hinaus. Deswegen allen ein schönes Fußballfest!

Wegschauen ist definitiv keine Option mehr

Einige Zeitungen beschäftigen sich weiter mit den Protesten im frankophonen Unterrichtswesen und insbesondere mit den Ausschreitungen am Rande der Brüsseler Kundgebung vom vergangenen Donnerstag.

"Wie konnte es so weit kommen?", fragt sich anklagend Le Soir. Seit Tagen sehen wir in Dauerschleife schockierende, traurige, inakzeptable Bilder: Polizisten, die gezielt Lehrer und Schüler brutal angehen, beschimpfen, einschüchtern; andere, die mit Tränengas gegen Jugendliche vorgehen, ohne sich dabei offensichtlich nur die geringsten Fragen zu stellen. Und das ist kein Albtraum: Diese Szenen haben sich tatsächlich in Belgien abgespielt, im Herzen unserer Hauptstadt. Noch verstörender war die ohrenbetäubende Stille, mit der insbesondere die Brüsseler Politik auf die offensichtlichen Entgleisungen reagiert hat. Erst am Samstagabend kündigte der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close einsilbig eine interne Untersuchung an. Hier ist doch längst ein Muster zu erkennen: Bei jeder etwas aufgeheizten Kundgebung scheint man aufs Neue zu entdecken, dass einige Polizeibeamte ihre Position und ihre Rolle auf inakzeptable Art und Weise missbrauchen. So kann es nicht mehr weitergehen! Wegzuschauen, das ist definitiv keine Option mehr.

"Ein Schläger ist ein Schläger"

"Ein Schläger ist ein Schläger", meint auch La Dernière Heure. Ob er nun aus Brüssel oder Brügge kommt; ob es sich nun um einen Fußballfan, einen Schüler oder einen Polizisten handelt: Es gibt keine guten oder weniger guten Schläger. Sinnlose Gewalt gehört immer verurteilt. Vor allem aber sollten Politiker endlich damit aufhören, solche Ereignisse zu instrumentalisieren und auf die eine oder andere Weise für sich zu nutzen. Die Bürger erwarten klare Antworten, sie wollen Maßnahmen, um die Schläger zu stoppen.

L'Avenir versetzt sich seinerseits in die Lage der jungen Menschen. Erst werden brutale Sparmaßnahmen durchgesetzt; und diejenigen, die dagegen aufbegehren, werden dann auch noch brutal niedergeknüppelt. Für viele Schüler muss sich das so anfühlen, als sähen sie sich plötzlich schreienden Ungerechtigkeiten und grober Gewalt gegenüber. Das führt zu einem Gefühl der Ohnmacht, zumal die Regierung der Französischen Gemeinschaft hier ja auch den Sozialen Dialog weitgehend missachtet hat. "Welches Bild müssen die jungen Menschen von unserer Demokratie haben?", fragt sich L'Avenir.

Paternalismus auf dem Rücken von Frauen

De Morgen kommt zurück auf den Kompromissvorschlag von Justizministerin Annelies Verlinden, der ja eine Verlängerung der Frist für straffreie Schwangerschaftsabbrüche von zwölf auf 14 Wochen vorsieht. "Die CD&V will es einfach nicht einsehen!", schimpft das Blatt in seinem Kommentar. Noch vor drei Jahren empfahl eine unabhängige Expertenkommission eine Anhebung der Frist auf 18 Wochen. Annelies Verlinden ignoriert also diese Expertenmeinung und untermauert das mit Scheinargumenten, die offensichtlich ideologisch motiviert sind. Das ist nichts anderes als Paternalismus auf dem Rücken von vor allem Frauen in prekären Lebenslagen.

Gent und Genk: nur ein Buchstabe Unterschied?

Het Belang van Limburg schließlich sorgt sich um die Zukunft von Volvo Gent. Die flämische Regierung will 119 Millionen Euro auf den Tisch legen, um den Autobauer davon zu überzeugen, seine PKW-Produktionslinie am Standort Gent zu behalten. "Die Vergangenheit lehrt aber, dass solche Finanzhilfen in den seltensten Fällen zum Erfolg führen", meint das Blatt. Renault Vilvoorde, Opel Antwerpen, Ford Genk, Audi Brussels: In all diesen Fällen waren die Konzerne mit stattlichen Millionensummen bedacht worden. Im besten Fall hat man damit ein bisschen Zeit gekauft. Vor allem aber wurde auf diese Weise von den wahren Problemen abgelenkt. Stichwort Lohnkosten, Stichwort Energiepreise, Stichwort Genehmigungsdschungel. Die flämische Regierung kann jetzt zumindest behaupten, "etwas" unternommen zu haben. Gent und Genk, am Ende ist ein Buchstabe vielleicht der einzige Unterschied.

Roger Pint

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