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Die Presseschau von Dienstag, dem 2. Juni 2026

02.06.202609:26
Eine Polizeiabsperrung an der Unfallstelle in Buggenhout
Eine Polizeiabsperrung an der Unfallstelle in Buggenhout (Bild: Emile Windal/Belga)

Die Leitartikler kommentieren neue Pressemeldungen zum Busunglück in Buggenhout, beschäftigen sich aber auch mit der Einrichtung eines Untersuchungsausschusses in Brüssel, der Entlassung des Mörders Freddy Horion aus dem Gefängnis und den Gefahren und Chancen von KI für den Arbeitsmarkt.

"Beschwerden über das Fahrverhalten des Busfahrers schon lange vor dem Unfall", titeln fast gleichlautend Gazet van Antwerpen Het Nieuwsblad und Het Laatste Nieuws.

Dabei geht es um das Unglück mit einem Schulbus in Buggenhout von vor genau einer Woche. Busbegleiterinnen hatten sich schon lange vor der Unglücksfahrt, bei der vier Menschen starben, über das angeblich ruppige Fahren des Busfahrers beschwert. Die VRT hatte gestern über die Aussagen der Frauen berichtet.

Gazet van Antwerpen kommentiert: "Die Beschwerden über das rücksichtslose Fahrverhalten des Busfahrers deuten an, dass das Busunternehmen fahrlässig gehandelt hat. Das Unternehmen kannte die Vorwürfe gegen den Fahrer, setzte ihn aber weiter ein. Die Sicherheit der Kinder, die ihm anvertraut wurden, war nicht oberste Priorität für das Unternehmen. Frei nach dem Motto: Lieber einen wilden Busfahrer als keinen Busfahrer. Weil man ja auch weiß, dass gute Busfahrer sehr schwer zu finden sind. Die richtige Haltung allerdings müsste sein: Lieber keinen Busfahrer als einen gefährlichen", ärgert sich Gazet van Antwerpen.

Zeit als entscheidender Faktor

In der Hauptstadtregion Brüssel hat sich das Parlament dazu entschieden, einen Untersuchungsausschuss zur Vergabe von Sozialwohnungen in Anderlecht einzurichten. Dazu schreibt La Dernière Heure: "Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wegen des Verdachts der Vetternwirtschaft und Veruntreuung öffentlicher Gelder? Lieber zwei statt nur einem. Aber was macht das Brüsseler Parlament? Mit Rücksicht auf die mitregierende PS – denn die Vorwürfe richten sich gegen Mitglieder dieser Partei – wird unter großen Mühen ein Schnellverfahren beschlossen. Bis 21. Juli soll der Untersuchungsausschuss fertig sein. Zum Glück gibt es eine Instanz, die sich alle Zeit der Welt nehmen wird, um gründlich alles zu untersuchen: nämlich die Justiz", freut sich La Dernière Heure.

La Libre Belgique bemerkt: "Grund für das vorsichtige Handeln des Brüsseler Parlaments ist die fragile Regierungssituation. Die PS wird gebraucht in der neuen Regierung, die unter so großen Schwierigkeiten und nach unendlich langer Zeit vor wenigen Wochen erst gebildet wurde. Eine Regierungskrise oder gar ein Platzen der Koalition kann sich die Region nicht leisten. Das wird die Wahrheitsfindung beim Fall Anderlecht behindern. Aber eine weitere Blockade jeglicher Entscheidungen in der Hauptstadt muss unbedingt vermieden werden", behauptet La Libre Belgique.

Ein ultimatives Recht

De Morgen beschäftigt sich mit der Entlassung des mehrfachen Mörders Freddy Horion auf dem Gefängnis. Horion war Anfang der 1980er Jahre zunächst zum Tod, nach Abschaffung der Todesstrafe automatisch zu lebenslanger Haft verurteilt worden. "Immer wieder", so De Morgen," hatte der belgische Staat es abgelehnt, Horion aus der Haft zu entlassen, obwohl Psychiater ihm seit 2018 bescheinigt hatten, keine Gefahr mehr für die Gesellschaft zu sein. Für diese Weigerung ist Belgien sogar verurteilt und muss Geld bezahlen. Vergangenes Jahr hat Horion Antrag auf Euthanasie gestellt. Natürlich ist er kein Opfer, er ist ein Mörder. Aber auch er hat ein Recht darauf, menschenwürdig alt zu werden. Dass er jetzt mit Fußfesseln in einem forensischen Behandlungszentrum leben darf, ist eine richtige Entscheidung", findet De Morgen.

De Standaard stimmt dem zu: "So dämonisch und traumatisch die Mordtaten von Horion damals auch gewesen sind: Die Chance auf Haftentlassung ist das ultimative Recht eines jeden Gefangenen. Nur dadurch bleibt unser Rechtssystem human. Dass diese Entlassung aus dem Gefängnis viel Unmut hervorruft, ist nachzuvollziehen. Aber manchmal muss sich die Justiz auch über den Willen des Volkes stellen", meint De Standaard.

KI und Arbeitsmarkt – ein Problem?

Het Nieuwsblad berichtet: "Die Bank BNP Paribas Fortis will in zwei Jahren 1.000 Mitarbeiter durch Künstliche Intelligenz ersetzen. Solche Meldungen wird es künftig häufiger geben, und das sind schlechte Nachrichten für unsere Regierung. Die will ja mehr Menschen zum Arbeiten bewegen, auch, weil dadurch mehr Geld in die Sozialsysteme fließt. Es wird dringend nötig sein, dass für jeden Job, der von KI statt eines Menschen ausgeführt wird, eine Abgabe an den Staat fließt. Ansonsten bekommen unsere Regierungen bald ein neues, großes haushaltspolitisches Problem", befürchtet Het Nieuwsblad.

De Tijd scheint weniger beunruhigt und stellt fest: "Viele Berufe, gerade auch Mangelberufe, werden von KI gar nicht ersetzt werden können. Schweißer, Kellner, Altenpfleger sind einige Beispiele. Auch Lehrer. Aber KI könnte helfen, ihre Arbeitslasten zu verringern. Hierüber müsste nachgedacht werden, damit die neue Technologie ein Gewinn für die Gesellschaft und keine Bedrohung wird", überlegt De Tijd.

Kay Wagner

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