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Die Presseschau von Mittwoch, dem 27. Mai 2026

27.05.202608:55
Die Unfallstelle in Buggenhout nach der Kollision von einem Zug mit einem Schulbus
Die Unfallstelle in Buggenhout (Bild: Dirk Waem/Belga)

Im ostflämischen Buggenhout ist es gestern zu einer folgenschweren Kollision zwischen einem Schulbus und einem Personenzug gekommen. Vier Menschen starben, darunter zwei Schüler. Fast alle Titelseiten und auch die Leitartikel befassen sich intensiv mit diesem Unglück, das bis über die Landesgrenzen hinaus für Bestürzung sorgt.

"Vier Tote bei Zugunglück in Ostflandern: Zwei Kinder und zwei Erwachsene sterben bei Kollision von Schulbus und Zug", titelt das GrenzEcho. "Drama von Buggenhout: Der Horror – Belgien weint um die Opfer", so La Dernière Heure. "Tödliches Drama an Bahnübergang", schreibt Het Nieuwsblad. "'Es passierte blitzschnell' – noch viele Fragen nach Unfall in Buggenhout", fasst De Standaard zusammen. "Unverständnis", lautet die Überschrift von Le Soir über einem Foto des Unfallorts. "Warum ist der Fahrer durch eine geschlossene Schranke gefahren?", stellt Het Laatste Nieuws die Frage, die alle beschäftigt.

Dieser Kleinbus mit Schulkindern an Bord hätte unserer sein können, der unserer Freunde, unserer Nachbarn, trauert Le Soir in seinem Leitartikel. Es ist unerträglich, unvorstellbar, unmöglich, dass Kinder, die einem professionellen Dienstleister anvertraut worden waren, auf dem Weg zur Schule gestorben sind. Großeltern, die ihre Enkel zur Schule brachten und Zeugen des Dramas wurden, haben es in so einfachen wie furchtbaren Worten gesagt: Man kann gar nicht glauben, wie schnell so etwas geht, es hat kaum eine Sekunde gedauert. Sofort kommt einem wieder das Busunglück im Tunnel von Siders in den Sinn, oder auch die Amokfahrt von Strépy-Bracquegnies. Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden, die auf der Straße den Tod gefunden haben. Es ist zu früh für irgendwelche Schlussfolgerungen, die Experten müssen erst ihre Arbeit tun. Aber es ist die Pflicht der Demokratie und jedes Bürgers, dafür zu sorgen, dass sich solche Dramen nicht wiederholen, appelliert Le Soir.

Die politischen Fragen sind für später

Es hätte ein alltäglicher Weg zur Schule werden sollen, schreibt Het Laatste Nieuws. "Bis heute Abend", werden die Eltern ihren Kindern noch gesagt haben. Aber für die vier Opfer hat es keinen Abend mehr gegeben. Das ganze Land trauert, kein Minister, der nicht sein Beileid ausgedrückt hätte, auch im frankophonen Landesteil, ja selbst in Europa ist die Bestürzung groß. Das Unglück von Buggenhout berührt wirklich alle. Viele Menschen sind noch in Schock, das Drama muss sich erst setzen, es muss angemessen getrauert werden. Erst danach ist die Zeit für politische Fragen. Zum Beispiel über Bahnübergänge, an denen es ja noch immer wieder und wieder zu Unfällen kommt. Oder zum Transport von Förderschülern. Und natürlich will alle Welt schon jetzt wissen, was mit dem Fahrer des Schulbusses los war, fasst Het Laatste Nieuws zusammen.

Kein Spielraum für Fehler

Wieder vier Tote, seufzt L'Avenir. Vier Tote zu viel. Und dann sind da noch all die Familien, die das Drama zerstört hat, und die Überlebenden, die ihr Leben lang an den Folgen zu tragen haben werden. In einigen wenigen Sekunden hat sich ein Schulweg in einen Albtraum auf den Schienen verwandelt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, nach bisherigen Erkenntnissen war der Bahnübergang zu, waren die Schranken geschlossen. Allein der Gedanke, dass der schlimme Unfall womöglich auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen sein könnte, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Bahnübergänge sind und bleiben gefährlich, sie lassen keinen Spielraum für irgendwelche Fehler. Nicht den geringsten Spielraum. Wenn ein Zug kommt, kommt der nicht schnell zum Stehen, er zermalmt alles, was im Weg ist. Und eines ist sicher, unabhängig von dem, was die Ermittlungen am Ende ergeben werden: Solange es noch 1.601 Bahnübergänge gibt in Belgien, solange wird es ein Risiko weiterer Kollisionen geben. Diese Infrastrukturen sind keine einfachen Kreuzungen, sie sind neuralgische Punkte. Jede ignorierte rote Ampel, jede Sekunde Unaufmerksamkeit können jederzeit ganze Leben auf den Kopf stellen, warnt L'Avenir.

Man wird nach Verantwortlichen suchen für die Tragödie, hält La Dernière Heure fest. Das ist die unerlässliche Aufgabe der Justiz. Zeugen werden befragt werden, Aufnahmen von Überwachungskameras werden ausgewertet werden, Prozeduren werden zerpflückt werden. Man wird alles tun, um zu versuchen zu verstehen, warum ein Busfahrer mit zehn Jahren Berufserfahrung durch die geschlossene Schranke des Bahnübergangs gefahren ist. Man wird auch wieder Fragen stellen zu Bahnübergängen allgemein, die immer noch jedes Jahr Menschen töten in Belgien. All das ist notwendig. Aber nicht sofort. Vor allen Expertenanalysen, Debatten und Berichten müssen wir vor allem erst mal innehalten. An die Familien denken, die ihre Kinder ein letztes Mal in den Bus steigen sahen. An die zutiefst getroffenen Klassenkameraden und Kollegen. Wenn das Unaussprechliche passiert, sind zunächst Stille und Respekt geboten. Und die bittere Erinnerung, dass selbst alltägliche Wege nie eine Selbstverständlichkeit sind, so La Dernière Heure.

Ein Mindestmaß an Respekt

Das Drama von Buggenhout wirft viele Fragen auf, unterstreicht auch Het Nieuwsblad. Aber der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen gebietet vor allem eines: Nicht selbst irgendwelche angeblichen "Antworten" in die Welt setzen. Natürlich war das Unglück auch in den sozialen Medien ein großes Thema. Die meisten Posts waren, wie sie sein mussten, sie drückten Beileid und Mitgefühl aus. Aber es gab leider auch andere. Wie die, die jeden Politiker angriffen, der sich zu Wort gemeldet hatte, und ihnen eine Mitschuld am Geschehenen gaben. Andere nahmen die Nahverkehrsgesellschaft De Lijn ins Visier. Der absolute Tiefpunkt war aber eine rechtsextreme selbsternannte Nachrichten-Webseite, die die Schuld an dem Unglück mehr oder weniger direkt den Kindern im Schulbus gab. Nicht nur, dass so etwas unanständig ist, es ist auch ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Angehörigen, es fügt ihnen weiteren Schmerz zu. Urteile fällen, bevor die Fakten überhaupt geklärt sind, das ist für viele wirklich ein Hobby geworden in den sozialen Medien. Könnten sich also bitte alle, um ein absolutes Mindestmaß an Respekt zu zeigen, mit ihren persönlichen Theorien zurückhalten? Zumindest bis klar ist, was da eigentlich geschehen ist, und die Betroffenen eine Chance hatten, das zu verarbeiten?, wettert Het Nieuwsblad.

Boris Schmidt

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