"Trump arbeitet an 'Großem Iran-Deal', der alle wichtigen Fragen aufschiebt", titelt De Standaard auf Seite eins. "Trump lockt den Iran mit Nahost-Deal: Präsident bringt Land für Abraham-Abkommen ins Spiel", schreibt das GrenzEcho. "Trump über die Gespräche mit dem Iran: 'Ein großartiger Deal oder gar kein Deal'", so Het Laatste Nieuws. "Der Krieg im Nahen Osten zwischen Lösung und Eskalation", bringt es La Libre Belgique auf den Punkt. Diese Schlagzeilen reflektieren allerdings den Stand der Dinge zum Zeitpunkt des Drucks der Zeitungen: In der Nacht haben die Vereinigten Staaten erneut Ziele im Iran bombardiert.
Die Verhandlungen mit dem Iran liefen gut, verkündete US-Präsident Donald Trump am Wochenende in den Sozialen Medien, erinnert Het Belang van Limburg in seinem Leitartikel: Entweder es werde ein "großartiger Deal für alle oder gar kein Deal". Bei der Gelegenheit feuerte Trump auch wieder aus allen Rohren auf seinen Amtsvorgänger Barack Obama wegen dessen Iran-Politik. Ein vergeblicher Versuch von Trump, seine eigene Niederlage zu verstecken. Eine Niederlage, die selbst für seine treuesten Anhänger kaum noch zu leugnen ist. Trump gerät immer stärker unter Druck, den Konflikt, den er zusammen mit Netanjahu vom Zaun gebrochen hat, zu beenden. Dafür braucht er einen Deal, der auch die nuklearen Pläne des Iran beinhaltet. Über Details zu den aktuellen Verhandlungen ist nichts bekannt, aber es ist so gut wie sicher, dass die USA die schlechteren Karten haben: Das iranische Regime sitzt fester denn je im Sattel, die Vereinigten Staaten sind geschwächt, die Weltwirtschaft leidet, resümiert Het Belang van Limburg.
China kann sich die Hände reiben
Donald Trump steht unter enormem Druck, das Kapitel Iran-Krieg zu schließen, um für die Midterm-Wahlen im November zu retten, was vielleicht noch zu retten ist, schreibt La Libre Belgique. Die Konsequenzen seines Handelns werden immer deutlicher: ein gestärktes Regime in Teheran, das mehr denn je danach streben wird, sich nuklear zu bewaffnen, um sich gegen künftige Angriffe zu schützen; eine geschlossene Straße von Hormus; ein Naher Osten, der noch weiter destabilisiert worden ist dank tatkräftiger Unterstützung durch Israel; deutlich geschwächte Bündnisse mit den arabischen Ländern der Region. Und da reden wir noch gar nicht über langfristige Folgen. China kann sich derweil die Hände reiben, ohne einen Finger gerührt zu haben: Nicht nur, dass die Führer der Welt nach Peking pilgern. Trumps Iran-Krieg hat den Chinesen auch die Möglichkeit gegeben, alle Schwächen der USA zu analysieren. Hinzu kommt, dass Trump die Munitionsvorräte der Vereinigten Staaten bis tief nach Asien für seinen Krieg erschöpft hat, hält La Libre Belgique fest.
Fast drei Monate, nachdem die Vereinigten Staaten und Israel die Lunte des Pulverfasses angezündet haben, ist der Iran-Krieg längst zu einem enormen Klotz am Bein von Donald Trump geworden, unterstreicht De Tijd: Statt eines leichten Siegs und einem Regimewechsel in Teheran stecken die USA erneut in einem sich hinziehenden Krieg in einem fernen Land fest. Trump behauptet, dass die Zeit für die Vereinigten Staaten spiele. Die Reaktion der iranischen Hardliner darauf: Den Bluff-Versuchen eines geschlagenen Präsidenten dürfe man nicht glauben, die Zeit arbeite gegen die Amerikaner. Zeit ist in jedem Fall etwas, was gebraucht würde, um dringend benötigtes gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Das ist natürlich sehr schwierig, gerade mit Trumps Dauer-Getöse in den Sozialen Medien und seinen ständigen Kurswechseln, so De Tijd.
Digitale Echokammer
De Morgen befasst sich mit der gerade vorgestellten ersten sogenannten Enzyklika von Papst Leo XIV.: Man mag es kaum glauben, aber ja, wir müssen dem Papst mal Recht geben. Seine Enzyklika, in der er eindringlich vor den Gefahren durch Künstliche Intelligenz warnt, ist aktueller denn je. Wir müssen die KI regulieren, bevor es zu spät ist für uns. "Entwaffnen" ist das Wort, das der Papst in diesem Zusammenhang benutzt hat. Natürlich ist schon so viel vor den Gefahren durch KI gewarnt worden, dass das Risiko besteht, dass die Menschen das gar nicht mehr hören wollen. Aber eine neue Studie unterstreicht, wie dramatisch die Lage mittlerweile ist: Demnach ist fast die Hälfte der Teenager offen für einen digitalen KI-Freund, also für einen Chatbot, mit dem sie über alles sprechen können und der immer Zeit hat. Noch beunruhigender: Fast jeder dritte Teenager findet einen KI-Freund, der nie sauer wird und immer Zeit hat, besser als einen echten Freund aus Fleisch und Blut. Wir reden hier über Chatbots, die darauf programmiert sind, Menschen nach dem Mund zu reden, ihnen nicht zu widersprechen und im Zweifelsfall lieber selbst schlechte Ratschläge zu geben. KI-"Freunde" sind eine Echokammer, also das genaue Gegenteil guter Freunde, stellt De Morgen klar.
Terror-Bedrohungen wird es immer geben
L'Echo greift den jüngsten Jahresbericht des Anti-Terror-Stabs OCAM auf: Es ist kaum zwei Monate her, dass wir den zehnten Jahrestag der furchtbaren Anschläge in Brüssel begangen haben. Terrorangriffe, die sich tief in unsere Psyche eingegraben haben und unseren Alltag bis heute mitprägen. Aber der Jahresbericht des OCAM vermeldet, dass die terroristische Bedrohung deutlich gesunken ist. Über 25 Prozent weniger Meldungen über extremistische und terroristische Bedrohungen im letzten Jahr. Noch markanter: Nur fünf Prozent dieser Meldungen sind als glaubwürdig eingestuft worden. Selbst die dschihadistische Bedrohung geht eindeutig zurück, auch wenn sie die relevanteste bleibt. Als Konsequenz erwägt der Anti-Terror-Stab ernsthaft die Terrorwarnstufe zu senken, von noch drei auf dann zwei. Ohne den Iran-Krieg hätte man diesen Schritt vielleicht schon getan, so der OCAM. Aber sind wir wirklich bereit für so etwas? Und selbst wenn wir gewisse Freiheiten zurückbekommen würden, würde das noch lange nicht bedeuten, dass wir uns keine Sorgen mehr über Terrorismus machen müssten. Denn Bedrohungen gibt es weiter und wird es immer geben. Das Ziel muss sein, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Risikovermeidung und Freiheiten, meint L'Echo.
Boris Schmidt