"Protest an der Uni Gent läuft aus dem Ruder", titeln Het Belang van Limburg und Het Nieuwsblad. "Pro-palästinensische Demonstranten in Rektorat der Uni Gent festgenommen", so De Standaard. "Vandalismus und 44 Festnahmen bei pro-palästinensischem Studentenprotest", schreibt De Morgen. "Uni Gent erwägt juristische Schritte nach Verwüstung von Rektorat – überall Klebstoff verteilt und Farbe auf Kameras und Fenstern", führt Het Laatste Nieuws aus. "Pro-palästinensischer Protest an der Uni Gent: Von den 18 Projekten mit Verbindungen nach Israel ist nur eins gestoppt worden", hebt De Tijd hervor.
Man stelle sich mal vor, dass vermummte Aktivisten einer rechtsextremen Studentengruppierung wochenlang Gebäude der Universität Gent besetzen und einen absoluten Migrationsstopp fordern würden, schreibt De Morgen in seinem Leitartikel. Man stelle sich vor, dass es am Rande dieses Protestes zu Vandalismus kommen würde, dass Aktivisten Slogans wie "Umvolkung" oder "Remigration" an die Wände sprühen würden. Wie würden die Reaktionen auf solche Vorfälle wohl aussehen? Sehr wahrscheinlich würden wir dann über eine Rückkehr in die 1930er-Jahre lesen. Und wir würden vermutlich Forderungen hören, dass diese Proteste unterbunden werden müssten. Und das wäre wohl auch gerechtfertigt. Dieses Gedankenspiel zeigt, wie problematisch das Verhalten der linksextremen Aktivisten an der Uni Gent ist, die die Verbindungen der Universität mit israelischen Institutionen anprangern. Ja, auch wir sind der Meinung, dass Israel viel zu weit geht, dass sein Handeln in Gaza verwerflich ist. Aber das gibt trotzdem niemandem das Recht, gegen Gesetze zu verstoßen. Hinzu kommt, dass solche Aktionen der palästinensischen Sache erheblichen Schaden zufügen. Ganz zu schweigen von der fortschreitenden Radikalisierung auf der linken und rechten Seite. Die sogenannte "gute Sache" musste schon oft herhalten als Rechtfertigung für Gewalt und Grenzüberschreitungen. Aber die Geschichte lehrt, dass das nur zu noch mehr Elend führt, warnt De Morgen.
Eines Schurkenstaats würdig
L'Avenir greift die öffentliche Demütigung von festgenommenen pro-palästinensischen Aktivisten einer Gaza-Hilfsflotille auf: Von Spanien über Italien, Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Irland bis Belgien ist die Empörung über das Verhalten des rechtsextremen israelischen Polizeiministers Itamar Ben-Gvir groß. Das Video, in dem er die zum Knieen gezwungenen, geknebelten internationalen Aktivisten übelst verspottet, wäre eines Schurkenstaates würdig. Ihr einziges "Verbrechen": Sie hatten versucht, Hilfsgüter ins noch immer von Israel blockierte Gaza zu bringen. Man mag zu ihrer Aktion stehen, wie man will, aber nichts rechtfertigt das Verhalten Ben-Gvirs. Dieses Video ist ein weiterer Schandfleck, es beschädigt das ohnehin schon sehr ramponierte Image Israels weiter. Aber dennoch gibt es noch Mitglieder der internationalen Gemeinschaft, die wegsehen und Israel einen Blankoscheck ausstellen. Und Europa streitet weiter über eine Aussetzung des Assoziierungsabkommens mit Israel, prangert L'Avenir an.
Was die drei gerade wütenden großen Kriege betrifft, also die in Gaza, im Iran und in der Ukraine, verschiebt sich die Aufmerksamkeit der Medien immer mehr, hält Gazet van Antwerpen fest. Sie konzentrieren sich auf die zynischen Machtspiele der Mächtigen dieser Welt, auf die Auswirkungen der Konflikte auf die Wirtschaft und auf die Börsenkurse anstatt auf die Opfer. Und währenddessen geht das Sterben weiter. Trump und Putin, die die Kriege vom Zaun gebrochen haben, werden in China gefeiert und kritiklos als große Führer empfangen. Das ist der zynische Zustand der Welt. Jeder Krieg führt zu Elend bei den einen und macht andere reich. Wer keine Macht hat, bekommt auch keine Aufmerksamkeit, egal, wie verdient sie auch wäre, klagt Gazet van Antwerpen an.
Ein verheerender Kahlschlag
De Standaard beschäftigt sich aus einem anderen Grund mit US-Präsident Donald Trump: Einer seiner ersten Schritte war, die amerikanische Entwicklungshilfe-Agentur USAID abzuschaffen. Fast zeitgleich kürzte er die Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation WHO, was deren Schlagkraft um 20 Prozent verringerte. Die renommierte Fachzeitschrift "The Lancet" geht davon aus, dass die Einschnitte bei der internationalen Hilfe bis 2030 etwa 14 Millionen Menschenleben zusätzlich kosten werden, darunter die von 4,5 Millionen Kindern unter fünf Jahren. Wie verheerend der Kahlschlag ist, sieht man gerade auch am Ebola-Ausbruch im Ost-Kongo. Der noch verschlimmert wird durch die militärisch zwar erfolgreichen, aber sonst inkompetenten M23-Rebellen, die eigentlich nicht mehr als eine Hilfsarmee des ruandischen Machthabers Paul Kagame sind, so resigniert De Standaard.
Wenig repräsentatives "Foto von Flandern"
In Flandern sorgt derweil die Sozialstudie "Foto von Flandern" des öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT für viel Polemik: Der flämische Philosoph Maarten Boudry wirft der VRT in diesem Zusammenhang vor, zu unterschlagen, dass muslimische Flamen besonders konservativ und frauenfeindlich sind. Die Untersuchung der VRT beruht auf der Befragung von 2.261 Flamen, kommentiert dazu Het Nieuwsblad. Davon haben gerade mal 21 türkische und marokkanische Wurzeln. Wie soll man auf Basis einer so kleinen Gruppe bitte zu Schlussfolgerungen kommen, wie Boudry es tut? Der Philosoph hat natürlich seine eigene Agenda. Aber intellektuell ehrlich ist es nicht, was er da macht, meint Het Nieuwsblad.
Von den 310 befragten Ausländern kamen 95 aus den Niederlanden, hebt Het Belang van Limburg hervor. Also nicht wirklich Menschen, die in einer Parallelgesellschaft leben. Und wie aussagekräftig beziehungsweise repräsentativ sollen denn bitte die Meinungen von fünf Türken, 16 Marokkanern, 11 Italienern, sechs Ukrainern und neun Polen sein? Wobei ja schon doppelt so viele Franzosen wie Türken teilgenommen hatten an der Umfrage. Nein, von repräsentativen Aussagen über Flandern kann keine Rede sein, ist Het Belang van Limburg überzeugt.
Boris Schmidt