"Brügge auf dem Weg zum Titel", schreibt La Dernière Heure auf Seite eins. "Noch einmal gewinnen und FC Brugge ist Meister", titelt Het Belang van Limburg. "Brügge erniedrigt Union und greift nach dem Titel", notiert Le Soir auf seiner Titelseite.
Fast alle Zeitungen berichten schon an prominenter Stelle vom überraschend hohen 5:0 Sieg des FC Brugge gegen den Brüsseler Spitzenclub Union Saint-Gilloise. Zwei Spieltage vor Schluss scheint damit die Fußballmeisterschaft de facto entschieden. In den Leitartikeln beschäftigen sich die Zeitungen allerdings mit anderen Themen.
Het Belang van Limburg analysiert das Ergebnis des Eurovision Song Contests und atmet auf: Uff, die bulgarische Sängerin Dara hat mit ihrem Lied Bangaranga den Sieg von Israel noch verhindern können. Auch die Veranstalter des ESC werden deshalb wohl einen kleinen Freudensprung gemacht haben. Denn man stelle sich nur vor, Israel hätte tatsächlich gewonnen. Dann hätte der Songwettbewerb nächstes Jahr wahrscheinlich nicht stattfinden können. Über die Rolle von Israel beim ESC muss unbedingt weiter diskutiert werden. Die VRT zum Beispiel fordert ja, dass innerhalb der Organisation abgestimmt wird, ob gewisse Länder am ESC teilnehmen dürfen oder nicht. Ob das der richtige Weg ist, sollen andere entscheiden. Aber eins ist sicher: So wie bisher kann es nicht weitergehen mit dem ESC, betont Het Belang van Limburg.
Aufregung in Flandern
La Libre Belgique beobachtet mit Blick auf die Arbeit der Föderalregierung: Der Streit um die Reformen scheint sich zum Dauerzustand von Arizona zu entwickeln. Jüngstes Beispiel der Streit um die Indexdeckelung. Wie lange wird das jetzt schon diskutiert, kritisiert und auch schon wieder in Frage gestellt, selbst innerhalb der Koalition? Gefühlt ist keine einzige Reform von Bart De Wevers Koalition ohne diese endlosen Diskussionen durchgekommen. Daran sollte sich unbedingt etwas ändern. Denn sonst produziert die Regierung leider nicht, wie angekündigt, eine Reform nach der anderen, sondern lediglich Schall und Rauch, ärgert sich La Libre Belgique.
Das GrenzEcho berichtet: Die Aufregung in Flandern ist groß: Bildungsministerin Zuhal Demir möchte tief in den Schulalltag eingreifen: Weniger freie Tage, strengere Anwesenheitspflichten und weniger "verlorene" Unterrichtszeit rund um Prüfungen und Schuljahresende. Das ist eine Debatte, die für die Deutschsprachige Gemeinschaft ebenfalls interessant ist. Wobei natürlich auch die Kritik an diesem Vorhaben richtig ist: Mehr Anwesenheit bedeutet nicht automatisch besseren Unterricht. Wenn Lehrermangel, Krankenstände und Arbeitsdruck weiter steigen, wird zusätzliche Präsenz schnell zur bloßen Beaufsichtigung statt zu echter Bildungsqualität. Trotzdem trifft die flämische Bildungsministerin einen wunden Punkt. Die Frage, wie effizient die vorhandene Schulzeit tatsächlich genutzt wird, sollte man auch in der DG nicht reflexartig abwehren, rät das GrenzEcho.
Unterrichtsfach "Digitales Leben"
Le Soir macht sich Gedanken zum Einfluss der Sozialen Medien auf Jugendliche und notiert: Unsere Jugendlichen verbringen viel zu viel Zeit vor Bildschirmen. Die große Frage bleibt, wie man am sinnvollsten darauf reagieren soll. Wahrscheinlich ist es das Beste, über die Bildung gegen den Sog der Algorithmen anzukämpfen. Ein Schulfach "Digitales Leben" sollte zum Pflichtfach werden. Wenn Kinder lernen, wie Algorithmen geschaffen werden und funktionieren, ist das ein erster wichtiger Schritt, um die Abhängigkeit von solchen Algorithmen zu verringern. Viele negative Effekte des Internets wie zum Beispiel Desinformation und Manipulation könnten dann viel besser erkannt werden, glaubt Le Soir.
Het Nieuwsblad meldet, dass das flämische Beratungstelefon für Eltern im vergangenen Jahr mehr Anrufe von Vätern erhalten hat. Das ist doch mal eine positive Nachricht, freut sich die Zeitung. Denn das zeigt, dass sich tendenziell auch immer mehr Väter verantwortlich fühlen für die Erziehung ihrer Kinder. Das ist ein weiterer Schritt hin zu dem Ziel, alte Rollenbilder in der Familie aufzubrechen. So muss es weitergehen. Die jüngste Entwicklung sollte für Familienministerin Caroline Gennez Motivation genug sein, mehr Geld für diese Beratungsstelle zur Verfügung zu stellen, findet Het Nieuwsblad.
Bald ist Fußball-WM, oder?
La Dernière Heure seufzt: "Schlimmer als erwartet", das ist der Soundtrack für das Frühjahr 2026. Ein Wetter wie im November, Sparpläne aller Regierungen, die irgendwie nicht greifen und nur ein 21. Platz beim ESC für Belgien, Inflation, steigende Preise und dann auch noch das zweite Jahr von Trumps Come-Back im Weißen Haus, eine Weltpolitik, die aus den Fugen gerät. Alles also nicht wirklich prickelnd. Aber für heute nehmen wir uns mal vor zu feiern. Selbst wenn es regnen sollte. Denn bald spielen doch die Roten Teufel bei der Fußball-WM, oder?, versucht sich La Dernière Heure im Optimismus.
Kay Wagner