"Ich habe niemals töten wollen", schreibt als Zitat Le Soir auf Seite eins. "Ich habe eine große Dummheit gemacht", heißt es ebenfalls im Zitat im Aufmacher von l’Avenir. "Ich habe mich überlegen und unangreifbar gefühlt", so die Schlagzeile in Anführungsstrichen bei La Dernière Heure.
Mehrere frankophone Zeitungen berichten bereits auf ihren Titelseiten vom Prozessbeginn in Mons zur Todesfahrt von Strépy. Vor gut vier Jahren war ein Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Gruppe von Karnevalisten gerast. Sieben Menschen starben, zahlreiche wurden verletzt.
Dazu kommentiert Le Soir: Es ist kein Zufall, dass die Justiz die Ereignisse von Strépy von einer Geschworenenjury beurteilen lässt. Das ist ganz im Gegenteil bewusst so gewählt, um zu zeigen, wie relevant die zu verhandelnde Tat für die breite Gesellschaft ist. Denn worum geht es im Kern? Darum, dass ein Autofahrer viel zu schnell gefahren ist und dadurch Menschen getötet hat. Zu schnelles Autofahren ist immer noch ein Phänomen, das weit verbreitet ist in Belgien. Im Straßenverkehr sterben jährlich 445 Menschen, ein Drittel davon wegen zu schnellen Fahrens. Der Prozess erinnert daran, dass jeder, der sich hinter ein Steuer setzt, damit auch Verantwortung übernimmt. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Leben von anderen, betont Le Soir.
Viel Vertrauen verspielt
La Libre Belgique wertet genauso und ergänzt: Das Urteil der Jury wird deshalb weitreichende Bedeutung haben. Es wird die Art und Weise vorzeichnen, wie die Justiz künftig bestimmte "Verkehrsunfälle" mit Todesfolgen beurteilen wird. Wenn die Absicht zu Töten bei dem Angeklagten erkannt werden sollte, würde die Straße aufhören, ein Raum mit mildernden Umständen aus Sicht der Strafgerichtsbarkeit zu sein, behauptet La Libre Belgique.
Die Wirtschaftszeitung L’Echo bemerkt zum Ende des Streiks bei Bpost: Der Streik hat den Ruf und das Image von Bpost nachhaltig beschädigt. Die Kunden sind zu Recht verärgert. Über einen Monat lang haben sie die Dienstleistungen von Bpost nicht erhalten. Sie wurden im Ungewissen gelassen, was mit ihren Briefen und Päckchen passiert, auf die sie zum Teil dringend gewartet haben. Im Zeitalter des Online-Handels hängt von der zuverlässigen Lieferung von Päckchen allerdings viel ab. Bpost hat hier viel Vertrauen verspielt. Es wird schwer sein, dieses Vertrauen zurückzugewinnen. Eigentlich schade, denn das öffentliche Unternehmen war gerade dabei, den Rückstand gegenüber der Konkurrenz bei der schnellen und zuverlässigen Paketauslieferung wettzumachen, bedauert L’Echo.
Apokalypse scheint vorerst abgewendet
Zur Rückkehr von Transitmigranten an der belgischen Küste stellt Het Laatste Nieuws fest: Die europäische Asylpolitik bleibt weiter ein Schweizer Käse mit vielen Löchern. Weil Frankreich jetzt härter gegen Transitmigranten vorgeht, weichen die Schleuser wieder nach Belgien aus. Und wir tun uns weiterhin genauso schwer mit diesen illegalen Einwanderern, wie andere Staaten: Nur 20 Prozent von ihnen kehren, wenn man sie erwischt und zur Rückkehr in ihre Heimat aufgefordert hat, tatsächlich wieder dorthin zurück. Mit dieser laxen Durchsetzung ihres Rechts tut sich die EU keinen Gefallen. Denn das schwächt die Akzeptanz von Menschen, die legal nach Europa einwandern. Das Abschieben von illegalen Migranten muss zur Regel werden. Auch, wenn man dafür mit den Taliban aus Afghanistan reden muss, wie das gerade die EU-Kommission plant, fordert Het Laaste Nieuws.
De Morgen schaut auf die jüngsten Prognosen des Weltklimarats der UN und berichtet: Die Experten gehen jetzt davon aus, dass sich die schlimmsten Szenarien nicht verwirklichen werden. Eine Erderwärmung um vier bis sechs Grad bis zum Ende des Jahrhunderts – von dieser Vorstellung haben sich die Wissenschaftler verabschiedet. Maximal könnten es jetzt "nur" noch 3,5 Grad Celsius werden. Denn: Die Maßnahmen zur Verringerung des Menschen gemachten CO2-Ausstoßes zeigen Wirkung. Gute Nachrichten also? Zum einen ja, weil dadurch apokalyptische Zustände perspektivisch erst einmal vom Tisch sind. Zum anderen nicht unbedingt. Denn auch die positivste Entwicklung, in der sich das Klima nur um 1,5 Grad bis 2100 erwärmen könnte, wurde von den Wissenschaftlern kassiert. Veränderungen wird es also weiterhin geben. Ein Signal, Klimapolitik zu vernachlässigen, sind die neuen Zahlen deshalb auf keinen Fall, warnt De Morgen.
Schatten über den Sternen
L’Avenir macht sich Gedanken zur Vergabe der Michelin-Sterne für Spitzenrestaurants: Die diesjährige Auszeichnung in Belgien fühlt sich an wie eine große Ungerechtigkeit für viele frankophone Küchenchefs. Bis auf wenige Ausnahmen gingen sie leer aus. Wohingegen flämische Chefs mit Sternen quasi überhäuft wurden. Objektiv scheint diese Vergabe nicht verlaufen zu sein. Vielmehr scheint es so, als ob der Sprachenstreit die Suppe der Chefköche versalzen hätte, ärgert sich L’Avenir.
Kay Wagner