"König Philippe auf Wirtschaftsmission im eigenen Land: Zweitägiger Roadtrip soll Zusammenarbeit zwischen flämischen und wallonischen Unternehmen stärken", titelt das GrenzEcho. "Mit dabei bei der Mission des Königs: 'Viele flämische und wallonische CEOs haben einander noch nie getroffen'", schreibt De Standaard. "Was suchen die flämischen Firmenchefs in der Wallonie?", fragt L'Echo. "Eine Wirtschaftsmission, um die Sprachgrenze zu beseitigen", hebt Le Soir hervor.
Es gibt Wirtschaftsmissionen, die lassen träumen, kommentiert La Dernière Heure. Und welche, bei denen man gezwungen lächeln muss. Es gibt Missionen in ferne Länder, XXL-Delegationen, Fototermine mit Vertragsunterzeichnungen vor Wolkenkratzern. Und dann ist da diese, schon fast bescheidene Handelsmission, die König Philippe höchstpersönlich leitet. Zwei Tage, innerhalb Belgiens. Ohne Jetlag, ohne Zeitverschiebung, aber mit einer nichtsdestotrotz enormen Herausforderung. So absurd das Ganze auf den ersten Blick scheinen mag, es ist bitter nötig, denn die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Regionen lässt noch immer sehr zu wünschen übrig. Dabei liegt die Komplementarität doch auf der Hand: Die Wallonie hat Arbeitskräfte und Platz, Flandern das notwendige Kapital und die Logistik. Was für eine Ironie, dass es manchmal exotischer ist, die Sprachgrenze zu überqueren als den Atlantik. Kleiner Wermutstropfen: Brüssel ist leider nicht berücksichtigt worden, merkt La Dernière Heure an.
Eine Selbstverständlichkeit
Eine königliche Handelsmission im eigenen Land, bei der der König selbst mit dem Bus und 40 Geschäftsführern Betriebe in Flandern und der Wallonie besucht. Das könnte man als ultimativen Ausdruck des belgischen Surrealismus bezeichnen, schreibt De Standaard, als Beweis, wie bekloppt das Land ist. Aber das Gegenteil ist der Fall: Die Mission zeigt, wie Belgien endlich zu einem normalen föderalen Staat wird, in dem die Regionen aus Eigeninteresse zusammenarbeiten, anstatt sich aufgrund irgendwelcher Identitätsfragen zu bekämpfen. Der wichtigste Grund für das gegenseitige Beschnuppern ist natürlich, dass der Feind woanders sitzt, außerhalb Europas. Und dass geografische Nähe zu einem der wichtigsten Faktoren überhaupt geworden ist. Schon seit Jahren ist es nicht mehr zu rechtfertigen, warum die Sprachgrenze noch immer so eine deutliche wirtschaftliche Trennlinie ist, warum wallonische und Brüsseler Arbeitssuchende so schwierig an flämische Arbeitsplätze zu bekommen sind und warum sich eine Ansiedlung in der Wallonie für flämische Betriebe noch immer anfühlt wie ein Abenteuer im Ausland. Jetzt, da die europäische Integration beschleunigt werden soll, sollte die innerbelgische Annäherung wirklich eine Selbstverständlichkeit sein, unterstreicht De Standaard.
Die Handbremse muss gelöst werden
Was kann man dieser Wirtschaftsmission vorwerfen?, fragt Le Soir. Die Antwort: nichts, ganz im Gegenteil. Sie ist eine Initiative, die niemandem schadet und ein gemeinsames Ziel verfolgt: die belgische Wirtschaft stimulieren und den Informationsaustausch verbessern in puncto Vorteile, Bedarf und gegenseitiger Ergänzung. Bei flämischen Teilnehmern an der Mission hörte man, dass sie zwar 90 Prozent der anwesenden CEOs aus dem Norden des Landes kannten, aber nur zehn Prozent der mitreisenden Geschäftsführer aus dem Süden. Wie kann so etwas heutzutage noch sein? Und was für die Wirtschaft gilt, gilt auch für viele andere Bereiche. Viel zu oft leben wir in parallelen Realitäten mit allenfalls punktuellen Nord-Süd-Begegnungen und Austauschen. Das muss sich ändern, wir müssen uns besser kennenlernen – zum Vergnügen, um besser zusammenzuleben, um uns besser zu verstehen. Aber vor allem und einfach auch, weil das in unserem eigenen Interesse ist, appelliert Le Soir.
Es hat einen König gebraucht, um das hinzubekommen, was Belgien seit Jahrzehnten nicht organisiert bekommen hat, beklagt La Libre Belgique. Und es ist auch nicht etwa nur eine symbolische Geste. Die Mission auf eigenem Boden rückt das Problem der chronisch unterentwickelten Zusammenarbeit in diesem Land in den Fokus – einem Land, in dem wir wirtschaftlich und politisch voneinander abhängig sind. Ja, natürlich wird vielerorts schon eifrig kooperiert. Aber nicht dank, sondern trotz der Institutionen des Landes. Und da geht es oft nicht etwa um tief sitzende Feindschaft oder Ähnliches, sondern um Trägheit. Wenn sich das nicht ändert, werden wir weiter mit angezogener Handbremse fahren. Obwohl die wirtschaftliche Notlage das exakte Gegenteil verlangen würde, prangert La Libre Belgique an.
Die Opposition kann den Champagner kalt stellen
Het Nieuwsblad befasst sich mit einem anderen Riesenproblem: dem Haushalt. Aus einem internen Regierungsdokument geht hervor, dass die Arizona-Regierung ihre Haushaltsziele verfehlen wird. Und zwar weit verfehlen wird. Haushalte und Spar-Operationen sind natürlich letzten Endes immer Taschenspielertricks, die Regierungen rechnen sich reich, soweit man zurückdenken kann. Aber im vorliegenden Fall muss man wirklich von amateurhaften Berechnungen reden, was die angeblichen Einsparungen im ersten Jahr angeht. Was hat die zuständigen Minister da bloß geritten? Naivität? Unkenntnis? Oder wurden die Zahlen schlicht manipuliert, um besser dazustehen? Der gesellschaftliche Rückhalt für den eingeschlagenen Spar- und Reformkurs war schon sehr begrenzt. Jetzt, da absehbar wird, dass er noch nicht mal die versprochenen Ergebnisse bringen wird, wird der Rückhalt noch weiter bröckeln und wird die Enttäuschung bei den Wählern noch größer werden. Die Opposition kann schon mal die Champagnerkorken knallen lassen. Und die Arizona hat sich das selbst eingebrockt, hält Het Nieuwsblad fest.
Boris Schmidt