"EU-Kommission will Homeoffice verpflichtend einführen im Kampf gegen hohe Energiepreise", melden gleichlautend Het Nieuwsblad, Gazet van Antwerpen und Het Belang van Limburg auf ihren Titelseiten.
Die drei Zeitungen greifen einen Bericht der Financial Times auf. Die belgischen Unternehmensverbände FEB und Unizo sollen sich diesen Plänen gegenüber kritisch geäußert haben.
Het Nieuwsblad allerdings findet: Das ist eine gute Idee von der EU-Kommission. Mit dieser Maßnahme könnte an einem Tag in der Woche 70 Prozent des Berufsverkehrs wegfallen. Für die Menschen würden auch keine zusätzlichen Kosten zu Hause anfallen. Denn der Winter ist vorbei, geheizt werden muss bald nicht mehr. Im Sommer ist dieser Vorschlag tatsächlich eine gute Maßnahme angesichts hoher Energiepreise. Auf jeden Fall viel besser als neue Unterstützungsmaßnahmen von der Regierung. Denn das nötige Geld dafür hat die Regierung bei uns zumindest nicht, erinnert Het Nieuwsblad.
"Was jetzt, Herr De Wever?"
Het Laatste Nieuws bestätigt diese Feststellung in ihrem Kommentar zu einem anderen Thema: Ende vergangener Woche hat die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von Belgien herabgestuft. Das ist natürlich eine schlechte Nachricht für unser Land und wirft die Frage auf: Was jetzt, Herr De Wever? Im November noch hatte er in seiner Rede zur Lage der Nation triumphierend davon gesprochen, dass die Schlamperei in Haushaltsfragen vorbei sei. Der Bericht von Moody's sagt das Gegenteil. Für De Wever wird das allerdings keine Überraschung sein. Er hatte immer schon gesagt, dass zehn Jahre nötig seien, um den Föderalhaushalt zu sanieren. Bleibt die Frage, ob die Wähler ihm so lange Vertrauen schenken, überlegt Het Laatste Nieuws.
La Libre Belgique bemerkt: Interessant bei dem Bericht von Moody's ist, dass die Agentur auch eine politische Botschaft vermittelt. Die Haushaltsprobleme seien nämlich nicht nur finanzieller, sondern auch politischer Natur. Die ständige Notwendigkeit, Kompromisse schließen zu müssen, damit das Land politisch funktioniert, verhindere wirkungsvolle Entscheidungen. Was bleibt in so einer Situation zu tun? Eigentlich nichts anderes, als tatkräftiges Handeln, ansonsten wird es nur noch schlimmer, fordert La Libre Belgique.
Die Kartoffelflut
Ganz ähnlich zitiert De Standaard aus dem Bericht von Moody's: "Die institutionelle Struktur Belgiens begrenzt die Möglichkeiten der Regierung, die haushaltspolitischen Herausforderungen anzupacken", schreiben die Kreditanalysten. Heißt im Klartext: Die Föderalregierung allein kann kaum das große Staatsdefizit verringern und das Land finanziell wieder auf Kurs bringen. Dafür müsste sich an der Struktur etwas ändern. Darüber sollte gesprochen werden. Ansonsten droht Belgien, eins der reichsten Länder der EU, zum finanziellen Sorgenkind zu werden, warnt De Standaard.
Het Belang van Limburg berichtet: Die belgischen Bauern sitzen zurzeit auf einen Berg von 860 Millionen Kilo Frittenkartoffeln. Wegen der Sättigung des Marktes werden sie ihre Kartoffeln nicht los. Dadurch erleiden sie finanzielle Einbußen und können selbst beim Verkauf der Kartoffeln nicht mit Gewinnen rechnen. Diese Kartoffelflut ist wieder einmal ein Zeichen dafür, dass sich endlich etwas tun muss in unserer Landwirtschaft. Zum einen sollten sich die Bauern verstärkt zu Produktionsgenossenschaften zusammenschließen. Zum anderen muss die Politik sich überlegen, wie es weitergehen soll mit einem Sektor, der allein in Flandern jährlich mit hunderten Millionen Euro subventioniert wird, gibt Het Belang van Limburg zu bedenken.
Einigkeit macht stark!
Die Forscherin Rosa Rademakers aus Antwerpen ist am Wochenende in Los Angeles mit dem Breakthrough Price ausgezeichnet worden. Gazet van Antwerpen erklärt: Dieser Preis ist zu vergleichen mit den Oskars in der Filmwelt. Nach dem Nobelpreis ist diese Auszeichnung die Wichtigste innerhalb der Wissenschaft. Dass Rademakers diesen Preis bekommen hat, ist überraschend, bei genauerem Hinsehen allerdings auch nicht übermäßig. Rademakers hat zu Demenz und der Muskelerkrankung ALS geforscht. In diesen Bereichen, also der Biotechnologie, dem Pharmasektor und auch dem Entwickeln neuer Impfstoffe sind belgische Forschungseinrichtungen mit tonangebend in der Welt. Die Auszeichnung für die Forscherin aus Antwerpen zeigt damit, dass auch ein kleines Land zu Großem fähig ist, freut sich Gazet van Antwerpen.
La Dernière Heure gibt sich ebenfalls begeistert, allerdings zu einem anderen Ereignis: Bei der Spendenaktion Télévie ist am Wochenende so viel Geld gesammelt worden wie noch nie! 13,4 Millarden Euro haben die Belgier gespendet für die Krebsforschung und das in Zeiten, wo jeder eigentlich den Gürtel enger schnallen muss. Was für ein schönes Zeichen der Solidarität, das wieder einmal zeigt, dass die Belgier die Devise ihres Landes wirklich leben: Einigkeit macht stark!, jubelt La Dernière Heure.
Kay Wagner