"Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran starten unter Hochspannung", schreibt Het Nieuwsblad auf Seite eins. "Verhandlungen, die Skepsis hervorrufen", präzisiert Le Soir.
An diesem Wochenende sollen Vertreter der USA und des Iran direkte Gespräche über die vereinbarte Waffenruhe und auch ein mögliches Friedensabkommen aufnehmen. Im Iran sind die Kampfhandlungen offensichtlich mehr oder weniger unterbrochen. Es bleibt aber eine fragile Waffenruhe; US-Präsident Donald Trump hat dem Regime in Teheran zuletzt schon wieder gedroht. "Israel beweist dem Libanon, dass das Land ein Thema für sich ist", titelt derweil De Morgen. Die israelische Armee hatte das nördliche Nachbarland zunächst weiter angegriffen. Der israelische Ministerpräsident Netanjahu scheint aber inzwischen auch zu Verhandlungen bereit zu sein.
De Standaard blickt seinerseits nach Washington, wo Nato-Generalsekretär Rutte gestern mit US-Präsident Trump zusammengetroffen ist. "Auch nach seinem Gespräch mit Rutte hält Trump den Druck auf die Europäer aufrecht", so die Schlagzeile. Trump fordert ja weiter, dass insbesondere die europäischen Nato-Partner den Schutz der Straße von Hormus übernehmen. Die belgische Antwort steht auf Seite eins von Het Belang van Limburg: "Belgien bleibt aus der Straße von Hormus heraus", schreibt das Blatt.
Weiter dunkle Wolken über der Weltwirtschaft
"Wer öffnet die Straße von Hormus? Das ist die Frage aller Fragen", meint De Standaard in seinem Leitartikel. Die Antwort lautet zum jetzigen Zeitpunkt: "Niemand!". Bei allem Gepolter aus Washington bleibt nämlich die Feststellung, dass die USA ganz offensichtlich selbst nicht dazu in der Lage sind, das Problem zu lösen. Da können Trump und sein Kriegsminister Hegseth noch so laut trompeten, dass "die mächtigste Armee der Welt" einen "grandiosen Sieg" errungen habe: Die Realität auf dem Terrain spricht eine andere Sprache. Und nachdem die USA erst im Alleingang das Völkerrecht mit Füßen getreten haben, knatschen sie jetzt wie kleine Kinder und beschweren sich, dass sie mit der Krise alleine gelassen werden. Eine besonders tragische Rolle spielt bei alledem aber NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump allen Ernstes auch noch teilweise Recht gibt. "Einige Nato-Staaten seien bei ihrem Examen durchgefallen", sagte der Niederländer. Der Generalsekretär scheint da wohl die Grundsätze seiner eigenen Organisation vergessen zu haben: Die Nato ist rein defensiv ausgerichtet; offensive Gewalt ist nur zulässig im Rahmen eines UN-Mandats.
"Trump schlägt sich auf die Brust und spricht von einem 'totalen Sieg', aber nichts ist weniger wahr", analysiert Het Belang van Limburg. Bester Beweis ist wohl die Reaktion an den Börsen. Allen voran der New Yorker Dow Jones Index ging gestern erneut ins Minus; parallel dazu stieg der Ölpreis kurzzeitig wieder über die psychologische Schwelle von hundert Dollar pro Fass. Anders gesagt: Die Märkte sind offensichtlich nicht überzeugt von der neuerlichen Waffenruhe. Heißt auch: Die dunklen Wolken über der Weltwirtschaft haben sich längst noch nicht verzogen. Selbst wenn die Waffenruhe bei den anstehenden Verhandlungen tatsächlich festgeklopft werden sollten, bleibt die Frage, wie tief und bleibend die wirtschaftlichen Wunden sind, die dieser Krieg geschlagen hat.
Der "Suez-Moment" der USA?
"Die Waffenruhe, die Donald Trump den Iranern abgerungen hat, birgt eine gefährliche Illusion", glaubt auch La Libre Belgique. Eine Illusion in dem Sinne, dass der US-Präsident die Welt glauben machen will, dass seine Machtdemonstration von einem strategischen Sieg gekrönt war. In Wirklichkeit hat dieser fragile Waffenstillstand nur einen grandiosen Fehler besiegelt. Den, einen Krieg geführt zu haben ohne strategisches Ziel. Die Frage, warum die Amerikaner eigentlich diesen Krieg geführt haben, wurde in den letzten 40 Tagen immer wieder unterschiedlich beantwortet. Das tragische Resultat ist, dass man eigentlich nur gestärkt hat, was man schwächen wollte. Denn das iranische Regime, das Anfang des Jahres noch zu wanken schien, geht gestärkt aus dem Konflikt hervor; die Bombenangriffe haben es noch zusammengeschweißt. Vor allem aber hat Trump die strategische Bedeutung der Straße von Hormus unterschätzt. Und auf diese Weise haben die USA dem Iran einen unbestreitbaren geopolitischen Sieg beschert.
Le Soir sieht das ähnlich und geht sogar noch einen Schritt weiter. Das Debakel um die Straße von Hormus kann den Anfang vom Ende der geopolitischen Dominanz der USA einläuten. Wir sehen hier womöglich den "Suez-Moment" der Vereinigten Staaten. Zur Erinnerung: 1956 wollten Großbritannien, Frankreich und Israel Ägypten mit Gewalt dazu zwingen, den Suez-Kanal zu öffnen. Am Ende waren es die Amerikaner unter dem damaligen Präsidenten Eisenhower, die eine Lösung der Krise herbeiführten. Diese Episode markierte das Ende des britischen Empires und den Aufstieg der USA zur Supermacht. Im heutigen Konflikt um die Straße von Hormus wirken die Amerikaner machtlos; das einzige Land, das den Iran zu einer dauerhaften Lösung bewegen könnte, das ist am Ende womöglich China. Der rote Faden zwischen Suez 1956 und Hormus 2026: Man sollte nur Kriege beginnen, die man gewinnen kann, auf die Gefahr hin, alles zu verlieren.
Eine "historische Bewegung auf dem Automarkt"
Die Energiekrise scheint derweil zu einem Umdenken zu führen: "Die hohen Benzin- und Dieselpreise treiben Privatkunden zu E-Autos", so die Aufmachergeschichte von De Tijd. L'Echo ist präziser: "Wegen des Höhenflugs der Spritpreise stürzen sich Privatkunden auf gebrauchte E-Autos", schreibt das Blatt. Der Verkauf von gebrauchten E-Autos ist in den letzten Wochen um rund ein Drittel gestiegen.
"Die neuerliche Energiekrise scheint eine historische Bewegung auf dem Automarkt in Gang zu bringen", kann De Tijd in ihrem Leitartikel nur feststellen. E-Autos wurden bislang von Privatkunden verschmäht. Grund war natürlich der hohe Anschaffungspreis. In den letzten Jahren hat sich da aber viel getan. Insbesondere die Flut von chinesischen Importen führt langsam, aber sicher dazu, dass Stromer inzwischen erschwinglich werden. In Belgien kommt dann noch das umstrittene System der Firmenwagen hinzu. Die sind inzwischen fast ausschließlich elektrisch betrieben und landen nach vier Jahren auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Die aktuell hohen Treibstoffpreise könnten also den Durchbrauch der E-Mobilität beschleunigen.
Roger Pint