"Israel und die Vereinigten Staaten warten nicht auf das Ende der Deadline, um zivile Ziele zu bombardieren", titelt De Standaard. "Trump droht mit dem Untergang der gesamten iranischen Zivilisation", schreibt Het Belang van Limburg. "Donald Trump treibt den Golf an den Rand des Chaos", hebt L'Echo auf Seite eins hervor. "Das föderale Planbüro sieht die belgische Inflation über drei Prozent steigen", ist der Aufmacher von De Tijd. "Der Krieg im Iran lässt die Inflation steigen", prangert Het Belang van Limburg an.
Noch mal langsam, zum Mitschreiben, kommentiert La Dernière Heure: Der amerikanische Präsident hat dem Iran gerade mit der Zerstörung seiner gesamten Zivilisation gedroht. Unglaubliche Worte. Wir brauchen jetzt auch nicht darüber zu diskutieren, ob PS-Chef Paul Magnette Recht hat, wenn er Trump öffentlich einen "Psychopathen" nennt. Jetzt ist nicht die Zeit für Küchentischpsychologie. Die wirkliche Frage muss lauten: Wie sind wir bloß hier gelandet? In einer Welt, in der der Führer des mächtigsten Landes der Welt solche Worte schreiben kann? Die Vernichtung Teherans wäre auch die Zerstörung einer Welt, in der die Vernunft über den Stolz falscher Propheten siegt, klagt La Dernière Heure an.
Eine hässliche Fratze
Trump hat den Astronauten der Mondmission Artemis 2 öffentlich über Funk zu ihrem Erfolg gratuliert, hält Le Soir fest, zur Erschließung eines neuen "Territoriums". Während er gleichzeitig damit drohte, ein Land und seine ganze Kultur in Schutt und Asche zu legen. Die Mondmission zeigt einmal mehr die Ruchlosigkeit der Führer dieser Welt. Es ist eine verrückte, verantwortungslose und infame Flucht nach vorn. Männer wie Trump zucken einerseits nicht mit der Wimper, um Milliarden auszugeben, um den Würgegriff ihrer Schergen und Geschäfte ins All auszudehnen. Während sie gleichzeitig die Militärbudgets explodieren lassen, um Kriege vom Zaun zu brechen, die Energiegleichgewichte in Stücke schlagen und die Institutionen zerstören, die den Planeten, die Menschheit, die Zukunft unserer Zivilisation vielleicht noch retten könnten. Es ist eine hässliche Fratze, die die Mondmission hier enthüllt, so Le Soir.
Dass Trump konstant und übelst über den französischen Präsidenten Emmanuel Macron lästert, ist nichts Neues, hält derweil Het Laatste Nieuws fest. Aber während Trump tobt und wütet und mit der Vernichtung von Zivilisationen droht, bekommt Macron Öl aus dem Nahen Osten. Details kennen wir noch nicht, aber es scheint offensichtlich, dass Frankreich einen Deal mit dem Iran geschlossen hat. Trump dominiert die Titelseiten, Macron agiert im Hintergrund und erreicht etwas. Damit macht der französische Präsident genau das, was Trump seinen Wählern immer versprochen hat: Er stellt die Interessen seines Landes über alles andere. Das wirft aber auch wieder die Frage auf, wo eigentlich Europa in dieser Krise bleibt. In Krisenzeiten sieht man immer wieder die gleichen Reflexe: Statt "Europe first" heißt es dann schnell wieder "eigenes Land zuerst", kritisiert Het Laatste Nieuws.
Energie ist Macht
Eine Tankfüllung Diesel kostet schon mehr als 120 Euro, schreibt Het Nieuwsblad. Und wenn Trump den Iran wirklich, wie er sagt, "zurück in die Steinzeit bomben" wird, wird es noch teurer werden. Egal ob es um den imperialistischen Megalomanen Putin geht oder den amerikanischen Präsidenten: Jedes Mal sind wir die Leidtragenden und können nur fassungslos mitansehen, wie unsere Energierechnungen durch die Decke gehen. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen über einen Wechsel nachdenken. Auch wenn das ein oft schmerzhafter Weg bleibt, scheint das der einzig vernünftige Weg. Wer sich nicht ums Klima oder Geopolitik schert, lässt sich vielleicht von seinem Portemonnaie überzeugen. Grüne Energie ist nicht mehr nur etwas für Träger von Socken aus Bio-Wolle. Hier geht es um unsere hart verdienten Euros und um Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern, üblen Regimen und autoritären Führern. Energie ist Macht. Und Europa hat sich viel zu lang mit Ohnmacht zufriedengegeben, unterstreicht Het Nieuwsblad.
Was viele Belgier befürchtet hatten, ist eingetreten, bringen es die Zeitungen der Sudinfo-Gruppe auf den Punkt: Der Liter Diesel kostet an den Zapfsäulen heute Morgen fast 2,50 Euro. Und Benzin ist auch nicht mehr weit weg von zwei Euro pro Liter. Und breiten wir lieber den Mantel des Schweigens aus über Heizöl, wo die Preise ja auch explodieren. So etwas haben wir noch nie erlebt. Aber eine schlechte Nachricht kommt bekanntermaßen selten allein: Wir bekommen die Auswirkungen der Inflation auch schon in den Geschäften zu spüren. Bestimmte Haushalte werden sich entscheiden müssen: Tanken oder Einkaufen? Heizen oder Arztbesuch? Und das ist keine Schwarzmalerei oder schamloses Übertreiben. Währenddessen hat die Regierung "gezielte Maßnahmen" versprochen. Nur dass weiter absolut unklar ist, wie die im Detail aussehen werden. Die schwächsten Haushalte werden weder morgen noch übermorgen konkrete Hilfe bekommen. Wobei es sowieso unwahrscheinlich ist, dass die geplanten Maßnahmen viel bringen werden, befürchtet Sudinfo.
Europas strategisches Versagen
Die Warnung des Chefs der internationalen Energieagentur ist so deutlich wie brutal, merkt La Libre Belgique an: Er prophezeit uns einen "schwarzen April" und eine Energiekrise, die schlimmer wird als "1973, 1979 und 2022 zusammengenommen". Er prangert auch das strategische Versagen Europas an: Vier Jahre nach dem Ukraine-Schock ist unser Energie-Modell das gleiche geblieben, wir haben nur den Lieferanten gewechselt. Halbherzige Maßnahmen reichen nicht mehr, die Europäische Union muss endlich auf eine klare Strategie setzen: Beschleunigung der Vergrünung unserer Energie, entschiedene Wiederinbetriebnahme unserer Nuklearanlagen und Bau neuer Reaktoren, massive Investitionen in Speicherkapazitäten, Elektrifizierung im Eiltempo. Nicht aus ideologischen Gründen. Sondern um zu überleben, betont La Libre Belgique.
Boris Schmidt