"Nach zwei Wochen Krieg: Wie geht es jetzt weiter? ", fragt sich De Morgen in seinem Aufmacher. "Die undurchsichtige Strategie von Trump gegen den Iran", notiert Le Soir auf Seite eins. "Für die Amerikaner hat der Krieg in Nahost gerade erst begonnen", zitiert La Libre Belgique auf ihrer Titelseite einen ehemaligen französischen Offizier.
Der anhaltende Krieg in Nahost ist für einige Zeitungen auch Thema in ihren Leitartikeln.
De Standaard stellt fest: Die Rechnung von Donald Trump ist nicht aufgegangen. Das Szenario von Venezuela hat sich im Iran nicht wiederholt. Kurz mal den Führer ausschalten und dann schnell einen US-freundlichen Deal mit dem Iran abschließen – nicht mit dem Mullah-Regime. Nach zwei Wochen Krieg steht die ganze Region in Flammen. Der Iran gibt nicht klein bei. Ein neuer oberster Führer wurde gewählt, ein Mann, dessen Stimme man hört, den man aber nicht sieht. Wie ein Gespenst. Und Gespenster sind schwer zu besiegen, behauptet De Standaard.
Eine Strategie – verzweifelt gesucht
Het Belang van Limburg bemerkt: Wenn das Ganze nicht so schlimm wäre, wäre es fast schon amüsant zu beobachten, wie US-Präsident Trump und sein Verteidigungsminister immer wieder versuchen, die Welt von ihrer Strategie im Iran-Krieg zu überzeugen. Denn es ist ja ganz offensichtlich, dass es eine Strategie nie gegeben hat. Der Angriff hat vielmehr Chaos verursacht und sich schnell zu einem regionalen Konflikt ausgeweitet. Das iranische Regime schlägt zurück, schickt Drohnen und Raketen in die Nachbarländer. Mehrere amerikanische Flugzeuge sind schon abgestürzt und im Libanon sind wohl mindestens 800.000 Menschen auf der Flucht. Wo ist hier die Strategie?, fragt sich Het Belang van Limburg.
L'Avenir meint zu den steigenden Energiekosten aufgrund des Kriegs: In Panik zu verfallen und kopflos Maßnahmen zu ergreifen, um die Menschen vor den explodierenden Energiepreisen zu schützen, ist natürlich nicht angebracht. Da hat die Regierung schon recht. Aber alles einfach auszusitzen mit "kühlem Kopf", wie Finanzminister Jan Jambon das gesagt hat, ist auch falsch. Gerade viele Menschen im ländlichen Raum in der Wallonie werden schnell unter den gestiegenen Preisen für Öl, Gas, Strom und an der Zapfsäule leiden. Sie werden die Hilfe der Regierung nötig haben, prophezeit L'Avenir.
Die Popularität von Bart De Wever
Le Soir schaut auf die Arbeit von Premierminister Bart De Wever und stellt fest: Ein Jahr lang lenkt De Wever die Geschicke unseres Landes und hat bereits viele Reformen auf den Weg gebracht. Viele Entscheidungen dabei könnte mal als radikal bezeichnen, weshalb man erwarten könnte, dass viele Belgier mit De Wever unzufrieden sind. Unser Politbarometer zeigt genau das Gegenteil. Der Premier ist der mit Abstand beliebteste Politiker in Flandern, belegt Platz zwei in Brüssel und den vierten Platz in der Wallonie. Nur auf der Straße, da sind die Menschen unzufrieden mit ihm. Die Großdemonstration vor zwei Tagen in Brüssel hat das gezeigt. Von solchen Prosteten will sich De Wever aber nicht aufhalten lassen. Eine Polarisierung der Gesellschaft zeichnet sich ab, befürchtet Le Soir.
Het Laatste Nieuws notiert zu der Großdemonstration: Mehrere zehntausend Menschen waren sehr unzufrieden mit der Regierung, die man ja gerne als rechts bezeichnet. Linke Parteien in Flandern können von dieser Unzufriedenheit allerdings nicht profitieren. Groen und die PVDA kommen zusammen gerade mal auf gut 17 Prozent der Wählergunst im jüngsten Politbarometer. Keine Zugewinne. Populär in Flandern bleibt dagegen der Vlaams Belang. Bei ihm gibt es die gleiche Kritik an der Regierungsarbeit wie bei den Gewerkschaften. Eine extrem rechte Partei, die quasi linke Position vertritt. Das ist fast schon ein Paradox, zumal die Gewerkschaften und der Vlaams Belang sich gegenseitig nicht ausstehen können, erinnert Het Laatste Nieuws.
Stimmungstest? Ja, aber…
La Libre Belgique schaut nach Frankreich und bemerkt: Ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen finden morgen Kommunalwahlen bei unseren Nachbarn statt. Diese Wahlen werden zu einem ersten Stimmungstest. Was kann man erwarten? Links zeichnet sich eine neue Zusammenarbeit zwischen Sozialisten und den Grünen ab. Beide Parteien haben sich vom großen linken Einheitsblock um die Linksextreme distanziert und konkurrieren jetzt gegen ihn im linken Lager. Für die Konservativen Les Républicains geht es ums Überleben. Der rechtsextreme Rassemblement National könnte in Marseille gewinnen, was einem Erdbeben gleichkäme. Die Präsidentenpartei von Macron ist nicht gut verankert in den Gemeinden. Vieles ist ungewiss vor diesem Urnengang, grübelt La Libre Belgique.
La Dernière Heure erinnert: Die traditionellen Parteien sind auf lokaler Ebene in Frankreich immer noch stärker als auf nationaler Ebene. Die Ergebnisse von Sonntag dürfen deshalb nicht eins zu eins als nationaler Stimmungstest gewertet werden. Das Abschneiden einzelner Politiker allerdings, die sich bereits auch für das Präsidentenamt in Stellung gebracht haben, wird interessant sein. Je nachdem, wie sie am Sonntag abschneiden, wird das ihre Stellung stärken oder schwächen mit Blick auf ihre Ambitionen in einem Jahr, analysiert La Dernière Heure.
Kay Wagner