"Wie der Krieg im Iran zugleich 'bald beendet' und 'gerade gestartet' sein kann", titelt De Standaard. "Trump sagt alles und sein Gegenteil zum Krieg in Nahost", so die Schlagzeile von Het Belang van Limburg. "Will Trump den Krieg im Iran wirklich beenden?", fragt sich De Morgen auf Seite eins.
Die Kommunikation des Weißen Hauses irritiert nach wie vor viele Beobachter. Auf der einen Seite heißt es, das sei alles erst der Anfang. US-Präsident Donald Trump wiederum erklärte am Montagabend vollmundig, dass der Krieg sehr bald vorbei sei. Das sorgte für regelrechte Euphorie an den Börsen…
"Und hier sieht man auch schon, wo Trumps Achillesferse liegt", meint La Libre Belgique in ihrem Leitartikel. Spätestens jetzt wird der US-Präsident von der Realität eingeholt. Donald Trump kann es sich einfach nicht erlauben, dass sein Krieg eine wirtschaftliche und finanzielle Großkrise auslöst, die auch die Kaufkraft der Amerikaner nachhaltig beschneidet. Genau dieses Szenario wird aber mit jedem Tag wahrscheinlicher. Der US-Präsident war ohnehin schon deutlich geschwächt: Schlechte Umfragewerte und dann noch das Urteil des Obersten Gerichtshofes, der ja seine Zollpolitik torpediert hat. Mit seinem Iran-Krieg pokert Trump also hoch. Sehr hoch! "Nur die Wall Street kann Trump aufhalten", diese Formel ist längst keine Karikatur mehr. Die Finanzmärkte sind tatsächlich Trumps Schwachpunkt. Die Iraner haben das verstanden. Und die Zeit spielt gegen Trump.
"Mit Spucke und Draht zusammengeschustert"
Das größte Problem ist, dass die USA keinen wirklichen Plan haben, analysiert sinngemäß De Tijd. Eine Exitstrategie setzt voraus, dass man im Vorfeld klare Ziele definiert hat. Dass Donald Trump das nicht getan hat, das kann ihn noch lange verfolgen. Der Krieg sei "so gut wie vorbei", tönte Trump. Diese Botschaft war vor allem für die Börsen bestimmt. Und sie verfehlte ja auch nicht die (erhoffte) Wirkung. Dumm nur, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem US-Präsidenten zumindest indirekt widersprach, als er betonte, dass er erst dann zufrieden ist, wenn das Mullah-Regime definitiv entmachtet wurde. Netanjahu hat eben ein klares Ziel. Die amerikanische Kriegtaktik scheint dagegen nur mit Spucke und Draht zusammengeschustert worden zu sein. Das erinnert flagrant an den Irak-Krieg, den US-Präsident George W. Bush vor 23 Jahren ebenso leichtfertig vom Zaun gebrochen hatte: Dessen Folgen sind bis heute spürbar…
L'Avenir hat eine "Lösung" parat: "Sagt Trump doch einfach, dass er gewonnen hat", frotzelt das Blatt. Das würde den US-Präsidenten vielleicht davon abhalten, den Dritten Weltkrieg auszulösen und dafür sorgen, dass er sich mal ein bisschen beruhigt. Trump hat die Falle offensichtlich nicht gesehen, in die ihn sein "Freund" Netanjahu gelockt hat. Da können das Weiße Haus und das Pentagon noch so oft wiederholen, dass "Trump keinen unendlichen Krieg gestartet hat, sondern dass er ihn beendet". Jeder sieht allerdings das Desaster, auf das wir zuzusteuern scheinen…
Hohe Energiepreise - Muss der Staat eingreifen?
Fakt ist: Der Krieg in Nahost lässt schon jetzt dunkle Gewitterwolken am Himmel der Weltwirtschaft aufziehen. "Fliegen wird bis zu 15 Prozent teurer", so die Aufmachergeschichte von Het Laatste Nieuws. Einige Fluggesellschaften wie SAS oder KLM haben ihre Preise schon angehoben. Schuld sind natürlich die hohen Treibstoffkosten.
"Dieser Krieg wird uns allen im Portemonnaie wehtun", beklagt La Dernière Heure in ihrem Kommentar. Die Frage ist nicht mehr, ob der Dieselpreis die Schwelle von zwei Euro je Liter knacken wird, sondern wann. Muss der Staat also jetzt eingreifen, um seine Bürger und Unternehmen zu schützen? Das ist ein shakespearesches Dilemma. Denn, ob man nun prinzipiell dafür oder dagegen ist, Fakt ist, dass eigentlich kein Geld mehr da ist, um wieder die Gießkanne herauszuholen. Nichts zu tun, das erscheint also im Moment nicht wie die schlechteste aller Optionen. Allenfalls könnte der Staat die Akzisen dahingehend anpassen, dass er nicht auch noch übermäßig von den hohen Spritpreisen profitiert…
"Frauen sind keine Teilzeitprinzessinnen!"
Wo wir schon bei der Föderalregierung sind: Auf einigen Titelseiten prangt heute das Foto von Finanz- und Pensionsminister Jan Jambon. Der wird scharf kritisiert wegen seiner Aussagen über die Auswirkungen der Rentenreform auf Frauen…
"Denn", so meint Gazet van Antwerpen in ihrem Leitartikel: "Jambon sagt eigentlich mit anderen Worten, dass Frauen einfach nur mehr arbeiten müssen. Und das ist eine Unverschämtheit", meint das Blatt sinngemäß. Das Problem ist, dass es für viele Frauen schlicht und einfach unmöglich ist, Vollzeit zu arbeiten. Weil sie sich um Kinder und Haushalt kümmern oder einen Angehörigen pflegen müssen. Hinzu kommt dann noch, dass sie rückwirkend bestraft werden sollen. "Einfach nur mehr arbeiten", sagt Jambon: Viele können das nicht mehr nachholen; ihre Laufbahn ist vorbei. "Sehr geehrter Herr Jambon: Frauen verdienen mehr Respekt".
Auch die Leitartiklerin von De Morgen wendet sich direkt an den N-VA-Politiker: "Lieber Jan – ich darf doch Jan sagen! Weißt Du, was Frauen tun, wenn sie nicht arbeiten? Nun, sie arbeiten! Weil Männer erwiesenermaßen immer noch zu wenig im Haushalt tun. Du siehst vielleicht vor Deinem inneren Auge eine Teilzeitprinzessin, die ihre Tage mit Yoga und Grüntee verbringt. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Selbst der Staatsrat hat angemerkt, dass mit dieser Rentenreform Frauen benachteiligt werden. Das ist eine geschmacklose Herabwürdigung der unbezahlten Arbeit, die unsere Gesellschaft am Laufen hält."
"Jambons Aussagen sind ein enormes Kommunikationsdebakel", kann denn auch Het Nieuwsblad nur feststellen. Jan Jambon ist mal wieder mit beiden Füßen ins Fettnäpfchen getreten. Nun, seiner Partei, der N-VA, der ist das wohl am Ende egal. Anders sieht das aus für den linken Arizona-Flügel. Vor allem für die flämischen Sozialisten Vooruit wird es jetzt noch schwieriger, die Rentenreform ihrer Basis zu verkaufen. Für Vooruit könnte die Luft jetzt wirklich dünn werden…
Roger Pint