"Mittlerer Osten steht in Brand", titelt Het Belang Van Limburg. "Iran, der Flächenbrand: Das schlimmste aller Szenarien", meldet L’Avenir in seinem Aufmacher. "Rettung für den Iran oder der Beginn von jahrelanger Unruhe?", fragt Het Laatste Nieuws auf Seite eins.
Der Angriff von Israel und den USA auf den Iran beherrscht die Titelseiten aller Zeitungen. Auch in den Kommentarspalten beschäftigen sich die Leitartikler ausführlich mit diesem Krieg.
La Dernière Heure richtet dabei ihr Augenmerk auf US-Präsident Trump und führt aus: Der Angriff auf den Iran hat begonnen, obwohl die Gespräche über eine diplomatische Lösung bislang nicht gescheitert waren. Trump hatte außerdem noch kurz vor den ersten Raketen gesagt, dass er noch keine Entscheidung getroffen habe, ob es zu einem Militärschlag kommen werde oder nicht. Dieser Widerspruch ist beunruhigend. Er zeigt: Für Trump sind Gespräche gut, aber nur, wenn sie schnell zu Lösungen führen. Dauert es zu lange, dann darf auch ruhig schon mal militärisch klargestellt werden, wer die Macht hat, über Krieg und Frieden zu entscheiden, stellt La Dernière Heure fest.
Werte sind nebensächlich
Le Soir meint: Es fällt schwer, Mitleid mit dem herrschenden Regime im Iran zu haben und den Tod des mächtigen Anführers des Mullah-Regimes zu beweinen. Trotzdem kann nicht gejubelt werden. Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran ist internationales Recht gebrochen worden. Das Gesetz des Stärkeren hat zugeschlagen – ohne sich um irgendwelche Werte zu kümmern. Dem iranischen Volk wird damit außerdem ganz und gar nicht geholfen. Im Iran wird Chaos angerichtet. Die Mittel, damit die Opposition im Iran die Macht dauerhaft in die Hand nehmen könnte, stellt Trump den Iranern nicht zur Verfügung, kritisiert Le Soir.
Ähnlich analysiert La Libre Belgique: Das, was Samstagvormittag passiert ist, war seit langem von vielen vorausgesehen worden und im Grunde unvermeidlich. Denn es war schon immer das ultimative Ziel der USA und von Israel, das Mullah-Regime im Iran zu beseitigen. Das ist zum Teil jetzt geschehen. Ob es aber zur Lösung der Konflikte im Nahen Osten beitragen wird, muss sich erst noch zeigen. Ob sich die Bevölkerung im Iran jetzt tatsächlich erneut gegen den Rest des Mullah-Regimes erheben wird und sich die politischen Verhältnisse im Land ändern, ist sicher wünschenswert, aber zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss, bemerkt La Libre Belgique.
Opportunistisches Kurzzeitziel
De Morgen ist davon überzeugt: Dieser neue Krieg droht eine neue Ära von Gewalt und sektiererischen Konflikten im Nahen Osten einzuläuten. Denn US-Präsident Trump und Israels Premier Netanjahu haben den Krieg nur mit ihrem opportunistischen Kurzzeitziel begonnen, das Regime im Iran zu stürzen. Eine Langzeitstrategie für das Land haben sie nicht. Es sieht ganz danach aus, als ob beide nichts aus früheren Erfahrungen mit solchen Regimestürzen, wie zum Beispiel in Afghanistan, Libyen und dem Irak, gelernt haben, bedauert De Morgen.
De Standaard zieht einen Vergleich mit Venezuela: Auch in dem südamerikanischen Land hat US-Präsident Trump den bisherigen Machthaber Maduro gewaltsam abgesetzt. Jetzt ist Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez an der Macht. Sie schlägt versöhnliche Töne gegenüber den USA an, erfüllt einige Forderungen von Trump – und der ist besänftigt. Dabei gehört Rodriguez dem gleichen Regime an, wie Maduro. Für die Bevölkerung in Venezuela hat sich bislang nicht viel geändert. Das gleiche könnte jetzt auch im Iran passieren. Zwar sind die Köpfe des Mullah-Regimes jetzt tot. Aber der Machtapparat besteht weiter. Es ist alles andere als sicher, dass dieser Schlag gegen den Iran auch etwas Gutes für die Bevölkerung bedeutet, überlegt De Standaard.
Iran – bald Teil der westlichen Welt?
Het Laatste Nieuws stellt fest: Für die weltpolitische Ordnung wäre es für die USA und Israel ein Triumph, wenn der Iran sich erstmals seit 1979 jetzt wieder dem Westen zuwenden würde. Israel wäre damit seinen Erzfeind im Nahen Osten los, Russland und China hätten ihren Verbündeten in der Region verloren. Aber ob es dazu kommt, weiß momentan noch keiner, unterstreicht Het Laatste Nieuws.
Das GrenzEcho beobachtet allgemein: An allen Ecken der Erde gibt es momentan Krisenherde, und ein Skandal jagt den nächsten. Die Welt befindet sich in einem Daueraufschrei – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Eigentlich müsste die Empörung der Menschen deshalb kaum ein Ende kennen. Doch unsere Gesellschaft hat ein ernstzunehmendes Problem: Wir sind abgestumpft. Das darf nicht so sein. Gerade in Zeiten, in denen ein Krieg oder Skandal den nächsten jagt, muss die Empörung nicht abflachen – im Gegenteil, sie muss umso größer werden. Wir müssen raus aus dem Denken, dass das die neue Normalität ist, warnt das GrenzEcho.
Kay Wagner