"Britischer Ex-Prinz Andrew (66), landet zwölf Stunden in der Zelle wegen 'Weitergabe geheimer Staatsangelegenheiten'", titelt Gazet van Antwerpen. "Den ganzen Tag befragt: Ex-Prinz Andrew zwölf Stunden lang festgenommen wegen Epstein-Affäre", schreibt Het Laatste Nieuws. "Britisches Königshaus in der Krise", liest man bei Het Nieuwsblad. "Die Festnahme von Ex-Prinz Andrew erschüttert die britische Monarchie", hält Le Soir fest. "Ex-Prinz Andrew verbringt seinen Geburtstag in einer Polizeizelle", hebt Het Belang van Limburg hervor. "Ex-Prinz Andrew vorläufig freigelassen, welche sensitiven Informationen hat er Epstein gemailt?", fragt De Standaard auf Seite eins.
Seit Monaten geistert der Name des ehemaligen britischen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor im Kontext der Epstein-Affäre durch die Öffentlichkeit, resümiert das GrenzEcho in seinem Leitartikel. Titel und Privilegien hat ihn sein dokumentiertes Fehlverhalten bereits gekostet. Nun folgt ein weiterer Höhepunkt in einer Kette von Affären, die die britische Monarchie belasten. Die Festnahme des Bruders von König Charles ist mehr als eine Episode. Sie sendet ein klares Signal. Die Behörden schrecken nicht vor einem ehemaligen Prinzen zurück. Damit bekräftigen sie den Anspruch, dass der Rechtsstaat keine Sonderzonen kennt. Ob diese Leitlinie konsequent durchgehalten wird, muss sich erst zeigen. Für das britische Königshaus ist das eine weitere Zäsur. Dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist, erscheint zumindest fraglich. Dabei ist der Fall nur ein Puzzlestück des größeren Epstein-Komplexes, dessen Dimensionen bis heute nicht aufgearbeitet sind, unterstreicht das GrenzEcho.
Ein kleines Zeichen der Hoffnung
Was wir in den letzten Jahren über Andrew erfahren haben, liest sich wie das Drehbuch für einen schlechten Film, merkt De Morgen an: die Jetset-Atmosphäre auf den Privatinseln von Epstein, die dubiosen Massagen, der Verdacht des Menschenhandels und des sexuellen Missbrauchs. Und dann war da noch sein mehr als peinliches und beschämendes Interview mit der BBC vor rund sechs Jahren, in dem Andrew nicht auf Abstand ging zu Epstein. Und in dem er vor allem kein bisschen Mitleid mit den Opfern zeigte. Andrew glaubte, dass er davonkommen würde und ein ruhiges Leben auf königlichen Landgütern verbringen könnte, indem er einfach alles leugnete. Aber die Hartnäckigkeit von Opfern wie Virginia Giuffre hat das verhindert. Das ist es auch, worum es hier wirklich geht: um Gerechtigkeit für die Opfer. Wenn selbst der Bruder eines Königs in der Zelle landen kann, dann kann man das zumindest als kleines Zeichen der Hoffnung lesen, meint De Morgen.
Die Epstein-Affäre lässt die europäischen Königshäuser in ihren Grundfesten erbeben, kommentiert Het Nieuwsblad. Selbst das britische Haus Windsor, das bis vor Kurzem noch quasi unantastbar war. König Charles III. kann jetzt nur noch zuschauen, wie sein Bruder Andrew alles in Gefahr bringt. Dabei hat das britische Königshaus alles getan, um sich so weit wie möglich von Andrew zu distanzieren. Das Problem ist nur, dass es viel zu lange damit gewartet hatte. Schon 2014 wurde Andrew des Menschenschmuggels für Epstein beschuldigt. Und die Trümmer des Epstein-Skandals treffen nicht nur die britischen Royals, siehe Norwegen. In Laeken ist man derweil zumindest bisher vor zu viel Fallout bewahrt geblieben. Auch wenn Prinz Laurent, das Enfant terrible der Sachsen-Coburgs, ein paar Mal in den Epstein-Akten auftaucht, erinnert Het Nieuwsblad.
Was hat Trump vor?
Wer wird zuerst blinzeln?, fragt derweil De Tijd zum Kräftemessen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Führer des iranischen Regimes, Ajatollah Ali Khamenei. Die Amerikaner haben die größte Truppenkonzentration in Jahrzehnten in der Region zusammengezogen. Diverse US-Medien haben gestern gemeldet, dass ein militärischer Angriff auf den Iran unmittelbar bevorstehen könnte. Und Trump hat dem Iran eine Frist von zehn Tagen gegeben. Dann will er entscheiden, ob er einen Deal macht mit Teheran oder das Land tatsächlich angreift. Das kann natürlich als Verhandlungstaktik von Trump gesehen werden. Außerdem haben die Amerikaner nach den Debakeln im Irak, in Afghanistan und in Syrien kein Interesse an weiteren ausufernden Konflikten im Nahen Osten. Aber bei Trump ist alles möglich, auch, dass er ein weiteres Mal auf Netanjahu hört, der seit Jahrzehnten von einem Regimewechsel im Iran träumt. Aber die Geschichte lehrt, dass westliche Eingriffe so gut wie nie zu etwas Besserem geführt haben, ganz im Gegenteil, mahnt De Tijd.
Die Vereinten Nationen müssen dringend reformiert werden
Gestern hat die erste Sitzung von Trumps sogenanntem "Friedensrat" stattgefunden, so La Libre Belgique. Ein Projekt, das von Anfang an auf viel Zurückhaltung und Misstrauen gestoßen ist. Bisher haben sich, abgesehen von den direkt von der Gaza-Frage betroffenen Verantwortlichen, auch nur einige besonders eifrige Höflinge zum Mitmachen überzeugen lassen. Natürlich ist jede Initiative für Frieden begrüßenswert. Besonders, wenn sie von einem Land kommt, das auch die Mittel dafür hat. Aber früher oder später wird sich die Frage nach der Legitimität des "Friedensrats" stellen. Denn Trump hat sich selbst zu seinem obersten Führer ernannt, er allein kann Mitglieder ernennen oder rausschmeißen, dauerhafte Sitze gibt es nur für die, die ihm eine Milliarde Dollar zahlen. Natürlich haben die Vereinten Nationen viele Probleme und funktionieren meist eher schlecht als recht. Aber erstens ist das vor allem die Schuld seiner Mitglieder. Und zweitens darf bezweifelt werden, dass eine "UNO der Reichen und Mächtigen" die beste Lösung für die Probleme der Welt ist. Zumindest zeigt der "Friedensrat", wie dringend eine Reform der Vereinten Nationen ist, betont La Libre Belgique.
Boris Schmidt