"Rückruf von Indoor-Spielsand nach Asbestfund", titelt Het Belang van Limburg. "Minister lassen Indoor-Spielsand wegen Asbest aus dem Regal holen", so die Schlagzeile bei Gazet van Antwerpen.
Verbraucherschutzminister Rob Beenders und Wirtschaftsminister David Clarinval haben gestern Abend vor dem Spielen mit sogenanntem Indoor-Spielsand gewarnt. Bei diesem Sand, der auch Kinetic-Sand oder Magic-Sand genannt wird, war in den Niederlanden Asbest entdeckt worden.
Het Belang van Limburg kommentiert: Schon Ende vergangenen Jahres wurde erstmals in Australien und Neuseeland Asbest in Indoor-Spielsand festgestellt. Spuren von Asbest hatte man damals dann auch in Großbritannien gefunden. Jetzt folgen die Niederlande und auch Belgien schließt sich der Warnung an. Ein bisschen spät, könnte man sagen. Denn warum hat der Verbraucherschutzminister nicht schon im November alle Eltern davor gewarnt, dieses beliebte Spielzeug für ihre Kleinkinder zu kaufen? Chinesische Billigprodukte kennen im Zeitalter des Internethandels keine Grenzen. Zu denken, dass Asbest nur in Produkten zu finden sei, die nach Australien oder Großbritannien gelangen, ist naiv. Und wie gefährlich Asbest sein kann, wissen wir mittlerweile nur allzu gut, ärgert sich Het Belang van Limburg.
Ein Charleroi an der Schelde?
De Standaard blickt in die Zukunft: Bis 2080 soll Belgiens Bevölkerung um 1,3 Millionen Menschen wachsen. So hat es das Föderale Planbüro jetzt mitgeteilt. Eigentlich alle 1,3 Millionen Menschen werden in Flandern hinzukommen, so die Vorhersage. Ist das zu schaffen? Wird es so viele Wohnungen bei uns geben können? Wird die Infrastruktur reichen? Wird unser Sozialsystem, werden unsere Schulen das aushalten? Ein Blick in die Vergangenheit macht Hoffnung: Seit 1972 ist die Einwohnerzahl von Belgien um 2,1 Millionen Menschen gestiegen. Grosso modo haben wir das problemlos geschafft. Warum sollte das Gleiche nicht in den nächsten 54 Jahren möglich sein, gibt sich De Standaard optimistisch.
Gazet van Antwerpen macht sich Sorgen um die Zukunft des Hafens von Antwerpen: Probleme gibt es im Hafen schon viele, Stichwort schwächelnder Chemiesektor mit angekündigten Entlassungen. Jetzt kommt noch eine neue Hiobsbotschaft hinzu: Angeblich gibt es nicht genug Platz im Hafen, um ihn an die Windkraftanlagen vor der Küste anzuschließen. Dieses Problem der Stromleitungen von Windturbinen ans Festland ist auch in den Niederlanden und Deutschland ein Sorgenkind. Dadurch wird die Sache ein Fall für Europa. Die Erwartungen an den Besuch der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nächste Woche im Hafen von Antwerpen sind groß. Es wäre gut, wenn sie mit Lösungsvorschlägen für den Hafen käme. Denn sonst droht Antwerpen eine Art "Charleroi an der Schelde" zu werden, warnt Gazet van Antwerpen.
Des Dollars Leid ist des Euros Freud
Le Soir meint zum aktuellen Streit um eine Passagiersteuer am Flughafen von Charleroi: Dass die wallonische Regierung der Stadt Charleroi diese neue Steuer jetzt verbietet, zeugt nicht von kohärentem Handeln. Denn als die Föderalregierung die Steuer auf Flugtickets um das Dreifache der jetzt geplanten Kommunalsteuer von Charleroi erhöht hatte, gab es keinen Protest. Da liegt es natürlich nahe, dass das Verbot für Charleroi, drei Euro pro Flugpassagier zu verlangen, politisch motiviert ist. MR und Les Engagés sind sowohl in Namur als auch auf föderaler Ebene an der Macht. Charleroi wird von der PS regiert, erinnert Le Soir.
L'Echo schaut auf die internationalen Finanzmärkte: Den Börsen in Europa geht es zurzeit ziemlich gut. Der Euro hat seit Beginn des Jahres 15 Prozent zugelegt im Vergleich zum Dollar. Dieser Rückenwind für Europa hat viel mit den USA zu tun. Wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump sind Anleger dabei, ihre Depots zu diversifizieren. Davon profitieren europäische Unternehmen. "Buy Europe" hat jetzt schon die Märkte erobert. Auch der belgische Aktienindex Bel20 profitiert davon. Seit Beginn des Jahres hat er knapp um neun Prozent zugelegt, jubelt L'Echo.
Die Sache mit dem Russen…
Zum Thema Krieg in der Ukraine beobachtet La Libre Belgique: Russland bleibt bei seiner Strategie: Verhandlungen über das Ende des Kriegs: Ja, Zugeständnisse: Nein. Europa sollte daraus Profit schlagen, denn es ist nicht so, dass Russland aus einer wirklichen Stärke heraus handelt. Die Wirtschaft schwächelt, die menschlichen Verluste sind enorm. Europa sollte endlich seine Kräfte bündeln, die Ukraine mit allen benötigten Waffen versorgen und neue Sanktionen gegen Russland verhängen. So könnte Putin in die Knie gezwungen werden, glaubt La Libre Belgique.
La Dernière Heure stellt fest: Die bedingungslose Aufrüstung unserer Streitkräfte scheint zurzeit in Stein gemeißelt. Niemand hinterfragt das mehr und alles scheint gerechtfertigt, um auf jeden Fall bereit zu sein, wenn der Russe kommt. Dabei ist der noch ziemlich weit entfernt. Dass wir auf einen möglichen Krieg besser vorbereitet sein müssen als in der Vergangenheit, ist klar. Aber alles jetzt unter der Prämisse des Militärischen und der drohenden Gefahr wahrzunehmen, ist übertrieben, mahnt La Dernière Heure.
Kay Wagner