"Trump zieht Strafzölle gegen EU-Länder zurück", titelt De Tijd. "Trump droht, beleidigt und zieht dann die Zölle zurück", schreibt Het Belang van Limburg auf Seite eins. "Einigung zu Grönland überraschend möglich", so Le Soir in seiner Schlagzeile.
Nach einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte gestern Abend auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump im Grönland-Streit mit Europa eingelenkt.
Dazu stellt Gazet van Antwerpen fest: Der gestrige Mittwoch war angekündigt worden als ein "historischer Tag", an dem die Nato hätte auseinanderfallen können und an dem Europa als ein Block hätte auftreten müssen, um zu überleben. Alles ist jetzt viel weniger dramatisch geworden. Trump will zwar immer noch Grönland, aber er hat versprochen, keine Gewalt anzuwenden. Auch höhere Einfuhrzölle für europäische Waren will er nicht erheben. Es ist schon bemerkenswert, dass viele führende Politiker jetzt erleichtert sind, dass ein Nato-Land ein anderes Nato-Land nicht angreift. Eigentlich war das ja immer die Logik selbst. Jetzt nicht mehr, seufzt Gazet van Antwerpen.
Der "neue Sheriff" hat den Colt wieder eingesteckt
Die Wirtschaftszeitung L'Echo betont: Die Welt ist zu Recht erleichtert. Und Europa kann sich ein bisschen als Sieger fühlen. Unaufhaltbar, dieser Donald Trump? Nein, so ist es doch nicht. Der "neue Sheriff", wie man Trump in seinem Umfeld nennt, hat den Colt wieder eingesteckt, zumindest für den Moment. Die Finanzmärkte werden dabei eine Rolle gespielt haben. Am Dienstag hat Wall Street mit vielen Panikverkäufen wegen der möglichen neuen Strafzölle für Unruhe im Weißen Haus gesorgt, weiß L'Echo.
Het Belang van Limburg fragt: Müssen wir jetzt erleichtert sein, dass Trump auf eine gewaltsame Eroberung von Grönland verzichtet? Nicht wirklich. Denn die Friedenspfeife hat er in Davos nicht geraucht. Er will immer noch Grönland kaufen, und das am liebsten schnell. Sein Rückzieher in Sachen Militär könnte etwas mit seinen Wählern zu tun haben. Das Wochenmagazin The Economist hat bei einer Umfrage festgestellt, dass nur 29 Prozent der Amerikaner wollen, dass Trump Grönland kauft. Von einer Militäraktion wollen lediglich sieben Prozent etwas wissen, berichtet Het Belang van Limburg.
Batman De Wever vs Joker Trump
La Dernière Heure notiert: Man reibt sich verwundert die Augen aber festzuhalten bleibt: Bart De Wever, dieser flämische Nationalist, hat sich zum großen Verteidiger Europas aufgeschwungen. Angesichts der Drohungen von Trump hat De Wever klare Worte gefunden. "So nicht", hat De Wever sinngemäß gesagt. Dieser Eifer für Europa ist sicher eher nützliche Realpolitik von De Wever als eine Herzensangelegenheit. Aber ein bisschen wie Batman, der kein perfekter Held ist, aber derjenige, den Gotham braucht, ist De Wever derjenige, den Europa gerade braucht im Kampf gegen Joker Trump, überlegt La Dernière Heure.
De Standaard warnt: Der größte Fehler, den die europäischen Staats- und Regierungschefs machen könnten, wäre, sich jetzt erleichtert zurückzulehnen und zu hoffen, dass sich alles weiter abkühlt. Denn jetzt ist es wirklich Zeit, um Tempo zu machen bei der Autonomie in Sachen Sicherheit, Energie, Digitalem und Wirtschaftsbeziehungen. Deshalb zeugt es von unverantwortlicher Kurzsichtigkeit und Nabelschau, dass das Europäische Parlament das Mercosur-Abkommen jetzt verzögert. Die Beziehungen zu den USA werden weiter bestehen, aber Europa sollte alles dafür tun, dass das künftig auf Augenhöhe passiert, ärgert sich De Standaard.
Emotionsgeladenes Für und Wider
Zum Mercosur-Abkommen kommentiert Le Soir: Handel ist grundsätzlich gut, und auch der Versuch, mit den Mercosur-Staaten ein Freihandelsabkommen zu schließen, ist eine gute Initiative der EU. Aber das darf nicht um jeden Preis geschehen. Es gibt Zweifel und Sorgen, emotionsgeladenes Für und Wider. Das Europäische Parlament ist und bleibt die Wiege der Demokratie. Dass dieses Parlament jetzt entschieden hat, dass sich der Europäische Gerichtshof mit Mercosur in aller Objektivität beschäftigen soll, ist eine begrüßungswerte Entscheidung, findet Le Soir.
La Libre Belgique schaut nach Syrien: Im Norden des Landes gehen syrische Truppen und Milizen brutal gegen Kurden vor. Folter, willkürliche Hinrichtungen und blinde Gewalt an Zivilisten und Kindern finden dort statt und im Westen schaut man weg. Dabei haben uns die Kurden damals im Kampf gegen die Terroristen des Islamischen Staats gerettet. Die Kurden bewachen immer noch Gefangenenlager mit IS-Verbrechern. Immer mehr von diesen allerdings fliehen. Die Kurden brauchen die Unterstützung der westlichen Länder. Dass wir diese Verbündeten so sträflich im Stich lassen, ist nicht nur undankbar, sondern könnte auch gefährlich für uns werden, warnt La Libre Belgique.
Kay Wagner