"Die EU bereitet sich auf den Clash vor – alle Optionen liegen auf dem Tisch", titelt De Morgen. "Angesichts der Drohungen von Donald Trump holen die Europäer zum Gegenschlag aus", so die Schlagzeile von Le Soir. "Macht Europa eine Faust gegen Trump?", fragt sich Het Laatste Nieuws.
US-Präsident Donald Trump droht ja jetzt acht europäischen Staaten mit neuen Zöllen, darunter sechs EU-Ländern. Dies als eine Art Strafmaßnahme, weil sie Soldaten nach Grönland entsandt haben. Trump erhebt ja Ansprüche auf die Insel, die völkerrechtlich zu Dänemark gehört. Allerdings: Zölle gegen einzelne EU-Länder sind nicht möglich; in Zollfragen bildet die Europäische Union ja einen Block. Deswegen werden jetzt auf der EU-Ebene Gegenmaßnahmen vorbereitet. Im Raum stehen unter anderem neue Zölle auf amerikanische Importe im Gegenwert von knapp 100 Milliarden Euro. "Kommt jetzt die 'Bazooka' zum Einsatz?", fragt sich das GrenzEcho.
Alle Augen sind auf die EU gerichtet
"Alle Augen richten sich jetzt auf die Europäische Union", meint Het Laatste Nieuws in seinem Leitartikel. Wie wird der Alte Kontinent reagieren auf den Versuch des US-Präsidenten, eine neue Weltordnung zu etablieren? Bislang hat sich die EU wie ein Kleinkind verhalten, das brav "Ja" nickte, wenn "Daddy" Trump wieder irgendetwas verordnete. Jetzt wandelt sich die Union aber zum aufmüpfigen Teenager. Denn jetzt wurde eine Grenze überschritten. Trump agiert wie ein durchgedrehter römischer Kaiser und das ist nicht länger hinnehmbar. Hier droht allerdings eine Zerreißprobe: Wenn Trump nicht zurückrudert, dann ist der Bruch mit den Vereinigten Staaten vollzogen.
Die Absurdität hat einen neuen Höhepunkt erreicht, giftet Het Nieuwsblad. Jetzt will Trump also Strafzölle erlassen gegen Länder, die in Absprache mit Dänemark Soldaten nach Grönland entsandt haben. Sanktionen gegen Länder also, die letztlich auf dem eigenen Territorium agieren. Das ist regelrecht surrealistisch. Den Europäern ist allerdings längst das Lachen vergangen, denn "The Donald" will hier offensichtlich das Gesetz des Dschungels etablieren. Hoffentlich schlägt die EU jetzt endlich zurück. Klar: Natürlich droht hier eine Negativspirale mit potenziell katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen. Niemand hat Interesse an einer Eskalation. Aber Trump tut hartnäckig sein Bestes, um eine Scheidung herbeizuführen. Wer solche Freunde hat, der braucht keine Feinde mehr.
"Genug ist genug!"
"Europa darf sich nicht länger erpressen lassen!", ist auch das GrenzEcho überzeugt. Denn, wer wie Trump agiert, der hat den Boden partnerschaftlicher Politik verlassen. Der US-Präsident handelt nicht strategisch, sondern narzisstisch. Er sucht keine Lösungen, sondern Unterwerfung. Europa darf sich jetzt nicht länger kleiner machen, als es ist. Die Europäische Union ist kein hilfloser Zuschauer, sondern der wichtigste Handelspartner der Vereinigten Staaten. Wer so tut, als säße Washington automatisch am längeren Hebel, der macht sich freiwillig zum Unterlegenen.
"Genug ist genug!", zischt auch Gazet Van Antwerpen. Europa muss Trump jetzt die Grenzen aufzeigen. Denn wo soll das noch enden? Will er demnächst auch Island kaufen? Oder vielleicht sogar Belgien? Schließlich liegen wir im Herzen Europas und verfügen wir mit dem Antwerpener Hafen über einen wichtigen wirtschaftlichen Trumpf. Nein, so kann es nicht weitergehen. Denn ansonsten droht ganz Europa zu einer Art Kolonie von Donald Trump zu werden, wo der sich allmächtig wähnende Präsident tun kann, was er will.
Wie eine Netflix-Serie, ohne Zapping-Möglichkeit
"Appeasement ist keine Option mehr", glaubt auch De Standaard. Denn eine beschwichtigende Haltung wird von Trump als ein Zeichen von Schwäche verstanden. Der US-Präsident will keine Deals abschließen, er ist ein brutaler Machtpolitiker, der keine Verbündete kennt, sondern nur Untergebene. Wir haben es ja versucht: Die Nato-Staaten haben sogar einer Anhebung ihrer Verteidigungshaushalte auf fünf Prozent des BIP zugestimmt. Die Europäer haben sogar die US-Zölle geschluckt. Besänftigen konnte man Trump damit nicht. Sich jetzt wieder zu beugen, das kann nicht die Antwort sein.
Le Soir sieht das genauso. Wir dürfen uns nicht länger demütigen lassen. Denn es bringt schlicht und einfach nichts. Noch im vergangenen Juli hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf einem schottischen Golfplatz sogar einen Kniefall getan, indem sie die neuen US-Zölle akzeptierte und auf Vergeltung verzichtete. Und was passiert? Ein halbes Jahr später packt "Daddy" schon wieder die Zollpeitsche aus. Stopp! Schluss jetzt! Europa muss es jetzt machen wie die Chinesen: knallhart zurückschlagen. Denn, nicht vergessen: Die EU ist immer noch eine wirtschaftliche Supermacht. Und wenn wir die "Bazooka" hervorholen, dann müssen auch die USA in Deckung gehen. Jetzt oder nie muss Europa aufhören, nach Trumps Pfeife zu tanzen.
Nichtsdestotrotz, meint De Morgen in einem nachdenklichen Kommentar: Man muss sich eigentlich die Augen reiben: Was für ein absurdes Spektakel! Ein ums andere Mal produziert der US-Präsident Entscheidungen, bei denen man sich fragen muss, ob man nicht im falschen Film sitzt. Jetzt werden also auch schon Bündnispartner regelrecht erpresst und drangsaliert. Was wollen wir wetten? Selbst im Kreml hätte man wohl nicht zu träumen gewagt, dass ausgerechnet Grönland am Ende die Nato an den Rand des Abgrunds bringen würde. Mit welchem Unfug wird uns Trump wohl danach beglücken? Niemand weiß es. Und genau das macht Angst. Dieser Präsident ist offensichtlich zu allem in der Lage. Es ist, als würden wir eine Netflix-Serie schauen. Mit dem einen Unterschied, dass wir nicht wegzappen können, wenn uns die Geschichte zu bunt wird.
Roger Pint