"Das Einzige, was mich aufhalten kann, das ist mein eigener Verstand", titelt De Morgen. Und hierbei handelt es sich um ein Zitat von US-Präsident Trump. Gesagt hat er den Satz in einem Interview mit der New York Times, das De Morgen im Innenteil abdruckt. Darin bekräftigt er noch einmal seine Ansprüche auf Grönland.
"Die Grönland-Frage ist lebensbedrohlich für die NATO", das sagt derweil Verteidigungsminister Theo Francken auf Seite eins von De Standaard. Denn eine völkerrechtswidrige Annexion Grönlands ohne die Zustimmung Dänemarks beziehungsweise der Einwohner der weitgehend autonomen Insel würde die Allianz wohl sprengen. "Die Amerikaner werden aber keine Militäraktion in Grönland durchführen", zitiert La Libre Belgique den N-VA-Verteidigungsminister.
"Meine eigene Moral, mein eigener Verstand", sinniert De Morgen über Trumps Worte in seinem Kommentar. Der US-Präsident hat also gerade das Völkerrecht in den Mülleimer der Geschichte geworfen. Und spätestens mit der Intervention in Venezuela wurde deutlich, dass man ab jetzt nichts mehr ausschließen kann. Hier drohen erhebliche weltweite Verwerfungen, man denke nur an Kuba oder vor allem den Iran. Die mit Abstand dramatischsten Folgen hätte aber eine gleichwie geartete Annexion Grönlands. Fachleute sind sich einig: Wenn Trump auf Grönland losgeht, dann ist die NATO tot und begraben. Aber auch für Trump hätte das nicht unerhebliche Folgen: Wenn er Europa an die Seitenlinie verbannt, dann verliert er unsere strategische Unterstützung. Die könnten die USA in ihrer Auseinandersetzung mit China noch brauchen. Davon abgesehen, dass auch die transatlantischen Kapitalströme auf Dauer versiegen könnten.
Es wird Zeit, die Folterinstrumente auszupacken
"Trump macht sich also selbst zum Maß aller Dinge", kann auch L'Echo nur feststellen. Nichts kann ihn aufhalten: Nicht der Kongress, nicht das Völkerrecht, und auch keine militärischen Mittel, denn die US-Armee ist dem Rest der Welt haushoch überlegen. Die Europäer sollten dieses Interview sehr ernst nehmen. Die Botschaft lautet nämlich: Wenn Trump Grönland will, dann wird er es sich nehmen. Einmal mehr wird deutlich, dass die alte Welt nicht mehr existiert. Wie kann man mit einem US-Präsidenten verhandeln, der jeden Deal gleich nach der Unterzeichnung gleich wieder infrage stellt? Wie kann man noch an die NATO glauben, wenn er selbst offen an ihrer Effizienz zweifelt und noch dazu auf das Territorium eines Partnerlandes schielt? Wir müssen der Realität ins Auge sehen: Donald Trump ist kein Verbündeter Europas, er war es nie, und er wird es nie sein. Mit dieser neuen Wirklichkeit müssen wir leben. Nicht, indem wir auf Gewalt mit Gewalt antworten. Das wäre ohnehin aussichtslos. Europa hat aber durchaus andere Mittel der Vergeltung. Es wird Zeit, dass wir unsere wirtschaftlichen und finanziellen Folterinstrumente auspacken. Denkbar ist zum Beispiel, amerikanische Unternehmen von europäischen Ausschreibungen auszuschließen. Außerdem kann man mit Blick auf die amerikanischen Tech-Unternehmen durchaus die Schrauben anziehen. Denn schließlich wollen sie auch vom europäischen Markt mit seinen 450 Millionen Verbraucher profitieren. "Einheit macht stark", diese Maxime müssen wir jetzt konsequent umsetzen. Um Trump zu demonstrieren, dass es doch Mittel gibt, ihn aufzuhalten.
Ein Lackmustest für Europa
Vor diesem Hintergrund ist das Mercosur-Abkommen von entscheidender Bedeutung für Europa, ist Gazet van Antwerpen überzeugt. Ja! Die Sorgen und die Wut der Landwirte sind verständlich. Zurecht befürchten sie unlautere Konkurrenz aus Südamerika, wo eben nicht dieselben strengen Normen und Auflagen gelten wie in der EU. Über mangelnde Unterstützung dürfen die Landwirte allerdings auch nicht klagen. Der derzeitige sechsjährige Finanzrahmen der EU sieht fast 400 Milliarden Euro für den Agrarsektor vor. Das gibt es auf keinem anderen Kontinent. Und im heutigen geopolitischen Kontext ist nun einmal von tragender Bedeutung, dass Europa Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern abschließt. Der Protest der Bauern in Ehren, aber für die wirtschaftliche Zukunft Europas ist es gut, dass sie das Mercosur-Abkommen nicht verhindern konnten.
Das GrenzEcho sieht das ähnlich. Die Bedenken der Landwirte, die in dieser Woche erneut protestiert haben, die lassen sich nicht von der Hand weisen. Das Kernproblem ist offensichtlich: Wettbewerb ohne vergleichbare Standards verzerrt den fairen Ausgleich. Trotzdem gilt: Ein Scheitern des Mercosur-Abkommens ist keine Option. Nicht, weil es makellos wäre, sondern, weil sich Europa keinen weiteren Beweis seiner Entscheidungsunfähigkeit mehr leisten kann. Mercosur ist ein Lackmustest. Ob Europa handlungsfähig bleibt, das entscheidet sich daran, ob wirtschaftliche Öffnung, Schutz der Landwirtschaft und politische Glaubwürdigkeit zusammengebracht werden können. Gelingt das nicht, dann ist nicht das Abkommen das Problem, sondern die EU selbst.
Glaubwürdigkeit: 0/20
Einige Leitartikler greifen auch noch einmal den peinlichen Patzer von Petra De Sutter auf. Die Rektorin der Uni Gent hatte ja eine Rede mit falschen Zitaten gespickt, die von einer Künstlichen Intelligenz generiert wurden.
"Glaubwürdigkeit: 0/20", so das unbarmherzige Urteil von La Libre Belgique. Dass die Rektorin eine KI genutzt hat, das allein ist nicht problematisch. Künstliche Intelligenz ist inzwischen allgegenwärtig. Unverzeihlich ist aber, dass sie die fraglichen Zitate nicht überprüft hat. Damit hat sie gegen eine akademische Grundregel verstoßen. Es ist fast schon ironisch: "Tut, was ich sage, nicht, was ich tue".
Le Soir schlägt in dieselbe Kerbe. Die Geschichte ist so haarsträubend, dass man fast schon wieder darüber lachen könnte. Da wird also die Rektorin einer Universität auf frischer Tat dabei ertappt, wie sie nicht einmal oberflächlich die Authentizität ihrer Quellen überprüft. Gerade bei der Nutzung eines Chatbots ist das ein Anfängerfehler. Die Position von Petra De Sutter ist jedenfalls enorm geschwächt. Und das ausgerechnet in einer zentralen Debatte, die gerade insbesondere in der akademischen Welt geführt wird.
Kein Kreuzzug gegen die Person
"Das Umfeld von Petra De Sutter hat jetzt aber noch einen draufgesetzt", wettert Het Laatste Nieuws. Als wäre die Geschichte nicht schon problematisch genug gewesen, versuchte die Partnerin von Petra De Sutter, sie zum Opfer zu machen, Opfer der Medien und der bösen Öffentlichkeit, die den Fehler zum Anlass nahmen, um De Sutter "aus anderen Gründen" ins Visier zu nehmen. Ein Kreuzzug gegen die Person also. Und das ist intellektuell unaufrichtig und damit besorgniserregend. Denn hier geht es doch um eine der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit, und das insbesondere in der akademischen Welt. Die Reaktion der Frau verkennt eben diese Tragweite. Es ist bestimmt unangenehm, wenn man von selbsternannten Social-Media-Richtern den Prozess gemacht bekommt. Doch wer sich für eine Rolle in der Öffentlichkeit entscheidet, der muss, wenn er einen offensichtlichen Fehler macht, auch eine öffentliche Debatte aushalten.
Roger Pint