"'Trump und seine Berater untersuchen, wie sie sich Grönland einverleiben können'", titelt Het Nieuwsblad auf Seite eins. "Wer kann Trump aufhalten?", fragt Le Soir. "Grönland: Wie sich Europa und Dänemark auf die Konfrontation mit Trump vorbereiten", schreibt La Libre Belgique. "Europäische Länder stellen sich hinter Grönland", fasst das GrenzEcho zusammen. "Europäische Länder stellen sich (endlich) hinter Dänemark: Finger weg von Grönland", liest man bei Gazet van Antwerpen.
Die Führer Europas stellen sich öffentlich hinter Dänemark, um US-Präsident Donald Trump und den anderen amerikanischen Cowboys klarzumachen, dass sie sich von Grönland fernhalten sollen, rekapituliert Gazet van Antwerpen in ihrem Leitartikel. Wie rührend. Aber das wird wenig Eindruck auf einen Tyrannen wie Trump machen – er versteht nur die Sprache der Macht. Europa hätte wirksame Hebel gegen die Vereinigten Staaten, aber es weigert sich, sie einzusetzen. Die Europäer haben Angst, dass Trump ihnen dann den militärischen Schutzschirm wegnehmen könnte. Oder dass er der Ukraine wieder Erkenntnisse der amerikanischen Geheimdienste über die Russen vorenthalten wird. Wenn es bei Worten bleiben sollte, wird Grönland schon in ein paar Monaten Trump gehören. Und dann werden die Europäer auch einsehen, dass wer Angst zeigt erst recht Schläge bekommt. Und dass sie viel nachdrücklicher auf Grönland Flagge hätten zeigen müssen, giftet Gazet van Antwerpen.
Trump macht keine Witze
Das Weiße Haus hat nun auch offiziell mitgeteilt, dass es sich Grönland holen will – entweder per Kauf oder militärisch, erinnert Het Nieuwsblad. Die MAGA-Bewegung Trumps wird von Schwäche angezogen wie ein Raubtier von einem verletzten Beutetier. Und Europa demonstriert seit dem erneuten Amtsantritt von Trump Schwäche. Ein Jahr lang hat man hierzulande das Gerede über die Annexion von Grönland als Witz abgetan. Aber die Trump-Verwaltung macht keine Witze, siehe Venezuela. Europa hat die Hände in den Schoß gelegt. Dabei hatten die Franzosen sogar vorgeschlagen, in Grönland eine europäische Militärpräsenz aufzubauen, als Bollwerk gegen Russland und China. Damit hätte man den Amerikanern einen Vorwand weniger liefern können. Aber es ist nichts geschehen, prangert Het Nieuwsblad an.
Trump behauptet ja, dass es ihm um die Sicherheit Grönlands, der Vereinigten Staaten und der NATO gehe, hebt La Libre Belgique hervor, darum, die russischen und chinesischen Ambitionen in der Arktis zu stoppen. Aber dafür müssten die Vereinigten Staaten Grönland natürlich weder kaufen, besetzen oder annektieren. Schließlich gehört Grönland zur NATO und haben die amerikanischen Streitkräfte dort bereits eine starke Präsenz. Und wenn es Trump um die Rohstoffvorkommen Grönlands geht: Auch dafür gibt es internationale Mechanismen. Mechanismen, von denen gerade die Vereinigten Staaten immer besonders profitiert haben. Eine Nötigung oder gar Aggression vonseiten der USA hätte dramatische Konsequenzen. Und es wäre zweifelsohne der Todesstoß für die NATO. Russland und China würden sich die Hände reiben. Und Amerika hätte das genaue Gegenteil von dem erreicht, was es behauptet, erreichen zu wollen, unterstreicht La Libre Belgique.
Das Murren wird auch in Amerika lauter
Für Donald Trump ist Außenpolitik eine ganz einfache Sache, fasst De Standaard zusammen: Er hat die leistungsstärkste Rüstungsindustrie und die mächtigste Armee der Welt, also kann er machen, was er will. Aber es bleibt fraglich, wie nachhaltig diese grob vereinfachte Sicht auf die Welt ist. Entgegen Trumps Behauptungen darf man bezweifeln, dass die amerikanische Ölindustrie scharf darauf ist, sich an einem so instabilen Land wie Venezuela die Finger zu verbrennen. Siehe auch Trumps andere geopolitische Abenteuer, vom Kongo bis nach Gaza. Außer großen Worten hat er wenig vorzuweisen. Schon gar nichts, was den gewöhnlichen US-Bürgern etwas bringen würde. Bei seinen America First-Anhängern wird das Murren immer lauter, weil Trump trotz gegenteiliger Versprechen teure Auslandseinsätze am laufenden Band durchführt. Sieben Länder hat er bisher angreifen lassen. Und er hat schon weitere Interventionen in Panama, Grönland, Kolumbien, Kuba und im Iran angekündigt. Seine Wähler hatten auf bezahlbare Häuser und Gesundheitsversorgung gehofft. Stattdessen wirft ihr politisches Idol mit teuren Bomben und Raketen um sich. Das sieht man auch immer deutlicher an seinen Umfragewerten, so De Standaard.
Die Flitterwochen sind vorbei
Verschiedene, vor allem frankophone Zeitungen befassen sich mit dem Wechsel des Kammerabgeordneten Michel De Maegd von der MR zu Les Engagés: Es kommt nicht häufig vor, dass ein Koalitionspartner einem anderem einen Abgeordneten abluchst, hält Le Soir fest. Und besonders elegant ist so ein Vorgehen auch nicht. Wie muss man das also interpretieren? Zunächst einmal als persönliches Problem eines Abgeordneten mit der Linie seiner Partei. Eine wirkliche Überraschung ist der Wechsel aber nicht, schließlich hatte De Maegd schon nach einem früheren Zusammenrasseln mit seinem Parteipräsidenten Georges-Louis Bouchez öffentlich nachgedacht, als Unabhängiger in der Kammer zu sitzen. Dann zeigt der Eklat auch einmal mehr das Problem der immer mächtigeren Partikratie, die Abgeordnete zu bloßen Knopfdrückern und Abnickern der Politik des Parteivorsitzenden machen will. Dann ist das Ganze auch ein Beweis mehr für die Probleme gewisser Teile der MR mit ihrem Hyper-Präsidenten Bouchez. Und dafür, dass unter ihm die Koexistenz unterschiedlicher Strömungen immer schwieriger wird. Und schließlich illustriert es auch das Ende der Flitterwochen zwischen MR und Les Engagés und dass beide jetzt versuchen, sich voneinander abzugrenzen. Bis hin zu einer möglichen Regierungskoalition in Brüssel ohne den jeweils anderen, analysiert Le Soir.
Boris Schmidt