"EU vermeidet harte Verurteilung von Trump", titelt De Morgen. "Börsenwerte für Öl und Waffen steigen nach Coup der Amerikaner", so der Aufmacher von De Tijd. "Grönland im Visier von Trump", schreibt Le Soir in seiner Schlagzeile.
Die Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA und die Folgen davon greifen die Zeitungen auch heute wieder in ihren Leitartikeln auf.
Het Belang van Limburg urteilt: Die Aktion der Amerikaner war vollkommen illegal. Das Vorgehen hätte verurteilt werden müssen. Aber die Reaktionen von Europa waren besonders schwach. Das könnte den Europäern noch auf die Füße fallen, denn jetzt meldet Trump wieder Anspruch auf Grönland an. Wobei er wissentlich verschweigt, dass die USA bereits eine Militärbasis auf Grönland haben, Dänemark ein Bündnispartner ist und es eigentlich gar keinen Grund für die USA gibt, wegen Grönland um seine Sicherheit zu fürchten. Dass Trump trotzdem mit den Säbeln rasselt, ist ein x-ter Weckruf für die Europäer, endlich unabhängig zu werden, mahnt Het Belang van Limburg.
Sanktionen gegen die USA
Le Soir findet: Es ist sehr beunruhigend, dass die EU gestern keine richtige Antwort auf die drängenden Fragen bezüglich der US-Intervention in Venezuela gegeben hat. Der schwache Verweis darauf, dass der UN-Sicherheitsrat besser platziert sei als die EU, ist im Grunde nur ein Zeichen der Angst der EU sich klar zu positionieren. Es wäre aber gut, wenn die EU das täte. Europa muss den USA zeigen, dass es nicht einverstanden ist mit dem Bruch des Völkerrechts in Venezuela. Die EU könnte auch durchaus Sanktionen gegen die USA verhängen. Aber all das passiert nicht. Durch diese Passivität droht die EU sich selbst zum Bettvorleger von Trump zu degradieren, warnt Le Soir.
De Morgen zeigt ein wenig Verständnis: Die Reaktion der EU auf das Vorgehen der USA hat weniger mit Schwäche oder Naivität zu tun, sondern eher mit Ratlosigkeit. Denn in Brüssel weiß man zu genau: Egal wie man reagiert, ist es schlecht. Verurteilt man Trump, wird dieser böse. Sagt man nichts, droht man zum stillschweigenden Befürworter der US-Aktion zu werden. Aber die EU muss sich entscheiden. Und eigentlich geht es nur so, dass sie sich von den USA emanzipiert. Die EU muss mutig sein und den USA auch drohen, zum Beispiel mit wirtschaftlichen Sanktionen, der Schließung von US-Militärbasen in Europa, dem Ende des freien Zugangs der Tech-Unternehmen auf den europäischen Markt. Das sind keine schönen Aussichten, aber nur so kann Europa sich selbst treu bleiben, glaubt De Morgen.
USA sind die Größten
Auch L'Echo meint: Europa muss reagieren auf das, was in Venezuela passiert ist und wie Trump jetzt auch Grönland droht. Denn wenn Europa nicht reagiert, endet es genau dort, wo Trump den Kontinent haben will, nämlich in der kompletten Abhängigkeit der USA als Vasall, prophezeit L'Echo.
Het Laatste Nieuws zieht einen Vergleich mit Russland und behauptet: Die USA und Russland spielen absolut nicht in der gleichen Liga. Zu dem, was die USA da gerade mit Maduro gemacht haben, wäre Russland gar nicht fähig. Schon einen Blitzkrieg in der Ukraine hat Russland nicht hingekriegt. Die russische Unterstützung für Assad in Syrien ist in sich zusammengefallen, als Rebellen nach Damaskus einmarschierten. Trump hat alle getäuscht, als er im Wahlkampf von einem schwachen Amerika gesprochen hat, das er wieder großmachen wolle. Denn die USA sind groß, wirtschaftlich und auch militärisch, betont Het Laatste Nieuws.
Unverschämter Bahnstreik
Gazet Van Antwerpen beschäftigt sich mit den Arbeitslosen in Belgien und erinnert: Die Begrenzung des Arbeitslosengeldes ist eine längst überfällige Regelung. Volkswirtschaftlich ist es nämlich gut, dass Menschen, die arbeiten können, tatsächlich auch arbeiten gehen. Dass dabei nicht alle Langzeitarbeitslosen von jetzt auf gleich wieder vollwertig in den Arbeitsmarkt integriert werden können, ist auch klar. Weshalb Unternehmen besonders wichtig sind, die speziell darauf ausgerichtet sind, die Integration ins geregelte Arbeitsleben zu ermöglichen. Die flämische Regierung fördert solche Unternehmen, und das ist gut, freut sich Gazet Van Antwerpen.
La Libre Belgique kommentiert zum angekündigten Bahnstreik: Schon wieder wird vom 26. bis zum 30. Januar fünf Tage lang gestreikt. Mitten im Winter, einfach so angekündigt, als ob das selbstverständlich wäre. Das ist es aber nicht. Klar, die Gewerkschaften sind sauer, dass es bei der Bahn keine Beamten mehr geben soll. Aber reflexartig dann direkt zu streiken, ist unerhört. Gespräche, Dialog und Kompromisse gehören auch zum Spiel zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Gestraft werden durch den Streik sowieso die Falschen, nämlich die Fahrgäste. Dieser Streik ist kein Signal der Unzufriedenheit, sondern ein einseitiger Bruch des Dialogs, schimpft La Libre Belgique.
Kay Wagner