"Horror in der Silvesternacht", titelt Le Soir. "Inferno bei Silvesterparty", schreibt das GrenzEcho auf Seite eins. "Trauer nach Brand", so der Aufmacher bei Het Belang van Limburg. In der Silvesternacht ist im Schweizer Skiort Crans-Montana bei einer Silvesterparty in einer beliebten Bar ein Brand ausgebrochen. Mindestens 40 Menschen verloren ihr Leben, über 100 wurden verletzt.
Dazu kommentiert L'Avenir: Es ist nicht das erste Mal, dass es so eine Brandkatastrophe in der Silvesternacht gegeben hat. 1994 brannte es im Antwerpener Hotel Switel. 15 Menschen starben, 160 wurden verletzt. 2001 brach in einer Bar in Amsterdam ein Feuer aus. Zehn Tote und mehr als 180 Verletzte. Nach jedem dieser Brände hatte man sich geschworen, dass so etwas nie wieder passieren dürfe. Jetzt ist es aber doch wieder geschehen. Natürlich gibt es kein Null-Risiko, aber das Ausmaß und die Wiederholung solcher Brände sollten uns zu denken geben, meint L'Avenir.
Wo sind die Eltern?
Het Belang van Limburg beschäftigt sich in seinem Leitartikel mit dem Jahreswechsel in Belgien und stellt fest: Auch 2026 wurde vielerorts wieder eingeläutet mit Randale. Junge Menschen und selbst Kinder finden es scheinbar prickelnd, in der Silvesternacht mit Steinen und selbstgemachten Feuerwerkskörpern Menschen in Uniform anzugreifen. Dieses Phänomen ist nicht auf Belgien beschränkt, sondern auch in anderen europäischen Städten zu beobachten. Überall stellen sich die gleichen Fragen: Wo sind die Eltern? Woher kommt dieser Drang, zu zerstören? Und vor allem: warum? Hoffentlich bekommen wir 2026 Antworten darauf, wünscht sich Het Belang van Limburg.
La Dernière Heure betont: Obwohl diese Ausschreitungen in mittlerweile jeder Silvesternacht fast schon zur Tradition geworden sind, sind sie alles andere als normal. Und leider gibt es eine neue Tendenz: Immer öfter beteiligen sich auch Minderjährige daran. Einige von ihnen waren dieses Jahr erst zehn Jahre alt. Diese Minderjährigen wie Erwachsene zu bestrafen wäre absurd, nichts zu tun wäre kriminell. Klar ist, dass gehandelt werden muss. Die Eltern müssen vorgeladen und ihnen ins Gewissen gesprochen werden. Die jungen Menschen müssen schnell wieder zur Vernunft gebracht werden, sonst sind die gewaltbereiten Kinder von heute auch die Straftäter von morgen, befürchtet La Dernière Heure.
Die Grenzen sind gezogen
Het Nieuwsblad dagegen meint: Es ist naiv zu glauben, dass ein Gespräch mit den Eltern irgendetwas bringen würde. Gegen die Gewalt der Minderjährigen hilft nur die harte Hand. Jugendliche, Kinder und ihre Eltern müssen schonungslos konfrontiert werden mit ihren Taten. Sie müssen bestraft werden. Denn das Abschießen von Feuerwerkskörpern auf Menschen ist kein Spiel. Es ist ein ernster Angriff auf die Gesundheit und das Leben anderer Menschen, unterstreicht Het Nieuwsblad.
De Standaard erinnert: Gestern hat nicht nur das neue Jahr begonnen, sondern auch ein neues Zeitalter für den belgischen Arbeitsmarkt. Die Begrenzung des Arbeitslosengeldes auf zwei Jahre ist die größte Reform im Sozialsystem seit vielen Jahren. Sie zeigt, dass verkrustete Strukturen durchaus aufgebrochen werden können, wenn politischer Wille vorhanden ist. Diese Reform war außerdem notwendig, denn Arbeitslosigkeit ist per se kein Lebensstatus. Arbeitslosigkeit ist zeitlich begrenzt, und deshalb ist es auch gut, dass der Staat Arbeitslose eine Zeitlang finanziell unterstützt. Aber alles hat seine Grenzen. Die sind jetzt gezogen. Jetzt muss der Staat den Menschen auch dabei helfen, tatsächlich Arbeit zu finden, fordert De Standaard.
Neues Jahr, alte Herausforderungen
Het Laatste Nieuws weist darauf hin: Dass viele Langzeitarbeitslose viele Jahre lang ohne Arbeit geblieben sind, ist nicht allein ihre Schuld. Auch die Politik hat das ermöglicht. Dass damit jetzt Schluss ist, ist gut. Was sich jetzt in der Praxis abspielen wird, ist noch nicht ganz klar. Viele Menschen und auch die Sozialämter und Vereine, die sich um arme Menschen kümmern, machen sich Sorgen. Es wird wichtig sein, dass die Langzeitarbeitslosen auf der Suche nach Arbeit unterstützt werden. Dabei muss auch darauf geachtet werden, dass Arbeitgeber sie tatsächlich einstellen und die Arbeit nicht lieber an Flexi-Jobber oder Studenten vergeben, warnt Het Laatste Nieuws.
La Libre Belgique notiert mit Blick nach Osten: Die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine ist wieder am Verblassen. Auch 2026 wird der Krieg dort wohl weitergehen. Für Europa bleibt die Bedrohung durch Russland also erhalten. Genauso wie auch andere Herausforderungen, die schon im vergangenen Jahr dem Alten Kontinent zugesetzt haben. Mehr denn je heißt es für Europa auch im neuen Jahr zusammen zu halten. Denn trotz all ihrer Mängel und Unzulänglichkeiten bleibt die Union das stärkste Mittel für die europäischen Staaten, sich erfolgreich gegen die aktuellen Herausforderungen zu behaupten, weiß La Libre Belgique.
Kay Wagner