"Böses Erwachen für Europa, jetzt, wo die USA und Russland miteinander sprechen", titelt De Standaard. "Die Europäer suchen eine Strategie", schreibt Le Soir auf Seite eins. "Europäische Länder beraten zur Ukraine", heißt es im Aufmacher des GrenzEchos. Die Lage der Europäer im Verhältnis zu den USA beschäftigt viele Zeitungen auch in ihren Leitartikeln.
De Standaard meint: Wenn die Europäer noch gedacht haben sollten, dass die Suppe nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird, dann sind sie an diesem Wochenende brutal wachgerüttelt worden. Die Äußerungen von US-Präsident Trump und seinem Vize Vance haben klargemacht: Europa muss sich selbst um seine Verteidigung kümmern.
Von diesem Schock müssen sich die Europäer schnell erholen. Schnell müssen sie jetzt ihren Plan für die Ukraine entwickeln und entscheiden, wie sie sich selbst militärisch am besten schützen können. Dabei geht es nicht nur um territoriale Sicherheit, sondern auch um die Verteidigung demokratischer Werte. Von der EU wird jetzt schnell eine Vision für so eine Verteidigung erwartet, behauptet De Standaard.
Klar wie Kloßbrühe
De Morgen berichtet: Frankreichs Präsident Macron versammelt heute führende europäische Politiker zu einem Gipfel in Paris, um über die neue Sicherheitslage in Europa zu sprechen. Das ist eine sehr gute Initiative. Von Paris sollte heute ein starkes Signal Richtung Washington kommen. Die europäischen Nato-Mitgliedsstaaten haben im Grunde genommen auch keine andere Wahl, als untereinander jetzt stärker zusammen zu arbeiten. Zum Beispiel mit neuer militärischer Unterstützung für die Ukraine oder der Stärkung von Truppen in östlichen Mitgliedsstaaten. Solche Truppen könnten dann auch in der Ukraine eingesetzt werden, um einen Frieden zu sichern – sollte er denn kommen, überlegt De Morgen.
Het Belang van Limburg stellt fest: Was sich Trump und sein Vize Vance in den vergangenen Tagen geleistet haben, ist natürlich unerhört. Fakt bleibt: Friedensverhandlungen für die Ukraine sind zum Greifen nah. So ein Friede ist von großer Bedeutung für Europa. Dass Macron heute daran arbeiten möchte, dass Europa mit einbezogen wird in die Friedensverhandlungen, ist deshalb sehr wichtig. Denn Friedensverhandlungen ohne Europa und die Ukraine werden zu nichts führen. Das ist klar wie Kloßbrühe, weiß Het Belang van Limburg.
Die Flamme muss weiter leuchten
Le Soir fragt: Haben sich die USA in einen Gegner von Europa verwandelt? Die USA als Ganzes noch nicht, aber Präsident Trump, sein Vize Vance und Elon Musk kann man mit Fug und Recht als Feinde Europas und der Demokratie bezeichnen. Denn sie begnügen sich nicht damit, die verfassungsmäßige Ordnung in den USA mit Füßen zu treten, sondern sie versuchen auch, andere Demokratien in der Welt zu schwächen. Schamlos verbreiten sie ihre extremen Ideologien in Hassreden gegen Einwanderer und die LGBTQ+ Gemeinschaft, schimpft Le Soir.
La Libre Belgique kommentiert: Man darf nicht naiv sein. Europa muss sich neu erfinden, seine Einwanderungspolitik ändern, seine Sicherheitspolitik verbessern und gegen Extremismus kämpfen. Hass darf sich aber auf keinen Fall verbreiten. Wir dürfen nicht zulassen, dass die mit Lügen gespickte Rhetorik von Vance, Musk, Trump und Co. auch Einzug in Europa hält. Sie untergräbt nämlich alle Werte, auf die sich Europa stützt. Die Flamme des Humanismus muss weiter leuchten im Herzen unseres Kontinents, unterstreicht La Libre Belgique.
Schüsse, Sozialarbeiter und milde Strafen
La Dernière Heure beobachtet zur erneuten Schießerei an der Brüsseler U-Bahn-Station Clemenceau: Trotz erhöhter Polizeipräsenz ist es am Samstagabend wieder zu einer Schießerei gekommen. Ein Mann ist tot. Diese neue Gewalttat stellt die Effizienz der Polizeipräsenz infrage. Zwar hat unser Innenminister bereits angekündigt, neue, noch stärkere Maßnahmen in die Wege zu leiten. Aber man darf daran zweifeln, dass noch mehr Polizisten neue Schussgefechte verhindern.
Es ist Zeit, sich einzugestehen, dass das Problem nicht nur durch Polizisten aus der Welt geschafft wird. Die Drogenkriminalität muss durch einen viel weiteren Ansatz angegangen werden. Neben Polizei müssen auch Sozialarbeiter daran beteiligt werden. Nur so kann die Gegend um die U-Bahn-Station wieder sicher gemacht werden, glaubt La Dernière Heure.
L'Avenir macht sich Gedanken zum Doping im Tennis und berichtet: Die Nummer eins des Herrentennis, der Italiener Jannik Sinner, ist jetzt wegen Dopings zu einer Sperre von drei Monaten verurteilt worden. Nur drei Monate, muss man betonen. Eine sehr milde Strafe. Aber es ist nicht das erste Mal, dass der Welttennisverband so gnädig ist. Vor einem Jahr war die Nummer eins des Damentennis, die Polin Iga Świątek, ebenfalls wegen Dopings für sage und schreibe einen Monat gesperrt worden, in dem gar kein Turnier stattfand. Zu Recht regen sich andere Spieler darüber auf. Für Radprofis fallen Dopingstrafen ungleich härter aus, erinnert L'Avenir.
Kay Wagner