Die Presseschau von Dienstag, dem 12. April 2022

Auch heute geht es in den Zeitungen wieder um die anstehende Stichwahl in Frankreich zwischen Präsident Macron und Herausforderin Le Pen: Macron wird sich anstrengen müssen. Weitere Themen sind die Schwierigkeiten einer akkuraten Kriegsberichtserstattung und die flämische Fernsehsendung "De Mol".

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (Bild: Pascal Rossignol/AFP)

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (Bild: Pascal Rossignol/AFP)

„Zweite Runde der Wahlen in Frankreich verspricht, knüppelhart zu werden“, notiert De Tijd auf Seite eins. „Macron muss einen Damm gegen rechts errichten“, titelt De Morgen. „Die Märkte halten den Atem an vor Runde zwei“, heißt es in der Schlagzeile von L’Echo. Bei den französischen Präsidentschaftswahlen stehen sich in der entscheidenden zweiten Runde Amtsinhaber Emmanuel Macron und die rechtsextreme Marine Le Pen gegenüber.

La Libre Belgique kommentiert: Ein Sieg von Le Pen ist nicht ausgeschlossen. Denn sie ist dort stark, wo Macron so schwach ist: Bei der Bindung zu den Bürgern. Macron gilt weiter als distanziert, rational, arrogant und technokratisch. Le Pen dagegen ist nahe dran an den Bürgern und ihren Sorgen. Geschickt hat sie aus der Kaufkraft den zentralen Punkt ihrer Kampagne gemacht. Wenn tatsächlich viele Wähler der traditionellen linken und bürgerlichen Rechten beim zweiten Wahlgang ihre Stimme nicht abgeben und Macron sich in den verbleibenden Tagen nicht vollständig seiner Kampagne widmet, wird es dunkel werden in unserem Nachbarland, befürchtet La Libre Belgique.

Macron muss jetzt Bürgernähe zeigen

De Standaard weiß: Sowohl Le Pen als auch Macron werden versuchen, die vielen Wähler des extrem-linken Jean-Luc Mélenchon für sich zu gewinnen. Le Pen wird versuchen, Macron als Produkt des Establishments darzustellen, der sich nicht um die Sorgen der kleinen Leute kümmert. Macron seinerseits wird an das republikanische Gewissen der Wähler appellieren und vor einer rechts-extremen und rassistischen Le Pen warnen. Die kommenden Tage werden für Macron viel Stress bedeuten. Aber der Qualität und Tiefe der politischen Debatte wird das gut tun, glaubt De Standaard.

L’Echo analysiert ähnlich und fügt hinzu: Um die Wähler von Mélenchon für sich zu gewinnen und grundsätzlich mehr Bürgernähe zu zeigen, muss Macron jetzt bei folgenden Themen überzeugen: Stärkung der Kaufkraft, besserer Zugang zur ärztlichen Versorgung, Reindustrialisierung, Energiesicherheit und Einwanderungspolitik. Hier zu punkten ist umso wichtiger, weil Marine Le Pen diesmal in der zweiten Runde stärker sein wird als noch vor fünf Jahren. Aus dem damaligen Duell gegen Macron in der zweiten Runde, das Le Pen deutlich verloren hat, hat sie gelernt, unterstreicht L’Echo.

Das GrenzEcho ist sich sicher: Es müsste mit dem Teufel zugehen, sollte Emmanuel Macron der Wiedereinzug für weitere fünf Jahre in den Elysée-Palast nicht gelingen. Denn „nur“ 30 Prozent der Wähler entschieden sich am Sonntag für einen Kandidaten der rechten Szene. Extrem links wählte fast jeder fünfte Franzose. Und dass die jetzt auf die andere Seite des politischen Spektrums wechseln, ist nahezu auszuschließen, betont das GrenzEcho.

„Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges“

Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine blickt Le Soir auf die Arbeit der Journalisten, die aus dem Kriegsgebiet berichten, und stellt fest: Mehr als je zuvor ist die einfache Nachricht über ein Geschehen Gegenstand des Kriegs geworden. Auch mit Nachrichten wird jetzt Krieg geführt. Seitdem die berühmt-berüchtigten „Fake-News“ gleichsam zum Allgemeingut geworden sind, wird die Berichterstattung aus Kriegsgebieten noch schwieriger. Die Journalisten vor Ort müssen sich immer fragen: Was ist wahr, was ist richtig und welche Information ist bewusst falsch, also manipuliert? Das unter den überdies gefährlichen Umständen des Kriegsgeschehens herauszufinden, ist die große Herausforderung für die Journalisten vor Ort. Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges, bedauert Le Soir.

Was uns eine flämische Reality-Show über Druck lehrt

In der flämischen Reality-Fernseh-Show „De Mol“ (deutsch: Der Maulwurf ) hat der als Saboteur eingeschleuste Mitspieler aufgegeben. Er habe den mentalen Stress nicht mehr ertragen und aus Angst, sich im Schlaf zu verplappern, nicht mehr geschlafen. Het Nieuwsblad meint: Der Fall ist bedeutend für unsere Gesellschaft. Denn über mentalen Stress und seine negativen Auswirkungen auf jeden einzelnen wird noch zu wenig gesprochen. Das gilt immer noch als Tabu. Dabei macht so etwas den Menschen kaputt. Das hat jetzt das Beispiel in der populären Reality-Show gezeigt. Der Maulwurf, der jetzt aufgegeben hat, sollte ein Vorbild für viele andere werden: Zum Beispiel für Mitarbeiter in Unternehmen und die vielen Selbständigen, die sich immer und jederzeit allen Aufgaben stellen, auch aus Angst vor den finanziellen Folgen, wenn sie Nein sagen. Das komplexe Problem der mentalen Überlastung sollte so schnell wie möglich auf gesellschaftlicher und politischer Ebene angegangen werden, fordert Het Nieuwsblad.

Het Laatste Nieuws hingegen schreibt: Die Meinung ist unpopulär geworden, aber Druck gehört zum Leben dazu. Wahres seelisches Wohlbefinden erreicht man nicht damit, indem man den Druck wegnimmt, sondern lernt, mit Druck umzugehen. Außerdem ist Druck relativ: Was der eine als Druck empfindet, ist für den anderen ganz normal. Es ist gut, seine Grenzen zu kennen und entsprechend zu reagieren. Und wichtig für mentales Wohlbefinden ist auch, sich nicht in eine Rolle drängen zu lassen, die einem nicht liegt, rät Het Laatste Nieuws.

Kay Wagner