Die Presseschau von Dienstag, dem 7. September 2021

Viele Titelseiten und einige Leitartikel stehen ganz im Zeichen der Nachrufe auf Jean-Paul Belmondo. Weitere Themen sind Molenbeek, kontroverse Aussagen von Bart De Wever sowie die von der Gewerkschaft CSC losgetretene Debatte unter anderem um Sozialbeiträge auf Studentenjobs.

Jean-Paul Belmondo (Archivbild)

Jean-Paul Belmondo ist im Alter von 88 Jahren gestorben (Archivbild: Herwig Vergult/BELGA)

„Der Großartige hat seinen letzten Atemzug getan“, titelt L’Avenir. „Ciao Bébel“, verabschiedet sich La Dernière Heure in Riesenbuchstaben vom gestern verstorbenen Jean-Paul Belmondo. „Eine französische Ikone“, würdigt Le Soir den 88-Jährigen.

Ikonen sollten einfach nicht sterben, trauert La Dernière Heure in ihrem Leitartikel. „Bébel“ hat ganze Generationen geprägt. Alle Welt kennt seine Filme, auch wenn seine größten Erfolge in den 1970ern und 80ern waren. Vom „As der Asse“ über „Le Magnifique – Ich bin der Größte!“ und „Der Profi“ bis hin zu „Der Puppenspieler“ waren seine Filme fester Bestandteil des sonntäglichen Familienabends, erinnert La Dernière Heure.

Auch L’Avenir gibt sich nostalgischen Erinnerungen hin: Ende der 1980er Jahre, sogar noch Anfang der 90er, war Bébel der Star des Pausenhofs. Er war der, dessen Szenen wir montags eifrig nachspielten. Belmondo – das war in unseren Köpfen ein As, ein Großartiger, ein Profi, ein Killer, ein Gauner und ein Stuntman. Er war unser James Bond, populär, vielleicht ein bisschen billiger und mehr Raufbold als Verführer, so L’Avenir.

Perspektiven statt Stigmatisierung

Le Soir nimmt den bevorstehenden Prozess um die Terroranschläge in Paris zum Anlass, sich mit Molenbeek zu beschäftigen. Dort, auf der anderen Seite des Kanals, schaudert man vor der Eröffnung des Bataclan- und Stade de France-Prozesses. Die Angeklagten haben nämlich vor allem zwei Dinge gemein: Ihre tödliche Faszination mit Syrien und ihre Verbindungen nach Molenbeek. Damals, nach den Anschlägen, war die ganze Welt erbarmungslos zu dieser Brüsseler Stadtgemeinde. Aber besonders in Belgien wurde mit dem Finger auf Molenbeek gezeigt und eine ganze Bevölkerung grausam abgestempelt. Wie soll man sich jemals von so etwas erholen? Dennoch haben sich manche Dinge verändert. Auch wenn es noch immer große soziale Probleme gibt, scheinen diese nicht mehr die Reihen der religiösen Fundamentalisten zu füllen. Syrien ist nicht mehr der Heilige Gral für einige, und andere, die es dort hingezogen hat, sind dort gestorben. Was aber weiter beunruhigt, das ist die Kriminalität, die mit dem Drogenhandel zu tun hat. Denn die sorgt dafür, dass Waffen und Geld in der Gemeinde zirkulieren. Die Stigmatisierung wird keine Lösung dieser Probleme bringen. Der einzige Ausweg, um aus Molenbeek einen besseren Ort zu machen, ist, der Jugend und den dort lebenden Familien bessere Perspektiven zu bieten, unterstreicht Le Soir.

Das flämische Geisel-Syndrom

Het Laatste Nieuws kommentiert Aussagen des N-VA-Chefs Bart De Wever. Der hatte gesagt, dass Flandern in puncto Corona-Schutzmaßregeln eine Geisel der föderalen Ebene sei. Eine Geisel? Das kann man vielleicht sagen, wenn das ganze Land nach nur einer Ansteckung dicht gemacht wird, wie in Neuseeland. Von einer Geiselnahme kann man auch sprechen, wenn man das Haus nicht mehr verlassen darf, wie in Vietnam. Solche drastischen Maßnahmen hat es in Belgien noch nicht mal während der ersten Corona-Welle gegeben. Die meisten Flamen erleben in ihrem täglichen Leben kaum noch Einschränkungen. De Wever hat es offenbar nicht so mit der Wahrheit – oder mit dem Gedächtnis. Denn seine Partei saß mit in jedem Konzertierungsausschuss. Sein Ministerpräsident, Jan Jambon, hat die letzten anderthalb Jahre daran geglaubt, dass wir nur zusammen gut aus der Krise kommen werden. Und das hat ziemlich gut geklappt, für ein so zersplittertes Land, stichelt Het Laatste Nieuws.

Die Uhr tickt

Für Kontroversen sorgt seit gestern ein Vorstoß der christlichen Gewerkschaft CSC. Deren Vorsitzender Marc Leemans hat die Einführung von Sozialbeiträgen, unter anderem für Studentenjobs, gefordert. Es gibt gute Gründe, mit den ganzen Schlupflöchern aufzuräumen, und wie Leemans für mehr Einfachheit, Transparenz und Harmonisierung einzutreten, räumt De Tijd ein. Es ist aber keinesfalls so, dass dadurch eine neue ergiebige Einkommensquelle für die soziale Sicherheit angebohrt werden könnte. Die Erhebung von Sozialbeiträgen auf bisher befreite oder teilweise befreite Arbeitsformen würde erstmal dazu führen, dass sie nicht weniger genutzt würden. Was die Einkünfte für die soziale Sicherheit weniger beeinflussen würde. Zweitens würde das die Arbeit unweigerlich teurer machen und damit der Wettbewerbsfähigkeit belgischer Firmen schaden. Drittens unterschlägt Leemans, dass es die Vergünstigungen und Ausnahmen nicht ohne Grund gibt. Mit ihnen soll Schwarzarbeit bekämpft werden, Betrieben die Möglichkeit gegeben werden, ihre Angestellten zu belohnen, ohne dass der Großteil davon von Steuern und Sozialausgaben aufgefressen wird. Es sind auch Anreize, um Jungunternehmer zu überzeugen, Menschen einzustellen, analysiert De Tijd.

Man muss Leemans zumindest zugutehalten, dass er versucht, eine Antwort zu finden auf die Risiken, gerade in neuen Jobs, wirft De Morgen ein. Wer zum System beiträgt, der kann auch auf seinen Schutz rechnen, so funktioniert das. Der Vorstoß verdient auf jeden Fall Besseres, als nur wieder das sehr vorhersehbare ideologische Hohngelächter, das schon wieder aus allen Ecken erklingt, ärgert sich De Morgen.

Die Debatte über, unter anderem, die Sozialbeiträge, bettet sich ein in den breiteren Kontext der heute beginnenden Konferenz über die Beschäftigungspolitik. Dabei wird es auch um das essenzielle Thema Beschäftigungsgrad gehen, hebt Het Nieuwsblad hervor. Also die einfachste Art und Weise, um das Sozialsystem bezahlbar zu halten. Der föderale Arbeitsminister Pierre-Yves Dermagne (PS) sagt, dass er vor allem zuhören will. Da können wir doch nur hoffen, dass er schon einen Plan hat, um das ehrgeizige Ziel eines Beschäftigungsgrads von 80 Prozent zu erreichen. Denn die Uhr tickt, mahnt Het Nieuwsblad.

Boris Schmidt