Die Presseschau von Dienstag, dem 26. Januar 2021

Das wichtigste Thema heute sind die drohenden Schulschließungen. Diese liegen offenbar als Option auf dem Tisch, um der Ausbreitung auch der neuen Corona-Varianten Einhalt zu gebieten. Das und die Einschränkungen des Lebens der Kinder und Jugendlichen allgemein werden in den Leitartikeln kommentiert.

In Dänemark sollen Schulen allmählich wieder öffnen

Illustrationsbild: Liselotte Sabroe/AFP

„Schulen im Visier von Politik und Experten“, titelt das GrenzEcho. „Druck, die Schulen wieder zu schließen, nimmt zu“, schreibt De Morgen. „Die britische Variante lässt die Schließung der Schulen befürchten“, so L’Echo auf Seite eins.

Es fühlt sich an wie eine Rückblende in die erste Welle, kommentiert Het Laatste Nieuws. Der Schul-Streit ist zurück. Und egal, wie schwer auch andere Sektoren leiden, eine Schließung der Schulen bleibt die schwierigste und delikateste Maßnahme, die in Corona-Zeiten ergriffen werden kann. Dabei sollte man vor allem eines nicht vergessen: Die Schule ist oft der letzte Zufluchtsort für junge Menschen, um anderen Problemen zu entkommen.

Deswegen sollten wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, die wir haben. Hart durchgreifen, sobald irgendwo neue Infektionsherde auftauchen. Und natürlich so viel wie möglich testen. Und alle technischen Innovationen und Hilfsmittel nutzen, die es gibt. Etwa präventive Speicheltests, CO2-Messgeräte für Innenräume oder eine breitere Mundmaskenpflicht. In dieser beispiellosen Pandemie darf es keine Tabus geben. Das gilt nicht nur für die Kinder in den Schulen, sondern für alle Bereiche.

Die Frage, ob die Schulen wieder geschlossen werden sollten, ist eine unbequeme, kann auch De Tijd nur feststellen. Ein Weg, sie zu beantworten, ist, nüchtern die Zahlen zu betrachten. Und die sagen: Es gibt keinen Grund zur Selbstzufriedenheit. Aber auch nicht für Panik. Außerdem sollte man den Preis bedenken. Neben Lernrückständen reden wir hier auch über sozio-ökonomische Kosten. Denn wenn die Kinder zu Hause bleiben müssen, dann müssen es auch ihre Eltern.

Kosten hätte eine allgemeine Schließung auch für die Motivation der Menschen, sich weiter an die Corona-Regeln zu halten. Berücksichtigt man all diese Aspekte, muss man feststellen, dass Panik ein schlechter Ratgeber ist und dass die Kosten drastischer Maßnahmen hoch sind. Deshalb gilt: Erst sollten die kleinen Schritte gemacht werden, die noch möglich sind: etwa eine Einschränkung außerschulischer Aktivitäten, Pflicht zu chirurgischen Mundschutzmasken oder auch eine Verlängerung der Karnevalsferien. Es gibt also noch einige Optionen, bevor die Schulen komplett zugemacht werden müssen.

Sündenbock oder Brandbeschleuniger?

Für L’Avenir müssen die Schulen jetzt als Sündenbock herhalten. Auch wenn die teilweise oder vollständige Schließung der Schulen fast schon wieder als unvermeidlich hingestellt wird, gibt es keine Beweise, dass dadurch die Ansteckungszahlen reduziert werden könnten. Neue Varianten hin oder her. Drei Wochen nach der Wiederaufnahme des Unterrichts sind die Corona-Zahlen in den Schulen nicht alarmierender als drei Wochen nach dem Schulbeginn im September. Und Kinder verbreiten das Virus noch immer weniger als Erwachsene. Wir sollten uns also nicht im Ziel vertun. Die Schulen zu schließen, das darf man nur als allerletzten Ausweg erwägen.

Die freie Bewegung der Kinder einzuschränken steht jetzt im Zentrum der Debatte, wie die dritte Corona-Welle noch einzudämmen ist, analysiert De Morgen. Kindern so lange wie möglich ein möglichst normales Leben in der Schule und darüber hinaus zu erlauben – das war nach dem ersten Lockdown zur Priorität gemacht worden. Ein nobles Anliegen, denn der gesellschaftliche Preis von Schulschließungen oder Bewegungseinschränkungen für Kinder ist hoch. Schulen und außerschulische Aktivitäten sind nicht der Brennstoff dieser Epidemie. Aber wenn es zu einem Infektionsherd kommt, können sie als Massenevents als Brandbeschleuniger wirken. Und das kann dann Freiheit und Gesundheit vieler Menschen gefährden.

In den Niederlanden und in Deutschland sind die Schulen schon zu und werden es noch Wochen bleiben, hebt Het Belang van Limburg hervor. Egal, wie gut gemeint das Offenhalten der Schulen um jeden Preis ist – an einem bestimmten Punkt ist eine kritische Grenze erreicht. In Großbritannien waren die Schulen die Kanarienvögel in den Kohlegruben, als die britische Variante sich auszubreiten begann. Wir können nicht mehr abstreiten, dass wir auch hierzulande ein Problem haben. Und wir sitzen noch immer auf einem erschreckend hohen Corona-Plateau. Der kleinste Funke kann die Zahlen wieder zur Explosion bringen.

Keine Zeit für halbe Maßnahmen

Während in Flandern auf regionaler Ebene weiter über Maßnahmen bei den außerschulischen Aktivitäten gestritten wird, schaffen einzelne Gemeinden schon Fakten, kritisiert Gazet van Antwerpen. Dabei ist jetzt wirklich nicht die Zeit für halbe Maßnahmen. Die Anzahl der Krankenhausaufnahmen steigt, Dutzende Schulen sind bereits geschlossen. Tausende Schüler und ihre Eltern sitzen zu Hause. Von den ohnehin immer noch geschlossenen Sektoren ganz zu schweigen. Zeit sollte man also gerade jetzt sicher nicht verlieren.

Natürlich sollte man alles tun, um eine Einschränkung der außerschulischen Aktivitäten zu verhindern. Aber Freizeit muss dem Unterricht untergeordnet werden und der Unterricht der Volksgesundheit. Wenn man alles andere probiert hat, ist es keine Schande, zuzugeben, dass es einfach nicht mehr möglich ist, die Schulen offen zu halten. Noch ist es nicht soweit. Aber es könnte schnell dazu kommen. Und dann können wir nur hoffen, dass die Entscheidungen resolut und mutig genommen werden.

Le Soir fasst den Blick weiter. Das Virus ist hartnäckig. Die Ausbreitung der Varianten belastet die Aussicht auf bessere Zeiten und droht, erneut das Leben Hunderttausender Schüler und ihrer Familien zu vergiften. Und die verschiedenen Gemeinschaften des Landes setzen einmal mehr auf unterschiedliche Strategien und Geschwindigkeiten. Dabei gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die Varianten dieses Mal vor der Sprachgrenze haltmachen werden. Man kann nur bedauern, dass es das Krisenmanagement nicht geschafft hat, die gemeinschaftspolitischen Trennlinien zu überwinden. Landesweit einheitliche Maßnahmen hätten zumindest zu weniger Verunsicherung bei den Eltern geführt.

Die vergessene Generation auf der Tagesordnung

Het Nieuwsblad kann der ganzen Debatte zumindest etwas Positives abgewinnen: Endlich steht die Jugend auf der Tagesordnung. Und es ist mehr als an der Zeit. Seit zehn Monaten leiden Kinder und Jugendliche am stärksten unter den Einschränkungen ihres Lebens. Und das, obwohl das Virus für sie ein nur kleines Risiko darstellt. Statt sie immer nur zu kritisieren sollte man auch endlich mal den Hut ziehen vor den Opfern dieser vergessenen Generation. Ja, es gab und gibt gute Gründe, dass die Impfstrategie auf die ältesten, auf die gefährdetsten Bevölkerungsgruppen ausgerichtet ist. Auf lange Sicht sind es aber das Wohlbefinden, die geistige und körperliche Gesundheit der jungen Generation, die unsere Zukunft nach Corona bestimmen werden.

SchB