Die Presseschau von Dienstag, dem 31. Dezember 2019

Es ist der letzte Tag des Jahres 2019 – was sich natürlich auch auf den Titelseiten und in den Leitartikeln widerspiegelt. Neben ihren Neujahrswünschen für die Leser blicken die Zeitungen außerdem sowohl zurück auf das ausklingende Jahr, als auch auf das, was das kommende bringen könnte oder sollte.

© Bildagentur PantherMedia / Gudrun Krebs

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„Wir wünschen Ihnen ein fantastisches Jahr 2020!“ – diese Schlagzeile von Gazet van Antwerpen steht stellvertretend für viele Neujahrswünsche auf den heutigen Titelseiten. Einige Zeitungen lassen aber auch noch einmal das ausklingende Jahr Revue passieren.

„Das hat Belgien 2019 bewegt“, titelt etwa das GrenzEcho. Die Wirtschaftszeitung L’Echo blickt zurück auf das Börsenjahr: „Es war das beste Jahr für den BEL20-Index seit der Finanzkrise“. Zurückzuführen ist dieser Höhenflug in erster Linie auf die guten Ergebnisse der Finanzbranche und der Biotech-Unternehmen.

L’Avenir zieht gleich eine Bilanz der letzten zehn Jahre. Und für die Zeitung gab es da vor allem ein prägendes Ereignis: den Klimawandel. „Zehn Jahre, in denen die Erde heißgelaufen ist“, schreibt das Blatt. Allein zwischen 2015 und 2019 lag die Durchschnittstemperatur um 1,1 Grad höher als in der Periode zwischen 1850 und 1900.

Neues Jahr, neue Regelungen

Die eine oder andere Zeitung blickt auch auf den heutigen Abend: „Der Verkauf von Feuerwerkskörpern ist eingebrochen“, so die Aufmachergeschichte von Gazet van Antwerpen. Der Umsatz mit Raketen und Knallkörpern ist stellenweise um bis zu ein Drittel zurückgegangen. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich. In vielen Gemeinden ist nämlich das Abbrennen von Feuerwerk verboten.

Die Schlagzeile von La Dernière Heure liest sich derweil wie eine gutgemeinte Warnung: „Wir werden überall sein!“, schreibt das Blatt. „Wir“, das ist die Polizei. Die Ordnungskräfte haben in allen Polizeizonen systematische Alkoholkontrollen angekündigt.

La Libre Belgique bringt einen „klassischen“ Artikel zu Sylvester: „Alles was sich zum 1. Januar ändert“, schreibt das Blatt. Und das ist diesmal ziemlich viel: Die Liste in La Libre umfasst vier Seiten. Het Nieuwsblad beschränkt sich auf „20 Dinge, die sich 2020 verändern“. Beispiele: Briefmarken und auch Bier werden teurer. Ab morgen dürfen Zigaretten zudem nur noch in einem „neutralen“ Päckchen verkauft werden. Sämtliche Logos oder Farben sind verboten – es gilt ein einheitliches Grün-braun.

„Hoffnung und Herausforderung“

Der Jahreswechsel steht auch im Mittelpunkt vieler Leitartikel. Oft gilt hier das Prinzip Hoffnung. Blickt man zurück auf 2019, dann kann einen vielleicht zunächst Pessimismus überkommen, meint Le Soir. Es gab viele düstere Bestätigungen. Die Populisten sind mehr denn je im Aufwind. Sie knabbern nicht mehr an unseren Demokratien, sie fressen sie. Wir sprechen nicht mehr nur über die die weit entfernten Trumps und Bolsonaros. Nein! Heute sind sie in Rom, Budapest, Warschau und in Flandern. Man kann aber genauso gut Hoffnungsschimmer ausmachen: zum Beispiel die Jugendlichen, die für das Klima auf die Straße gegangen sind. Einige europäische Politiker haben sich zudem dafür entschieden, positive Botschaften in den Mittelpunkt zu stellen. Die dunkle Seite der politischen beziehungsweise klimapolitischen Macht muss kein unausweichliches Schicksal sein.

„Hoffnung und Herausforderung“, so der Titel des Kommentars von La Libre Belgique. Die Zeitung bezieht sich vor allem auf die wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten zehn Jahre, insbesondere im Bereich der Medizin. Hier wurden unglaubliche Fortschritte gemacht. Und glaubt man den Experten, dann stehen wir sogar vor einer regelrechten Revolution. Am Vorabend des Jahres 2020 sollten wir aber sicherstellen, dass wirklich alle Bürger davon profitieren können.

Nachschenken und auf 2020 anstoßen!

„2020 wird das beste Jahr aller Zeiten!“, glaubt sogar Gazet van Antwerpen. Und das ist nicht ironisch gemeint. Zur Untermauerung einige Zahlen: Im vergangenen Jahr haben 325.000 Menschen weltweit zum ersten Mal Zugang zu Elektrizität bekommen, 200.000 zu fließendem Wasser. 1981 lebten von vier von zehn Menschen auf der Erde unter der Armutsgrenze, heute sind es weniger als zehn Prozent. Heute ist sehr vieles besser als früher. Und das gilt bestimmt für unser Ländchen, wo es uns alles in allem doch ziemlich gut geht. Natürlich heißt das nicht, dass alles gut ist. Nichtsdestotrotz darf man heute Abend auch ruhig einmal auf die Hoffnung anstoßen.

Mahnende Worte demgegenüber von L’Avenir: Unser Planet überhitzt. Nach dem Amazonasgebiet brennt jetzt Australien. Die Menschheit muss dringend das Problem angehen, um nicht ihren ganzen Lebensraum zu zerstören. Und doch zögert die Weltgemeinschaft. Vor einigen Tagen noch hat der Weltklimagipfel in Madrid nicht mehr als ein ernüchterndes Ergebnis zustande gebracht. 2020 muss endlich etwas passieren. Das gilt im Übrigen auch für Belgien. Nach einem Jahr ohne Föderalregierung brauchen wir jetzt einen Neuanfang.

Het Nieuwsblad sieht das ähnlich: Das gilt vor allem für das allgemeine politische Klima. Parteien und Politiker tun quasi alles, um auch noch den Letzten zu verprellen. Offensichtlich wurde die Botschaft der Wähler nicht verstanden. Sie haben die Streithähne abgestraft, wollten Sicherheit und Zukunftsperspektiven, Vertrauen in ihre politischen Verantwortungsträger. Stattdessen gehen die politischen Spielchen und Zankereien weiter. 2020 wird wieder viel passieren. Aber das allererste sollte eine Verbesserung des politischen Klimas sein.

Het Laatste Nieuws hat einen langen Wunschzettel für 2020. Wir hätten gerne für alle Parteien: Pflichtbewusstsein. Für die flämischen Rechtsparteien: mehr Sinn für Selbstkritik. Für die Grünen und Linken: weniger moralisches Überlegenheitsgefühl. Für alle, die es besser wissen: Zweifel. Für alle, die zweifeln: ein bisschen mehr Sicherheit. Für alle, die urteilen: Milde. Für alle, die ausgebrannt sind: neues Feuer. Für alle, denen kalt ist: jede Woche die wärmste. Für alle, die pessimistisch sind: ein halbvolles Glas. Und wenn es heute Abend halbleer ist: nicht vergessen, nachzuschenken und auf 2020 anzustoßen.

Roger Pint