Die Presseschau von Montag, dem 11. Februar 2019

Viele Zeitungen blicken auf den für Mittwoch angekündigten Streik. In diesem Zusammenhang geht es natürlich unter anderem um die Rolle der Gewerkschaften. Auch die flämischen Christdemokraten bleiben Thema. Außerdem: die Jäger, die Kindergeldprobleme in der Wallonie, Gewalt von Fußballfans und die Gelbwesten.

Wegen Streiks heute geschlossen - Illustrationsbild

Bild: BRF

„Nichts soll mehr gehen“, titelt Gazet van Antwerpen. „Kris Peeters ruft Gewerkschaften und Arbeitgeber zurück an den Verhandlungstisch“, so die Schlagzeile von Le Soir. Gleich mehrere Zeitungen werfen einen Blick auf den für Mittwoch angekündigten Streik. Landesweit haben die Gewerkschaften zur Arbeitsniederlegung aufgerufen. Außer dem Privatsektor sollen auch die Beamten am Streik teilnehmen.

Dazu kommentiert Het Laatste Nieuws: Die Arbeitgeber und die rechten Parteien beklagen, dass der Streik ein politischer sei. Natürlich ist er das. Die Gewerkschaften haben die Maßnahmen der Schwedischen Koalition im Visier. Als Koalition des „sozialen Horrors“ hat sie der Chef der christlichen Gewerkschaft bezeichnet. Das Ziel der Arbeitnehmervertretungen ist, bei den Wahlen im Mai eine linke Koalition in den Sattel zu heben, damit dann viele sozialpolitische Maßnahmen der aktuellen Regierung wieder rückgängig gemacht werden. Zum Beispiel: Das Renteneintrittsalter wieder auf 65 Jahre zu senken. Gut möglich, dass die Gewerkschaften ihr Ziel erreichen. Der Protest der Gelbwesten und auch die Klimademonstrationen zeigen, dass linke Positionen gerade in sind, bemerkt Het Laatste Nieuws.

Het Nieuwsblad beschäftigt sich mit den flämischen Christdemokraten und führt aus: Parteichef Wouter Beke ist offensichtlich dabei, seiner Partei Profil verleihen zu wollen. Am Wochenende teilte er wieder aus: Der Klimaprotest? Den habe bewusst die extreme Linke auf die Agenda gesetzt. Einwanderungspolitik? Da schüre die extreme Rechte gezielt Ängste bei der Bevölkerung. Doch Extreme – das wisse ja jeder – seien nicht gut. Die Lösung: eine Partei der Mitte wie die CD&V. Dabei vergisst Beke, dass er mit seinen Äußerungen genau das tut, was er kritisiert: nämlich polarisieren, findet Het Nieuwsblad.

Het Belang van Limburg meint: Wouter Beke hat es nicht leicht, die verschiedenen Flügel in seiner Partei unter einen Hut zu bekommen. Die Klimadebatte verdeutlicht das ziemlich gut. Natürlich gibt es bei der CD&V die traditionellen Wähler aus der ländlichen Bevölkerung. Sie folgen nur allzu gerne der Komplotttheorie, die die mittlerweile ja zurückgetretene CD&V-Ministerin Joke Schauvliege in die Welt gesetzt hatte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch den linken Flügel mit vielen jungen Menschen, die in Städten wohnen und eine bessere Klimapolitik durchaus wünschen. Wenn Beke es nicht schafft, diese Flügel miteinander zu versöhnen, könnte es gut sein, dass die CD&V viele Wähler verliert – sowohl am linken, als auch am rechten Rand, prophezeit Het Belang van Limburg.

Jäger und Kindergeld

L’Avenir macht sich Gedanken zu den Jägern und führt aus: Jäger stehen traditionell ja in der Kritik von vielen. Und das allein schon durch die Tatsache, dass sie quasi als Freizeitbeschäftigung Tiere töten. Dabei verkennen die Kritiker, dass Jäger in den Wäldern der Wallonie durchaus eine wichtige Funktion einnehmen: Sie regulieren den Wildbestand – und gerade bei den Wildschweinen ist das nötig. Denn Wildschweine haben viele ihrer natürlichen Feinde durch das Artensterben verloren. Der Ausbruch der Schweinepest könnte ein guter Anlass sein, um grundsätzlich über das Thema Jagd zu sprechen. Um sie künftig sinnvoll und akzeptabel zu gestalten und damit sowohl negative Auswüchse zu verhindern, als auch Kritiker zu beruhigen, schlägt L’Avenir vor.

Le Soir schreibt zur Kindergeldauszahlung in der Wallonie: Das Kindergeld ist ein gutes Beispiel dafür, vor welche Probleme die Regionen gestellt werden, wenn bislang föderale Kompetenzen regionalisiert werden. Der Übergang ist oft nicht einfach und dass es da am Anfang mal hakt, ist mehr als normal. Im Fall der Kindergeldzahlungen ist das allerdings fatal. Denn gerade bei den Menschen, die auf dieses Geld angewiesen sind, schwächen Probleme das sowieso schon geringe Vertrauen in den Staat noch mehr. Deshalb sollte sich die Wallonie damit beeilen, die Kindergeldauszahlungen so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen, mahnt Le Soir.

Unerhörte Gewalt

Am Samstagabend hatten Fans des Fußballvereins Standard Lüttich in Halle südlich von Brüssel Fans des RSC Anderlecht angegriffen. Als Rettungskräfte den Verletzten helfen wollten, wurden sie von den Lüttich-Fans daran gehindert. Dazu meint La Libre Belgique: Diese Gewalt – gerade gegen die Rettungskräfte – ist unerhört. Allerdings ist sie auch nicht neu. Immer häufiger beklagen Rettungskräfte Gewalt gegen sie. Das sagt auch viel über den Zustand unserer Demokratie aus: Gerade viele junge Menschen haben keinen Respekt mehr vor öffentlichen Autoritäten. Sie fühlen sich verloren in einer Gesellschaft ohne Perspektiven für sie. Oft haben sie Idole aus der Sport- und Musikwelt. Diese Idole tragen eine große Verantwortung. Sie könnten viel dafür tun, den Respekt für die öffentliche Ordnung wiederherzustellen, glaubt La Libre Belgique.

Einfach mal mehr Monate „ohne“

La Dernière Heure kommentiert zum Protest der Gelbwesten: Der Protest richtet sich ja gegen die zu hohen Lebenshaltungskosten. Da hätten wir eine Lösung: einfach mal die verschiedenen „Ohne“-Kampagnen mitzumachen. Zum Beispiel den Monat ohne Alkohol, wie gerade im Januar. Einen Monat ohne Mineralwasser. Einen Monat ohne Zucker. Einen Monat ohne Koffein. Und so weiter. Da würde man mächtig viel Geld sparen – und gleichzeitig den Initiatoren dieser „Ohne“-Kampagnen die Freude machen, sich das Leben von außen aufdiktieren zu lassen, ätzt sarkastisch La Dernière Heure.

Kay Wagner

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