Die Presseschau von Dienstag, dem 13. März 2018

Der Fleischskandal bei Veviba ist am Dienstag das Thema der Schlagzeilen und Kommentare fast aller Zeitungen. Offenbar wurde unter anderem zwölf Jahre altes Gammelfleisch verkauft. Die Afsca gerät nun immer weiter ins Fadenkreuz, der Skandal erinnert an die Patzer in der Fipronil-Krise.

Veviba-Schlachthof in Bastogne

Bild: Koen Blanckaert/Belga

„Afsca auf der Anklagebank“, titelt La Libre Belgique. „Nahrungsmittelagentur wegen Fleischskandal unter Beschuss“, heißt es bei Het Belang van Limburg auf Seite eins. „Zwölf Jahre altes Fleisch verkauft – Afsca unternahm anderthalb Jahre nichts“, so die Schlagzeile bei Het Laatste Nieuws.

Wenige Tage nach der Aufdeckung des Fleischskandals beim Schlachtbetrieb Veviba in Bastogne, steht die Föderalagentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette, Afsca, in der Kritik. Dazu meint Het Belang van Limburg: Schon die Fipronil-Krise im vergangenen Jahr legte die zögerliche und schwache Kommunikation der Afsca offen. Jetzt stehen erneut große Fragezeichen hinter der Rolle und der Arbeitsweise der Agentur. Deren Chef Herman Diricks verteidigt seine Agentur. Und verwies auf die auferlegten Sparmaßnahmen und, dass solche Mafia-Praktiken nur mit Sondereinheiten bekämpft werden könnten.

Doch die wichtigen Fragen bleiben unbeantwortet, so die Zeitung. Wie ist es in Gottes Namen möglich, dass es anderthalb Jahre dauert: Von den ersten Hinweisen im September 2016 bis zur Hausdurchsuchung im Februar 2018. Wie kann es sein, dass solch ein Problem im Kosovo festgestellt wird, und nicht in Belgien? Die von Landwirtschaftsminister Denis Ducarme angekündigte Untersuchung muss darauf Antworten geben, fordert Het Belang van Limburg.

Der Skandal stinkt zum Himmel

Dieses Dossier stinkt, meint La Libre Belgique. Es riecht nach Schwindel, Absprache und Profit-Gier. Es stinkt nach allem, was die Bürger ablehnen: Ekelfraß, fehlende Transparenz und Respektlosigkeit. Diese Affäre zeigt eine unglaubliche Reihe von Versäumnissen. Die Rolle der Afsca wirft Fragen auf. Wenn es darum geht, den Reisfladen anzuprangern, der laut traditionellem Rezept an der frischen Luft abkühlen muss, ist die Afsca schnell zur Stelle. Den Skandal, der sich vor ihren Augen in Bastogne entwickelte, sahen sie nicht. Und trotzdem versuchen die Verantwortlichen uns weis zu machen, dass alles in Ordnung ist, meint La Libre Belgique.

Natürlich ist es ein Dilemma, meint dazu De Morgen. Jeder noch so kleine Zwischenfall, in Sachen Lebensmittelsicherheit, kann riesige Auswirkungen auf den ganzen Sektor haben. Vom Produzenten über den Verarbeiter bis hin zum Händler. Selbstverständlich muss die Afsca unnötige Panik und Schaden vermeiden. Aber, ihre wichtigste Rolle ist ihre eigene Glaubwürdigkeit. Die bekommt sie nicht, wenn sie den Eindruck erweckt, den Ernst und die Dringlichkeit des Problems zu gering einzuschätzen. Die Afsca muss über allem stehen. Mit einer souveränen Kommunikation muss sie für Ruhe sorgen. Tut sie das nicht, bricht die ganze Kette zusammen, laufen die Kosten aus dem Ruder und Lebensmittel müssen auf unverantwortliche Weise vernichtet werden, um das Vertrauen wiederherzustellen. Eine Nahrungsmittelagentur, die ihre Aufgabe nicht erfüllt ist sinnlos, meint De Standaard.

Die Afsca – ein Sündenbock?

Het Laatste Nieuws glaubt, bei der Lebensmittelsicherheit geht es, genauso wie bei der Rente, um Vertrauen. Vertrauen, dass der Staat dafür sorgt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Doch dieses Vertrauen aufzubauen dauert lange. Es zu verlieren geht sehr schnell. Es wäre keine schlechte Idee, die Afsca wieder dem Ministerium für Volksgesundheit zu unterstellen, anstatt der Landwirtschaft. Dann gäbe es auch keine Diskussionen mehr darüber, ob dem Staat die Agrarindustrie mehr wert ist, als die Sicherheit der Lebensmittel, meint Het Laatste Nieuws.

Het Nieuwsblad nimmt den föderalen Landwirtschaftsminister Denis Ducarme in die Pflicht. In der Kammer-Kommission hatte er am Montag gesagt, dass er schon seit Amtsantritt Hinweise bekommen hatte, dass bei der Afsca etwas schieflief. Auch der Rechnungshof hatte nach der Eier-Krise eine Reform der Afsca gefordert. Der zuständige Minister und die Regierung taten trotz all dieser Warnsignale nichts. Erst nachdem Delhaize und Colruyt Veviba medienwirksam vor die Tür gesetzt haben, ist die Zeit zum Handeln gekommen.

Die Sicherheit der Bürger schützen, ist mehr als schwer bewaffnete Polizisten und Soldaten auf den Straßen. Lebensmittelsicherheit ist weniger spektakulär. Niemand sieht die Männer und Frauen, die Legebatterien und Schweineställe kontrollieren. Nach den Sparmaßnahmen stehen der Afsca nur noch 15 Kontrolleure zur Verfügung. Und das bei 140 Schlachthäusern. Und diese im Auge zu behalten, ist nicht das Einzige was sie tun müssen. Für Het Nieuwsblad sieht das Ganze danach aus, als habe man einen Sündenbock gefunden.

Chronische Krankheit Belgiens

L’Echo kommt zu dem Schluss, es ist die chronische Krankheit, an der dieses Land leidet. Das „ich wasche meine Hände in Unschuld und wälze die Verantwortung auf Andere ab“-Syndrom. Es wird Zeit damit aufzuhören und die unfähigen Verantwortlichen, die mit unserer Gesundheit spielen, vor die Tür zu setzen. Während wir auf eine drastische und tiefgehende Reform der Afsca warten, können wir uns nur wünschen, dass Justiz, Sozial- und Finanzinspektion genauso viel Eifer und Fleiß zeigen, die Lebensmittel-Betrüger zu verfolgen, wie bei Selbstständigen und kleineren und mittleren Unternehmen. Das wäre ein beachtliches und symbolisches Signal, meint L’Echo.

Volker Krings

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