Die Presseschau von Donnerstag, dem 11. Januar

Die Zeitungen blicken auf den Brüsseler Autosalon, der heute vom König offiziell eröffnet wird. Außerdem kommentieren sie den Misstrauensantrag gegen Theo Francken, neue Äußerungen von Bart De Wever, die Situation am Arbeitsmarkt, "Fake-News"-Vorwürfe einer Ministerin und die französische Reaktion auf #MeToo.

Der Audistand auf der Brüsseler Automesse

Der Audistand auf der Brüsseler Automesse (Foto: Dirk Waem/belga)

„Soll man ein Auto noch kaufen oder doch lieber leihen?“, fragt L’Avenir in seinem Aufmacher. „Hostessen nicht mehr sinnlich, sondern vornehm“, schreibt De Morgen auf Seite eins. Und La Libre Belgique notiert auf ihrer Titelseite: „Luxus und SUV – die Stars der Automesse“.

Der Brüsseler Autosalon 2018 wird heute offiziell eröffnet. Morgen kann das große Publikum die Neuheiten bestaunen. Gestern durften schon Journalisten einen Blick auf das Angebot werfen.

Dazu kommentiert L’Echo: Es ist unübersehbar: Das Elektroauto steht in den Startlöchern. Nicht nur, dass gestern im Audi-Werk von Forêt mit der Produktion des neuen E-Audis begonnen wurde. Auch der Eindruck auf der Automesse lässt an eine elektrische Zukunft des Autos denken. Der größte Aussteller, der Volkswagen-Importeur D’Ieteren sagt: 2025 wollen wir 35 bis 40 Prozent E-Fahrzeuge verkaufen. Und D’Ieteren sagt auch: Wir verlangen keine Subventionen, wir verlangen Klarheit. Das ist ein deutliches Signal an die Politik. Sie muss jetzt handeln, fordert L’Echo.

N-VA reagiert wie beim Judo

De Morgen schaut in die Kammer und schreibt: Heute wird der Misstrauensantrag der Opposition gegen Asylstaatssekretär Theo Francken scheitern. Damit wird die N-VA zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit einen doch vielversprechenden Angriff auf Parteigrößen abgewehrt haben. Beide Angriffe schienen gerechtfertigt. Der erste zielte auf Bart De Wever, der bei der Geburtstagsfeier eines einflussreichen Bauunternehmers in Antwerpen gesichtet worden war. Der zweite Angriff galt Theo Francken, der gleich mehrere Faux-Pas beim Dossier der Flüchtlinge aus dem Sudan begangen hat. Beide Angriffe hat die N-VA perfekt pariert und zu ihrem Vorteil gewendet. Das ist genauso wie beim Judo: Führt man einen Angriff halbherzig aus, liegt man selbst ganz schnell am Boden, analysiert De Morgen.

Zu Bart De Wever kommentiert La Dernière Heure: Dem N-VA-Chef haben die Ferien sichtlich gutgetan. Er scheint Kraft getankt zu haben und muss sie jetzt loswerden. Quasi aus dem Nichts sorgt er mit provokanten Äußerungen für Unruhe in der Regierungskoalition. Gestern wieder durch die Ankündigung, die Frühverrentung zu streichen und die Zeit der Arbeitslosigkeit zu begrenzen. Nicht alle Koalitionspartner liegen da auf einer Linie mit der N-VA. Neuer Streit ist also vorprogrammiert. Wenn keiner Bart De Wever stoppt, wird das bis zu den Föderalwahlen 2019 so weitergehen. Und dass ihn jemand stoppt, ist unwahrscheinlich, glaubt La Dernière Heure.

Fantasie für die Gestaltung der Zukunft

Het Laatste Nieuws meint zum Vorstoß von Bart De Wever: Die Vorschläge des N-VA-Chefs sind verständlich. Noch nie gab es so viele unbesetzte Stellen bei uns. Die Anreize zu arbeiten sind immer noch zu niedrig. Die Zahl der Frührentner ist viel zu hoch. Ob das Jahr 2018 wirtschaftlich erfolgreich wird, ein Grand-Cru, wie einige prophezeien, wird auch davon abhängen, wie wir unseren Arbeitsmarkt besser gestalten, so Het Laatste Nieuws.

Auch De Standaard findet: Die Zeit für Reformen am Arbeitsmarkt ist jetzt. Denn die aktuelle Situation zeigt die Versäumnisse der vergangenen Jahre. Eine Reform ist notwendig, aber sie wird natürlich nicht sofort greifen. Sie muss vor allem als Investition in die Zukunft gesehen werden. Und die Reformen, wie immer sie auch aussehen mögen, müssen auch dann weitergehen, wenn es der Wirtschaft mal wieder schlechter gehen sollte. Um gut gewappnet zu sein – besser als heute – wenn dann wieder der nächste Aufschwung kommt, notiert De Standaard.

Auch Het Nieuwsblad findet: Der Arbeitsmarkt in seiner heutigen Form bremst uns bei unserem Weg in die Zukunft. Er muss neugestaltet werden. Dabei ist viel Fantasie von allen Seiten nötig. Länger arbeiten scheint unausweichlich, aber das heißt nicht, dass wir grundsätzlich mehr Stunden arbeiten müssen. Die Art zu arbeiten muss sich den Gegebenheiten unserer modernen Gesellschaft anpassen. Und im besten Falle auch schon berücksichtigen, dass in zehn, 20 Jahren neue Technologien ganze Heerscharen von arbeitenden Menschen überflüssig machen, gibt Het Nieuwsblad zu bedenken.

Von „Fake“-Politik, Frauen und Männern

L’Avenir beschäftigt sich mit der wallonischen Sozialministerin Alda Greoli. Sie hatte gestern Presseberichte über eine negative Einschätzung der Kindergeldreform durch den Staatsrat als „Fake-News“ bezeichnet. L’Avenir schreibt: Es kann sein, dass Alda Greoli nicht ganz verstanden hat, was „Fake-News“ bedeutet. Es kann aber auch sein, dass sie es sehr wohl weiß und den Begriff absichtlich benutzt hat. Und das wäre dann schon bedenklich. Damit würde sie zur „Trumpisierung“ der Politik beitragen. Diese „Trumpisierung“ qualifiziert jede Meldung, die unangenehm ist, zur alternativen Wahrheit. Politik wird dadurch quasi zur „Fake“-Politik, schlussfolgert L’Avenir.

Zum französischen Widerstand zur #MeToo-Bewegung meint La Libre Belgique: Es ist richtig, dass vor den Exzessen der #MeToo-Bewegung gewarnt wird. Denn wenn Männern jegliches flirten mit Frauen als Missbrauch ausgelegt werden kann, wird das zu Frust führen. Auch bei den Frauen. Kein Mann wird sich mehr trauen, ihnen zu sagen, dass sie schön und begehrenswert sind. Die Frau ist die Zukunft des Mannes. Aber der Mann ist auch die Zukunft der Frau, schließt La Libre Belgique.

Kay Wagner

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