Die Presseschau von Donnerstag, dem 2. November 2017

Der jüngste Anschlag in New York ist wegen des Feiertags erst am Donnerstag das große Thema in den Zeitungen. Neue, möglicherweise wichtige Entwicklungen auch zur Killerbande von Brabant. Und schließlich gibt es natürlich noch das "Problem Puigdemont", das Belgien wegen der N-VA innenpolitisch nicht zur Ruhe kommen lässt.

Terroranschlag in Manhattan

Terroranschlag in Manhattan (Bild: Don Emmert/AFP)

„Terrorfahrt in Manhattan“, titeln Gazet van Antwerpen und De Standaard. „Der Terror ist zurück in New York“, schreibt Het Belang van Limburg auf Seite eins. „Das Attentat trifft vier Belgier“, so die Schlagzeile von La Libre Belgique.

Die Zeitungen können feiertagsbedingt erst am Donnerstag auf den Anschlag in New York vom vergangenen Dienstag eingehen. Der mutmaßliche Täter, ein 29-jähriger Usbeke, war mit einem Lieferwagen auf einen Fahrradweg gefahren und hatte dort systematisch Radler buchstäblich umgemäht. Die traurige Bilanz: acht Tote. Es ist der schlimmste Anschlag in New York seit dem 11. September 2001.

Unter den Opfern sind auch Belgier. Auf fast allen Titelseiten prangt das Foto der 31-jährigen Ann-Laure Decadt, die am Dienstag ihr Leben verlor. Die junge Frau aus Westflandern hatte gerade ihr zweites Kind bekommen und war mit ihren Eltern für ein paar Tage nach New York gereist. Drei weitere Belgier wurden schwer verletzt. „Vier Belgier umgefahren“, so resümiert es denn auch La Dernière Heure. „Der Terror in New York trifft Flandern schwer“, so die Schlagzeile von Het Laatste Nieuws.

Der mutmaßliche Täter hat überlebt. „Er ist stolz auf seine Tat“, zitiert Het Laatste Nieuws aus den ersten Aussagen des Verdächtigen. In jedem Fall war der Anschlag „akribisch vorbereitet“, wie Le Soir hervorhebt. Der Mann soll seine Tat monatelang geplant haben. „Und er wählte bewusst einen Ort nicht weit von Ground Zero“, unterstreicht Het Nieuwsblad auf seiner Titelseite.

Trump nutzt Anschlag sofort wieder für politische Spielchen

„Der Terrorismus ist uns wieder schauerlich nahe gekommen“, bemerkt De Standaard in seinem Leitartikel. Im vorliegenden Fall schafft die Identität der toten Ann-Laure diese unheimliche Nähe. Allen voran die geschockten Angehörigen und Freunde der 31-Jährigen bekamen dann aber gleich wieder politische Spielchen aus Washington geboten: US-Präsident Donald Trump kündigte an, die sogenannte „Green Card-Lotterie“ abzuschaffen, über die der Verdächtige in die USA einreisen durfte. Die Frage, warum sich der Mann in den Vereinigten Staaten radikalisierte, die wird dadurch nicht beantwortet.

Anschläge wie jetzt wieder der in New York führen uns eigentlich unsere eigene Ohnmacht vor Augen, glaubt Le Soir. Diese Form des Low Cost-Terrorismus‘ ist nur schwer zu verhindern. Mit seiner Reaktion hat US-Präsident Donald Trump aber dann gleich in die unterste Stunde gegriffen. Die Abschaffung der Green Card-Lotterie wird kein Problem lösen.

Die Lösung für komplexe Probleme passt nun mal nicht in eine Twitter-Botschaft, frotzelt Het Nieuwsblad. Es mag immer mal wieder einen vermeintlichen „roten Faden“ geben. Bemerkenswert ist etwa tatsächlich, dass zum Beispiel bei den Anschlägen in Stockholm oder Manchester die mutmaßlichen Täter ebenfalls aus Usbekistan stammten. Wenn uns aber die letzten Jahre eins gelehrt haben, dann, dass es eben kein typisches Phantombild eines islamistischen Terroristen gibt. Jetzt, wie Donald Trump, mit dem großen Netz fischen zu wollen, indem man etwa Einreisebeschränkungen verhängt, ist nicht zielführend. Vielmehr muss man in die Bekämpfung der Radikalisierung investieren.

Was Trump macht, ist jedenfalls kontraproduktiv, glaubt auch L’Avenir. Indem der US-Präsident de facto ganze Volksgruppen oder Mitglieder einer Religionsgemeinschaft stigmatisiert, wird er nur dafür sorgen, dass sich noch mehr Leute dem Dschihad zuwenden.

„Goldener Tipp“ oder Wichtigmacherei?

De Morgen und Het Laatste Nieuws bringen am Donnerstag derweil Neues im Zusammenhang mit den Ermittlungen über die Killerbande von Brabant. Am Anfang steht eine Aussage des bekannten Rechtsanwalts Jef Vermassen, der einige Angehörige der Opfer der Bande vertritt. Vermassen hatte im Fernsehsender VTM erklärt, dass es einen neuen, möglicherweise entscheidenden Hinweis gebe.

„Ist es ein ‚goldener Tipp‘?“, fragt sich skeptisch L’Avenir. De Morgen und Het Laatste Nieuws glauben jedenfalls zu wissen, worum es geht: Demnach beschuldigt ein früherer Gendarm einige seiner damaligen Vorgesetzten, von der bevorstehenden Attacke auf den Delhaize-Supermarkt von Aalst am 9. November 1985 gewusst zu haben. De Morgen stellt denn auch die bange Frage auf Seite eins: „War der Anschlag von Aalst ein Inside-Job der Gendarmerie?“

In ihrem Leitartikel übt die Zeitung aber deutliche Kritik an Anwalt Jef Vermassen: Von einem „goldenen Tipp“, von „möglicherweise neuen, bahnbrechenden Hinweisen“ zu sprechen, ist nicht ungefährlich. Nicht nur, dass hier hohe Erwartungen geweckt werden, mögliche Verdächtige werden dadurch zugleich gewarnt. Solche Erklärungen können den Ermittlungen erfahrungsgemäß mehr schaden als nutzen. Vermassen hätte sich an das Sprichwort erinnern sollen, das da lautet: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Das Hecheln des Hündchens vor dem Bällchen

Viele Zeitungen schließlich beleuchten die Flucht des abgesetzten katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont. Der hält sich nach wie vor in Brüssel auf. „Ein Exil aus Sicherheitsgründen“, so formuliert es L’Echo. Puigdemont droht nämlich in Spanien eine Anklage unter anderem wegen Rebellion. „Das Problem Puigdemont ist für Belgien noch nicht gelöst“, orakelt Gazet van Antwerpen. Für Le Soir bringt der Katalane sogar die Föderalregierung in Gefahr. Hintergrund ist natürlich, dass die N-VA große Sympathien für die katalanische Sache hegt.

Damit macht die größte Regierungspartei die Lage für Premier Michel nur noch komplizierter, glaubt Gazet van Antwerpen. Der N-VA-Staatssekretär Theo Francken, der Carles Puigdemont indirekt nach Brüssel eingeladen hatte, hätte besser geschwiegen, findet Het Belang van Limburg. Die N-VA macht das, was sie in Bezug auf die Türkei ablehnt, nämlich einen ausländischen Konflikt importieren, kritisiert Het Laatste Nieuws. L’Echo schließlich mahnt zur Vorsicht: Das etwas kindische Hecheln des N-VA-Hündchens vor dem katalanischen Bällchen ist keine Regierungskrise wert.

Roger Pint

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