Die Presseschau von Montag, dem 23. Oktober 2017

Die flämischen Zeitungen widmen sich ausschließlich den neuen Erkenntnissen im Fall der Killerbande von Brabant, der "Riese" scheint tatsächlich aus Gendarmerie-Kreisen zu stammen. In der frankophonen Presse stehen die Katalonien-Krise und ihre Folgen für Europa weiter im Vordergrund.

Am 27. September 1987 überfiel die Killerbande von Brabant den Delhaize-Supermarkt von Overijse

Am 27. September 1987 überfiel die Killerbande von Brabant den Delhaize-Supermarkt von Overijse

Die neuesten Entwicklungen im Fall der Killerbande von Brabant sind heute Thema Nummer eins bei allen flämischen Tageszeitungen. Am Wochenende war bekannt geworden, dass ein ehemaliger Gendarm und Mitglied der Eliteeinheit „Diane“ der sogenannte „Riese“ der Killerbande sein könnte.

Christiaan B. verstarb 2015, kurz nachdem er seinem Bruder gestanden hatte, Mitglied der Killerbande gewesen zu sein. Die hatte in den 1980er Jahren mehrere bewaffnete Überfälle verübt. 28 Menschen kamen dabei ums Leben. Dazu meint De Standaard: Dass einer der Täter in Gendarmerie-Kreisen gefunden werden konnte, ist nicht erstaunlich. Es ist seit drei Jahrzehnten eine bekannte und dokumentierte Hypothese. Was diesen wahrscheinlichen Durchbruch in der Akte ausmacht, ist die Rückkehr einer ganzen Reihe von Fragen über die geführten Ermittlungen.

Christiaan B. – kein Unbekannter?

Wie ist es möglich, dass dieser mutmaßliche Täter mit seinem Äußeren und seinem Profil nicht früher identifiziert werden konnte? Auch umstrittene Entscheidungen, wie zum Beispiel der Wechsel des umfangreichen Dossiers von Dendermonde nach Charleroi, rücken wieder in den Vordergrund. Das Komplott muss sich nicht nur sehr tief in das System eingenistet haben, es muss auch heute, 35 Jahre danach, immer noch einen heimlichen Einfluss ausüben. So scheint es jedenfalls, denn die einzige alternative Erklärung wäre eine unwahrscheinliche Reihe von Zufällen, Fehlern, Schlampereien und Gegensätzen. Wie glaubwürdig ist das denn wohl?, fragt sich De Standaard.

Gazet van Antwerpen kommentiert: Für die Außenwelt ist die Identität des Mannes etwas Neues. Für die Eingeweihten etwas weniger, so scheint es. Schon 1999 tauchte der Name Christiaan B. in der Akte auf, und es soll Elemente gegeben haben, die eine gründliche Untersuchung gerechtfertigt hätten. Dass nie etwas passiert ist, ist zumindest merkwürdig. Darf die Wahrheit über die Brabanter Killerbande nicht ans Licht kommen, wie manche behaupten, oder gab es grobe Ermittlungsfehler? Das ist eine Frage, auf die erstmal niemand eine Antwort hat. Die aber beantwortet werden muss.

Dämonen der Vergangenheit

Mit den neuen Enthüllungen vom Wochenende scheinen die Ermittlungen wieder einmal in eine Stromschnelle geraten zu sein. Der große Unterschied zu früheren Durchbrüchen ist, dass ein Betroffener selbst seine Rolle bei den Blutbädern gestanden hat. Viel deutlicher kann es wohl nicht werden. Die aktuelle Ermittlungszelle muss diese Erkenntnis nutzen, um ein für alle Mal eines der schwärzesten Kapitel unserer Geschichte zu schließen. Andernfalls wird für alle Zeit vermutet werden, dass es rund um die Ermittlungen Vertuschungen und Komplotte gegeben hat. Und damit ist niemandem gedient, meint Gazet van Antwerpen.

Het Nieuwsblad sieht ein Geständnis auf dem Sterbebett als eine der wenigen Möglichkeiten, die Ermittlungen nochmal voran zu bringen. Die Taten waren grausam genug, dass ein Betroffener am Ende seines Lebens mit den Dämonen der Vergangenheit abrechnen will. Die Möglichkeit, dass Christiaan B. der „Riese“ war, macht eine andere Piste noch wahrscheinlicher: Eine Gruppe von Terroristen mit einer rechtsextremen politischen Agenda in direktem Verbund mit radikalisierten Gendarmen. Selbst dann, wenn die Täter tot sind, bleibt die Frage nach dem Auftraggeber, so Het Nieuwsblad.

Auch De Morgen spielt auf die möglichen Verwicklungen der Gendarmerie und insbesondere der Eliteeinheit „Diane“ an. Die Aussage von Christiaan B. macht deutlich, dass die Ermittlungen nicht nur eine Suche nach der Wahrheit sind, sondern auch ein Test für den heutigen belgischen Rechtsstaat. Denn die zentrale Frage ist entscheidend: Ist unsere Sicherheit in guten Händen?, kommentiert De Morgen.

Europa in der Sackgasse

Die frankophonen Zeitungen kommentieren ausschließlich die Katalonien-Krise. Indem Rajoy Artikel 155 der spanischen Verfassung aktiviert hat, hat er die Atombombe gezündet, meint L’Avenir. Doch auch wenn die spanische Regierung über das Recht und die Gewalt verfügt, besitzt es noch lange nicht die Lösung. Die größte Unbekannte zum jetzigen Zeitpunkt ist, wie die Katalanen auf die Eskalation seitens der anderen reagieren werden. Zweifellos werden die verbohrtesten unter ihnen durch die Haltung der spanischen Regierung begeistert sein. Doch viele werden die Brutalität von Rajoy nicht gutheißen, diejenigen, die zwar Autonomie wollen, ohne aber separatistisch zu sein. Das macht den Raum für Verhandlungen mehr als hypothetisch, prophezeit L’Avenir.

La Libre Belgique fragt sich, wie Spanien, wenn nicht sogar Europa aus dieser Sackgasse herauskommen will? Auf der einen Seite wurde von Seite der spanischen Regierung die ganze Frage im Vorfeld schon sehr schlecht gemanagt. Auf der anderen Seite steht das Unabhängigkeits-Projekt der Regierung in Barcelona auf wackeligen Füßen. Abgesehen davon, dass es illegal ist, weiß niemand, ob es überhaupt von einer Mehrheit der Katalanen unterstützt wird. Und das ist sehr abenteuerlich, kommentiert La Libre Belgique.

Volker Krings - Bild: Herwig Vergult/Belga

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150