Die Presseschau von Montag, dem 9. Oktober 2017

Die frankophonen Zeitungen beschäftigen sich am Montag mit der Sperrung einer der Haupteinfallstraßen nach Brüssel. In Flandern gibt es derweil einen Skandal um zockende Polizeibeamte, in Spanien haben die Bürger die Nase voll von der Katalonien-Krise und eine neue Studie beleuchtet die Gefahren von Handys am Steuer.

Viadukt Herrmann Debroux gesperrt

„Opfer Brüsseler Nachlässigkeit“, schreibt Le Soir. „Die Woche der Immobilität in Brüssel hat begonnen“, titelt La Libre Belgique und fasst zusammen: „Was für eine Inkompetenz!“

Die Sperrung des Viadukts Herrmann Debroux im Südosten der Hauptstadt beschäftigt am Montag die Leitartikler der frankophonen Tageszeitungen. Das Viadukt war am Wochenende für den Verkehr gesperrt worden. Der Grund: Bei einer Inspektion waren Instabilitäten in der Betonstruktur entdeckt worden. In den kommenden Tagen soll untersucht werden, wie marode das Viadukt ist. Bis Donnerstag jedenfalls bleibt eine der wichtigsten Einfallstraßen nach Brüssel zu.

Man hat das Gefühl, Opfer einer Fahrlässigkeit auf zweifacher Ebene zu sein, meint Le Soir in seinem Kommentar. Erstens: Auf Ebene der Region Brüssel, die seit Jahren ihre Infrastruktur ohne Zukunftsvision und Mobilitätsmasterplan vernachlässigt. Ein „Rette sich wer kann“ der jeweiligen Minister, die wie kopflose Hühner zu vermeiden versuchen, dass ihnen das ganze Problem vor die Füße fällt. Zweitens: Gleichgültigkeit auf allen belgischen Machtebenen, ob föderal oder regional. Die Außerbetriebsetzung dieser wichtigen Verkehrsachse wäre nicht so schlimm, gäbe es eine nationale Mobilitätspolitik: Alternativen zum Auto, zur Umweltverschmutzung, zu den Staus – in Zusammenarbeit mit allen Landesteilen, öffentlichem Nahverkehr inklusive.

Für alle Pendler ist es einfach nur eine weitere Qual, stellt L’Avenir fest. Die Mobilitätspolitik in Belgien ist ein wahres Desaster: ein unangepasstes Bahnangebot, ein schlecht geführter öffentlicher Nahverkehr und sich widersprechende regionale Eigenheiten. Die maroden Brüsseler Brücken und Tunnel sind dafür ein Sinnbild. In der Vergangenheit wurde nicht investiert, für die Zukunft fehlt es an einer Vision. Seit Jahren stehen die Signale auf Rot. Die Zersplitterung der Kompetenzen hat den Verfall dann nur noch beschleunigt, meint L’Avenir.

Wieder einmal hat niemand etwas kommen sehen, schreibt La Libre Belgique und fragt sich: Wie lange müssen wir die Inkompetenz der Verantwortlichen für die Brüsseler Immobilität noch ertragen? Für die Zeitung gibt es einen Verantwortlichen: der Brüsseler Mobilitätsminister Pascal Smet, der seit acht Jahren im Amt ist. Es wird höchste Zeit, dass die Brüsseler einen Minister mit einer Vision und einem Plan bekommen.

Falschen Beruf gewählt

Gazet van Antwerpen kommentiert den Glücksspielskandal bei der Antwerpener Polizei. Wie die Glücksspielkommission herausgefunden hat, haben rund 30 Antwerpener Polizeibeamte verbotenerweise in Internetkasinos gezockt. Und das unter Verwendung falscher Identitäten und mit teilweise sehr hohen Beträgen.

Dazu meint die Zeitung: Man darf schon erwarten, dass Polizeibeamte in ihrer Ausbildung lernen, dass Glücksspielseiten im Internet für sie verbotenes Terrain sind. Man darf auch erwarten, dass jemand, der die Polizei-Laufbahn einschlägt, ausreichend moralisches Urteilsvermögen besitzt, um zu wissen, dass er sich an das Gesetz halten muss. Das wird sogar während der Ausbildung getestet.

Wenn sich jetzt herausstellt, dass viele Beamte kein Problem darin sehen, links und rechts herumzuzocken, dann sollte man vielleicht mal einen Blick auf die Ausbildung und die psychologischen Tests werfen. Polizisten, die eine Extra-Sensibilisierungskampagne nötig haben, um davon überzeugt zu werden, dass sie Gesetze nicht übertreten dürfen, sind bei der Polizei wahrscheinlich nicht am richtigen Ort. Das ist eine ernste Angelegenheit.

Wenn Polizisten Beträge in der Größenordnung eines durchschnittlichen Monatslohns verspielen können, dann stellt sich schon die Frage, wie sie an so viel Geld kommen. Und falls sie sich verschulden, um zocken zu können, dann werden sie anfällig für Erpressung und illegale Handlungen, meint Gazet van Antwerpen.

Die schweigende Mehrheit hat die Nase voll

De Morgen beschäftigt sich mit der Katalonien-Krise und den Protestmärschen in mehreren spanischen Städten: Überall riefen in weiß gekleidete Spanier ihre politisch Verantwortlichen dazu auf, sich wie erwachsene Menschen an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden. „Spanien ist besser als seine Anführer“, stand auf einem Transparent zu lesen. Damit ist alles gesagt.

Die Tatsache, dass die sogenannte „schweigende Mehrheit“ auf die Straße ging, ist vielsagend. Das sind Leute, die am Wochenende meistens bessere Dinge zu tun haben, als zu demonstrieren. Wenn aber politische Stümperei ihr Leben bedroht, dann gerät die stille Mehrheit in Aufruhr.

Handy am Steuer – die in Kauf genommene Gefahr

Zwei Drittel aller Flamen geben zu, dass sie während des Autofahrens telefonieren oder Nachrichten schreiben oder lesen, wohlwissend, dass dies gefährlich ist. Das ist das Ergebnis einer flämischen Studie. Dazu meint Het Belang van Limburg: Es gibt scheinbar keine Statistiken darüber, wie gefährlich die Benutzung des Mobiltelefons am Steuer genau ist. Laut der Studie meldet die Polizei bei einem Unfall Handy-Gebrauch nur dann als Ursache, wenn dies unumstößlich feststeht. Der verunglückte Fahrer muss demnach sein Handy noch in der Hand halten.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass zehn bis 30 Prozent aller Verkehrsunfälle durch unverantwortliche Mobiltelefon-Benutzung verursacht werden. Dieser Bericht ist aber schon einige Jahre alt. Und alle Verkehrsexperten vermuten, dass der Anteil inzwischen weitaus höher liegen muss. Vor allem, da die Nutzung von Smartphones seitdem stark zugenommen hat.

Volker Krings - Bild: Nicolas Materlinck/BELGA

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