Die Presseschau von Dienstag, dem 3. Oktober 2017

Das Massaker von Las Vegas mit mindestens 59 Toten und Hunderten von Verletzten ist ein neuer trauriger Rekord der Schusswaffengewalt in den Vereinigten Staaten und damit natürlich das Hauptthema für die Zeitungen. Daneben bleibt auch Katalonien im Fokus.

Attentat Las Vegas

„Massenmord in Las Vegas“, titelt De Standaard. „Die schlimmste Schießerei in der Geschichte der USA“, so die Schlagzeile auf Seite eins von Le Soir, L’Echo und L’Avenir. „Tödlicher Kugelhagel auf dem Las Vegas Strip“, schreibt Het Belang van Limburg.

Ein Mann hat am Montag aus einem Hotelfenster heraus mit automatischen Waffen auf die Besucher eines Konzerts gefeuert. Der Täter hat dabei ganze Magazine geleert. De Morgen fasst es im Telegramm-Stil zusammen: „Las Vegas; 1. Oktober 2017; Hunderte Kugeln; minutenlang“. Ebenso gerafft die grausige Bilanz auf Seite eins von Gazet van Antwerpen: „Ein Täter; zehn Waffen; 58 Tote; 515 Verletzte“. Die Zahl der Toten ist inzwischen auf 59 gestiegen. Bei dem Täter handelt es sich um einen 64-jährigen pensionierten Buchhalter. Seine Motive sind unbekannt.

Viele Titelseiten zeigen Fotos von den schrecklichen Szenen, die sich vor Ort abgespielt haben. Feuerpausen gab es nur, wenn der Täter nachladen musste. Und diese Zeit nutzten die Menschen dann, um zu fliehen. Ein Bild auf Seite eins von Het Nieuwsblad zeigt eine solche Szene: „Auf der Flucht vor dem Kugelhagel“, schreibt das Blatt. Het Laatste Nieuws zeigt das Foto eines Mannes, der sich schützend über eine Frau geworfen hat. „Menschliches Schutzschild gegen Kugelhagel“, so die dazugehörige Schlagzeile.

Ein neuer trauriger Rekord – mal wieder

In Las Vegas wurde gestern ein trauriger Rekord gebrochen, notiert Het Belang van Limburg in seinem Leitartikel. Es ist der tödlichste Vorfall mit Schusswaffen in der modernen Geschichte der USA. Der letzte dieser grausigen Rekorde war noch gar nicht so alt: Erst im Juni vergangenen Jahres wurden in einem Nachtklub in Orlando 49 Menschen erschossen und 58 weitere verletzt.

Jetzt also ein Kugelhagel in Las Vegas, hakt Het Nieuwsblad ein. Im wahrsten Sinne des Wortes. Eine schier endlose Serie von Einschlägen. Die Schüsse kamen aus dem 32. Stock eines Hotels, von wo aus der Täter mit einem Maschinengewehr willkürlich auf Konzertbesucher feuerte. Der helle Wahnsinn! Mindestens zehn Waffen hat die Polizei bei ihm sichergestellt. Von Pistolen bis Kriegsgerät. Allesamt frei im Laden erhältlich. Denn der zweite Verfassungszusatz, der das Recht, Waffen zu tragen, beinhaltet, ist heilig. Trotz aller Massenmorde wurde dieses Recht bislang nie eingeschränkt.

Gerade für viele Europäer ist das unbegreiflich, meint Gazet van Antwerpen. Noch unbegreiflicher ist, dass auch Tragödien wie die von Las Vegas die Amerikaner offensichtlich nicht zum Umdenken bringen. Die Waffengesetzgebung, gerade im Bundesstaat Nevada, in dem Las Vegas liegt, ist laxer als lax. Dort braucht man keine einzige Genehmigung, um gleich welche Waffe zu kaufen. Und doch erwähnte US-Präsident Donald Trump in seiner Beileidsbekundung mit keinem Wort die Waffengesetzgebung.

Das Grundrecht, Mitbürger abzuknallen

Trump versucht erst gar nicht, woran sein Vorgänger Brack Obama noch gescheitert war, kritisiert Het Laatste Nieuws. Obama hatte nach dem x-ten tragischen Schusswaffenvorfall eine Reihe von konkreten Vorschlägen gemacht, um die Waffengesetzgebung in Bahnen zu lenken. Jeder dieser Vorschläge wurde von den Republikanern abgeschmettert. Jetzt haben die Amerikaner einen Präsidenten, der nicht mal die Debatte angeht, der stattdessen über Sportler wettert, die sich während der Nationalhymne aus Protest hinknien.

Die Waffenlobby in den USA leistet offensichtlich nach wie vor ganze Arbeit, kann De Morgen nur feststellen. Und auch jetzt wird insbesondere die NRA wieder Millionen von Dollar investieren, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass das Recht, ihre Mitbürger abzuknallen, ein Grundrecht ist. Und solange die Waffenlobby über ihre großzügigen Spendenzahlungen die Parlamente und das Weiße Haus im Griff hat, wird sich wenig ändern. Die Amerikaner haben jetzt die Wahl: Entweder, sie zwingen ihre Volksvertreter zu einem Kurswechsel. Oder sie müssen weiter Teddybären und Kerzen hinterlegen. Jeden Tag aufs Neue.

Der amerikanischen Haltung liegt ein fataler Denkfehler zugrunde, meint L’Avenir. Natürlich stimmt es, dass nichts und niemand einen Mörder aufhalten kann. Wenn er keine Bombe hat, dann nimmt er eine Schusswaffe. Und wenn er keine Knarre hat, dann nimmt er eine Axt, ein Messer oder am Ende sogar ein Auto. Das Problem ist nur: Die amerikanische Waffengesetzgebung macht alles so viel einfacher. Da kann man mal eben vom 32. Stock aus ganze Salven auf eine Menschenmenge abgeben. Mit maximaler Effizienz. Der Zweite Verfassungszusatz stammt aus dem Jahr 1791. Und der ist immer noch wichtiger als die Sicherheit der Kinder. Das verstehe, wer will.

Europa hält sich aus Katalonien raus

Zweites Thema ist auch heute noch das Referendum in Katalonien vom Sonntag. „Madrid entscheidet sich für einen Konfrontationskurs“, so die Aufmachergeschichte von De Standaard. Anscheinend will die spanische Regierung der Region Katalonien alle Befugnisse entziehen. Katalonien würde damit also politisch entmündigt. Die katalanische Regionalregierung fordert immer noch, dass die EU vermitteln sollte. Die Antwort gab es gestern in Brüssel und sie steht auf Seite eins von Le Soir: „Europa wird nicht vermitteln“.

Le Soir und La Dernière Heure stellen beide die Frage in den Raum, ob man sich da nicht – zumindest in Teilen – am belgischen Modell inspirieren könnte. Man mag es belächeln, meint La Dernière Heure, man mag den belgischen Kompromiss auch verfluchen, Belgien hat es immerhin geschafft, seine inneren Konflikte friedlich zu lösen.

Natürlich sind Spanien und Belgien nicht zu vergleichen, räumt Le Soir ein. Wobei die kulturellen und wirtschaftlichen Frustrationen der Katalanen durchaus an die der Flamen erinnern könnten. Und natürlich hat auch das belgische Modell seine Grenzen und Schwächen. In einem reifen Föderalstaat würde man zum Beispiel nicht zögern, gegebenenfalls Zuständigkeiten auf die Bundesebene zurück zu transferieren. Belgien zeigt dennoch, wie es anders geht, nämlich, indem man miteinander redet.

Roger Pint - Foto: Robyn Beck/AFP

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