Die Presseschau von Montag, dem 28. Juni 2010

Der Pädophilieskandal in der belgischen Kirche und das umstrittene Eingreifen der Justiz werden in zahlreichen Zeitungen kommentiert.

Peter Adriaenssens nach den Hausdurchsuchungen am 24. Juni

Peter Adriaenssens nach den Hausdurchsuchungen am 24. Juni

Das zweite Thema des Tages ist der Besuch von König Albert im Kongo anlässlich der 50-Jahr-Feiern der Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonie.

De Standaard und Het Laatste Nieuws melden heute, dass die Kommission unter der Leitung des Psychiaters Peter Adriaenssens, die die Klagen wegen sexuellen Missbrauchs durch Priester untersucht, ihre Aktivitäten einstellt. Sie ist der Meinung, dass die Hausdurchsuchungen und die Beschlagnahme aller durch die Kommission gesammelten Akten ein Beweis für das Misstrauen der Justiz gegen die Arbeit der Kommission ist. Sie habe offensichtlich das Gefühl, dass auch diese Kommission verschiedene Affären unter den Teppich kehren wolle, sagte Adriaenssens.

Dazu heißt es in Het Nieuwsblad: Selbstverständlich fühlt der Psychiater sich verraten und als Köder missbraucht. Er sieht seine Glaubwürdigkeit gegenüber den Opfern bedroht. Es ist nur logisch, dass er das Handtuch wirft. Das Gericht muss jetzt dafür sorgen, dass alle beschlagnahmten Akten respektvoll behandelt werden. Sie sind zu gefühlsgeladen, um sie im Papierkorb verschwinden zu lassen.

Die Kirche hat kein Recht auf moralische Entrüstung

De Standaard stellt die Fragen: Weshalb hat die katholische Kirche so lange ihre Augen vor dem systematischen Kindermissbrauch durch Priester geschlossen? Weshalb hat sie nie erkennen wollen, dass schändliche Praktiken von einer Generation nach der anderen begangen werden konnten? Warum hat sie geschwiegen, so dass die Opfer sich an niemanden wenden konnten? Die Antwort kann nur sein, dass die Institution sich selbst für wichtiger hält als das Leid der Menschen, die ihr angehören. Die Institution Kirche hat kein Recht auf moralische Entrüstung. Der Umfang des Missbrauchs, den sie so lange geduldet hat, nimmt ihr die Glaubwürdigkeit.

Het Belang van Limburg stellt fest: Die Hausdurchsuchungen im Erzbistum und der Kathedrale kann man noch damit erklären, dass die Staatsanwaltschaft überzeugt ist, dass die Bischöfe gewisse Akten versteckt haben. Doch die Kommission hatte Abmachungen mit dem Justizministerium getroffen. Dennoch hat die Justiz alle ihre Papiere beschlagnahmt und gezeigt, dass sie sich nicht an die Abmachungen hält.

Justiz behandelt Kirche wie eine kriminelle Organisation

Het Laatste Nieuws schreibt, das Eingreifen der Justiz hat den Ruf Belgiens als Land der Pädophilen gefestigt. Einen pädophilen Bischof gibt es nicht nur hier. Doch es ist einmalig in der Welt, dass die gesamte Führung der größten religiösen Organisation des Landes eine ganzen Tag lang festgehalten und befragt wurde. Die Justiz behandelt die Kirche wie eine kriminelle Organisation. Die Tatsache, dass die Bischöfe zu diesem Augenblick darüber berieten, welche Akten sie der Justiz übergeben sollten und welche nicht, stärkt das Gericht in seiner Überzeugung.

De Morgen fügt hinzu: Die Bischofskonferenz beriet darüber, ob die Adriaenssens-Kommmission tatsächlich Einblick in verjährte Fälle haben dürfe. Das zeigt, dass die Kirche ein doppeltes Spiel spielt. Doch das Gericht ist das Gericht. Es ist die einzige Instanz, die urteilen, strafen und freisprechen kann. In einer Demokratie ist das Jüngste Gericht kein Gemälde in der Sixtinischen Kapelle, sondern eine absolute Befugnis der richterlichen Gewalt.

50 Jahre Unabhängigkeit des Kongo

Das Königspaar besucht heute den Kongo anlässlich der 50-Jahr-Feiern der Unabhängigkeit. La Dernière Heure unterstreicht: Albert II. ist der einzige anwesende europäische Staatschef und wird keine Rede halten. Doch seine Anwesenheit ist mehr als ein Symbol.

L’avenir betont: der Königsbesuch findet in einem besonders gespannten politischen Klima statt.

Le Soir kommentiert: Wenn der König diese Reise für die kongolesische Bevölkerung unternommen hat, sollte er wissen, dass sie etwas von ihm erwartet. Wenn schon keine öffentliche Rede, so zumindest menschlichen Kontakt und eine Geste, die zeigt, dass es auf menschlichem Gebiet immer noch Solidarität zwischen den beiden Ländern gibt.

Bild:belga

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