Die Presseschau von Freitag, dem 20. Januar 2017

Viele Zeitungen blicken ebenso gespannt wie bedrückt auf die anstehende Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Zuversicht, dass der Nachfolger von Barack Obama doch nicht so schlimm wird wie befürchtet, ist da kaum zu erkennen. In der Wallonie nimmt der Publifin-Skandal derweil immer größere Ausmaße ein.

Trump am Donnerstag am Lincoln-Memorial in Washington

Trump am Donnerstag am Lincoln-Memorial in Washington

„Heute Abend um 18 Uhr ist Trump an der Reihe“, titelt Het Nieuwsblad. „Donald Trump übernimmt die Macht in Washington“, schreiben Het Belang van Limburg und das GrenzEcho. „Heute beginnt die Ära Trump“, so die Schlagzeile von Gazet van Antwerpen.

Am Freitagabend um punkt 18 Uhr wird Donald J. Trump vereidigt. Trump wird zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Amtseinführung wird von drakonischen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. De Morgen bringt einige beeindruckende Zahlen: 28.000 Sicherheitsbeamte, 3.000 Agenten des Secret Service, 5.000 Soldaten der Nationalgarde. Gesamtbudget: knapp 100 Millionen Euro.

Die Hauptstadt Washington wird also zum Hochsicherheitstrakt. Das hat wohl damit zu tun, dass Trump auch im eigenen Land nicht unumstritten ist. Viele Trump-Gegner haben zu Protesten aufgerufen. Gazet van Antwerpen bringt es auf den Punkt: „Die Fans und die Gegner von Trump sind bereit“. Für De Morgen ist das nur der Anfang: „Heute beginnen vier Jahre Bürgerproteste“, orakelt das Blatt.

Keine Schonzeit für Trump

„Die Welt ist bereit für Donald Trump, aber ist Trump bereits fürs Weiße Haus?“, fragt sich De Standaard auf Seite eins. Beobachter zweifeln durch die Bank an den Fähigkeiten des Geschäftsmanns, der erwiesenermaßen politisch völlig unerfahren ist und zugleich als impulsiv und unberechenbar gilt. Bislang hat er sich eher als egomanischer Selbstdarsteller profiliert; deshalb auch die beißende Schlagzeile auf Seite eins von Het Laatste Nieuws: „Die One-Man-Show richtet sich jetzt an die ganze Welt“.

„Es wird keine Schonzeit geben“, notiert denn auch La Libre Belgique auf Seite eins. Wohl selten schlug einem neuen Präsidenten so viel Misstrauen entgegen. L’Écho listet die „fünf Herausforderungen auf, die Trump so schnell wie möglich angehen muss“. Ganz oben stehen die Abschaffung der von Barack Obama ins Leben gerufenen Krankenversicherung und die versprochene „Mauer“ an der Grenze zu Mexiko – beides waren zentrale Wahlversprechen.

Jetzt geht’s los, meint Het Belang van Limburg mit spürbarem Unbehagen. Trump wird in den 100 ersten Tagen seiner Amtszeit wohl mit Genuss alles abbrechen, was Amtsvorgänger Obama aufgebaut hat. Die entsprechenden Gesetze und Ausführungsbestimmungen liegen offenbar schon vor, sie müssen nur noch unterschrieben werden. Und trotzdem sollten wir Trump nicht vorverurteilen und ihm eine Chance geben. Naja, eine andere Wahl haben wir ohnehin nicht.

Tschüss Obama, jetzt kommt das „Trumpeltier“

Man vermisst Barack Obama jetzt schon, bemerkt traurig Het Nieuwsblad. Klar: Als Präsident war er bei weitem nicht perfekt. Im Grunde konnte er die in ihn gesteckten Erwartungen auch gar nicht erfüllen. Was Obama aber auszeichnete: Den Menschen im US-Präsidenten konnte man immer erkennen. Die Art und Weise, wie er „nicht perfekt“ war, die wird uns schmerzlich fehlen.

„Ab heute indes regiert das Trumpeltier“, stellt das GrenzEcho mit einem schönen Wortspiel fest. Für den Egomanen mit blondierter Haartolle existieren nur Gut und Böse. Für komplexe Probleme gibt es einfache Lösungen. Selten hat man sich so sehr gewünscht, dass ein Politiker seinen Worten keine Taten folgen lässt.

La Libre Belgique ist geradezu terrorisiert angesichts der Amtseinführung von Donald Trump. Man hatte ja noch gehofft, dass sich der unerfahrene und unbedarfte Präsident mit fähigen Leuten umringen würde, um das auszugleichen. Doch was stellt man fest? Sein Kabinett besteht aus Leuten, von denen einer beängstigender ist als der andere. Beim besten Willen: Die Angst vor dem neuen US-Präsidenten ist in den letzten Wochen eher noch größer geworden.

„Es wird ein Sprung ins Unbekannte“, glaubt jedenfalls L’Écho. Und das gilt für alle Beteiligten. Für den Politikbetrieb in Washington, für die amerikanischen Bürger, die noch nie von einem derartigen Populisten regiert wurden, und auch für die ausländischen Staatschefs, die es ab jetzt mit einem unberechenbaren Gesprächspartner zu tun haben werden. Müssen wir jetzt mit dem Schlimmsten rechnen? Unmöglich zu sagen! Sagen wir mal so: Wir müssen jetzt mit allem rechnen.

PS: „Die Leiche ist aus dem Keller ausgegangen“

„Der Rosenkrieg“, titelt derweil Le Soir. Gemeint sind damit die neuerlichen Spannungen innerhalb der PS im Fahrwasser der Publifin-Affäre. Schlüsselfigur ist hier der PS-Politiker Stéphane Moreau. Der ist nicht nur Bürgermeister von Ans, sondern auch Hautpgeschäftsführer der Publifin-Tochter Nethys, die unter anderem Kabelfernsehen-, Internet- und Medienunternehmen kontrolliert. De Standaard nennt ihn den „wallonischen Berlusconi“. L’Echo schlägt seinerseits den Nagel noch ein bisschen tiefer ein: „Der Chefberater von Stéphane Moreau verdient 50.000 Euro… pro Monat“, hat das Blatt recherchiert. PS-Spitzenpolitiker, insbesondere Laurette Onkelinx, haben Moreau am Donnerstag öffentlich angegriffen. Das Fazit von L’Avenir in Form einer Schlagzeile: „Die PS ist im Begriff, Stéphane Moreau fallen zu lassen“. De Morgen hat eine andere Lesart: „Die PS versucht in Panik zu retten, was zu retten ist“.

„Ist da jemand wach geworden?“, fragt sich sarkastisch Le Soir. Es ist und bleibt paradox, dass man ausgerechnet Sozialisten daran erinnern muss, dass sie nicht gleichzeitig ein politisches Mandat und eine Spitzenposition in einem Unternehmen bekleiden können. Das wirft auch einen Schatten auf den PS-Vorsitzenden Elio Di Rupo, der offensichtlich immer noch nicht alle schwarzen Schafe von der roten Weide vertrieben hat.

Die Leiche ist aus dem Keller gekommen, stellt De Morgen fest. Publifin, der Skandal steht nur stellvertretend für die Dinge, die in der Wallonie nach wie vor schief laufen. Jeder wusste, dass die PS-Sektion Lüttich immer noch ein Staat im Staat ist. Und am Ende wundert man sich, dass die Wähler in Scharen der kommunistischen PTB nachlaufen.

Für die PS ist der Einsatz enorm hoch, glaubt L’Avenir. Die Publifin-Affäre kann den Sozialisten einen sehr schmerzhaften Schlag versetzen. Und nicht vergessen: Schon im nächsten Jahr stehen Kommunalwahlen an. 2019 dann Parlamentswahlen. Den markigen Worten, die ein Großreinmachen versprechen, müssen jetzt endlich Taten folgen.

Keine Mörder frei!

„Kindermörder ist frei wegen Panne“, so die Aufmachergeschichte von Het Laatste Nieuws. Es geht um den Familienvater, der Ende letzten Jahres im Lütticher Raum sein Haus angezündet hatte. Seine beiden Töchter wurden tot geborgen. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Es gab aber einen Prozedurfehler. Jetzt ist er frei. La Dernière Heure schreibt wütend: „Richterin schießt unglaublichen Bock“.

Roger Pint - Bild: Brendan Smialowski/AFP

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