Die Presseschau von Samstag, dem 7. Januar 2017

Die Zeitungen bringen einen Nachruf auf Luc Coene, den ehemaligen Gouverneur der Nationalbank. Weitere Themen sind Kasachgate und Publifin. Paul Magnette wandelt derweil auf den Spuren Donald Trumps, ein neuer Abgasskandal bahnt sich an, das Handheben im Klassenzimmer könnte bald passé sein und es gibt Schnee.

Der Gouverneur der Nationalbank, Luc Coene

Luc Coene ist am Freitag im Alter von 69 Jahren verstorben

„Der Workaholic, der uns durch die Banken-Krise gelotst hat“, titelt Het Nieuwsblad. „Notenbankchef und Krisenmanager“, bemerkt L’Echo. „Luc Coene ist tot“, schreiben Le Soir und De Standaard.

Im Alter von 69 Jahren ist der ehemalige Gouverneur der Nationalbank Luc Coene am Freitag verstorben. Het Laatste Nieuws lobt die Verdienste des Mannes, der nie das Rampenlicht suchte; ein Diener des Staates und des Premierministers im besten Sinne des Wortes.

Genauso sieht es Het Belang van Limburg: Man sollte die Arbeit Coenes als Notenbankchef nicht unterschätzen. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise bewahrte er – gemeinsam mit der Regierung – durch die Rettung von Fortis, Dexia und KBC unser Land vor einer Systemkrise. Völlig zu Recht wird Coene als jemand beschrieben, der Berge versetzen konnte, Probleme beim Namen nannte und Lösungen fand.

„Staatsaffäre“ Kasachgate und der neue „Papa“

In Le Soir spricht Dirk Van der Maelen, Vorsitzender des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu Kasachgate, von einer „möglichen Staatsaffäre“. Mittlerweile werde immer deutlicher, dass das „Freikaufgesetz“ 2011 in aller Eile und maßgeschneidert für bestimmte Personen verabschiedet wurde. Und MR-Politiker haben von Anfang an eine maßgebliche Rolle in dem Skandal gespielt, so Van der Maelen: Serge Kubla bei der Vergabe der belgischen Staatsangehörigkeit an den kasachischen Geschäftsmann und Milliardär Patokh Chodiew, liberale Kabinette bei der Vorbereitung des umstrittenen Gesetzes und der ehemalige Senator und Anwalt Chodiews Armand De Decker, der mit dem Generalstaatsanwalt den kontroversen Deal für seinen Mandanten aushandelte. Ob die MR als Partei in den Skandal verwickelt ist, oder nicht, wird die Untersuchungsarbeit noch zeigen müssen, so der flämische Sozialist Van der Maelen.

La Libre Belgique befasst sich mit dem PS-Politiker Stéphane Moreau – seines Zeichens Bürgermeister der Lütticher Gemeinde Ans und Chef von Publifin. Die Interkommunale hatte wegen astronomischer Sitzungsgelder für Lokalpolitiker Schlagzeilen gemacht. Um Moreau, dessen Führungsstil selbst innerhalb seiner eigenen Partei als autoritär und intransparent kritisiert wird, ranken sich die wildesten Gerüchte. Sein Jahresgehalt beträgt der Zeitung zufolge knapp 600.000 Euro. In der Lütticher PS ist er eine zentrale Figur, man nennt ihn bereits den neuen „Papa“ – der alte Spitzname von Michel Daerden.

Make Wallonia great again

De Standaard kritisiert den Vorstoß des wallonischen Ministerpräsidenten Paul Magnette, nur noch wallonische Produkte zu kaufen. Die beleuchteten Autobahnschilder könnten aus dem Süden des Landes verschwinden, weil sie nicht in der Wallonie hergestellt werden. „Was für ein Blödsinn!“, meint die Zeitung und vergleicht das protektionistische Mantra „Achetez wallon“ des Linken Magnette mit der „America First“-Parole des rechtskonservativen Donald Trump. Gerade Belgien als kleines Land mit einer offenen Wirtschaft muss aufpassen, dass es sich mit einer Abschottungspolitik nicht ins eigene Fleisch schneidet, warnt das Blatt.

Apropos Trump: L’Echo kommt zurück auf die jüngsten Twitterdrohungen des baldigen US-Präsidenten gegen Autobauer, die Fabriken außerhalb der USA bauen wollten. Das brechstangenartige Vorgehen des Republikaners beweist einmal mehr, dass man sich ab dem 20. Januar auf alles gefasst machen muss.

Dreckschleudern, Handheber und Skihasen

„Neue Dieselautos dreckiger als schwere Lkw“, so die überraschende Schlagzeile von Het Laatste Nieuws. Laut einer Studie der ICCT-Forscher, die bereits den Abgasskandal bei VW aufgedeckt hatten, stoßen moderne Pkw deutlich mehr Schadstoffe als durch die Euro 6-Norm erlaubt aus. Bei Straßentests haben die Experten festgestellt, dass es tatsächlich 500 Milligramm Stickstoffoxide pro Kilometer sind – mehr als das Sechsfache des erlaubten Grenzwertes. Besonders pikant: Busse und Lkw stoßen pro Kilometer nur die Hälfte davon aus.

Wenn es nach dem Katholischen Unterrichtswesen in Flandern geht, sollen Schüler bald nicht mehr die Hand im Klassenzimmer heben, um eine Antwort zu geben. Für Fachleute ist dieses Verhalten überholt, weil sich oft nur starke Schüler melden, während schwächere auf der Strecke bleiben. Lehrkräfte sollen nicht mehr strenge oberlehrerhafte Attitüden an den Tag legen, sondern Coach und Freund der Schüler sein.

Das verschneite Ostbelgien beherrscht die Titelseite von Het Belang van Limburg. Rund zehn Zentimeter waren es am Freitag – und es hat weitergeschneit. Zahlreiche Ski- und Langlaufpisten entlang des Hohen Venns sind geöffnet und erwarten, auch wegen des letzten Wochenendes der Weihnachtsferien, viele Besucher.

Alain Kniebs - Archivbild: Bruno Fahy/BELGA

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150