Die Presseschau von Montag, dem 2. Januar 2017

Das neue Jahr beginnt, wie das alte aufgehört hat: Viele Zeitungen beschäftigen sich zunächst mit dem blutigen Anschlag in Istanbul. Und die Leitartikler sind auch nicht wirklich zuversichtlich, dass 2017 wirklich besser wird als 2016. Thema ist aber auch ein neuer drohender Konflikt zwischen den Sozialpartnern und der Regierung.

Nach dem Anschlag in Istanbul: Angehörige am Sarg eines der Opfer

„Terror in der Silvesternacht“, titeln Le Soir und das GrenzEcho. „Blutiger Auftakt“, so die Schlagzeile von De Standaard. „2017 beginnt tödlich“, schreibt auch Het Belang van Limburg.

Istanbul wurde erneut von einem Terroranschlag erschüttert. Mindestens ein schwer bewaffneter Mann richtete in einer Promi-Disko am Bosporus ein Blutbad ein. „Es wurde mindestens eine Viertelstunde lang geschossen“, zitiert Gazet van Antwerpen Augenzeugen. La Libre Belgique und La Dernière Heure fühlen sich an die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris erinnert: „Jetzt hatten die Türken ihren ‚Bataclan'“.

Bei dem Anschlag kamen nach bisherigen Angaben 39 Menschen ums Leben, 69 weitere wurden verletzt. Unter den Toten ist auch der 23jährige Kerim Akyil aus dem limburgischen Houthalen-Helchteren. „Mein Bruder wollte einfach nur feiern“, sagt die Schwester des Toten in Het Laatste Nieuws.

Neues Jahr, neuer Anschlag

Viele Schlagzeilen sind auch entsprechend resigniert: „Neues Jahr, derselbe Terror“, schreibt etwa Gazet van Antwerpen. Het Nieuwsblad formuliert es ein bisschen anders: „Neues Jahr, neuer Anschlag“. Het Laatste Nieuws ist präziser: „Schon nach 75 Minuten im Neuen Jahr gab’s den ersten Anschlag“, schreibt das Blatt auf Seite eins. „Der Terror gibt uns keine Atempause“, beklagt L’Avenir.

Wo soll das enden?, fragt sich resigniert De Morgen. Müssen wir am Ende überall Metalldetektoren installieren? Oder safe rooms in Schulen? Oder Betonbarrieren vor Bibliotheken? Nein! Es ist eine Illusion, zu denken, dass unsere Rechtsstaaten zu Hochsicherheitsbereichen werden. Und politische Parteien sollten aufhören, den Menschen diesen Wunschtraum vorzugaukeln.

Viele Zeitungen blicken heute aber auch nach vorn. „Diese Menschen werden 2017 prägen“, schreiben sinngemäß Le Soir und La Libre Belgique. La Libre Belgique beschränkt sich da auf die Belgier, die in den nächsten Monaten im Fokus stehen werden. Allen voran: die neue SNCB-Chefin Sophie Dutordoir, Robert Vertenueil, der der neue FGTB-Generalsekretär werden soll, und der Formel 1-Pilot Stoffel Vandoorne.

Le Soir fasst es weiter: Für die Brüsseler Zeitung werden vor allem Leute wie Donald Trump, Angela Merkel oder der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon 2017 maßgeblich prägen.

2017 = 2016?

Willkommen im Jahr 2017, meint Le Soir leicht sarkastisch in seinem Leitartikel. Willkommen in der Welt der Herren Trump, Putin und Erdogan, in der Welt der Populisten, der neuen Faschisten und der Terroristen. Und keine Sorge, in diesem Jahr erwarten uns Leute wie Marine Le Pen oder Geert Wilders. 2017 wird ein gefährliches Jahr. Und die Demokraten werden endlich aufstehen müssen, um unsere freiheitlichen Gesellschaften zu verteidigen.

Die Welt dreht durch, auch im Jahr 2017, meint Het Laatste Nieuws. Im Augenblick spricht nichts dafür, dass das neue Jahr besser werden soll als das Katastrophenjahr 2016. Unsere Illusionen haben sich schon eine knappe Stunde nach dem Jahreswechsel zerschlagen.

Ein neues Jahr hat das alte immer noch im Rucksack, glaubt Het Nieuwsblad. Der Jahreswechsel, das ist kein Zaubertrick, mit dem man die brennenden Probleme einfach so, rubbedidupp, verschwinden lassen kann. Das soll uns jetzt aber nicht die Laune verhageln, frei nach dem Motto: Es wird immer noch mehr gefeiert als getrauert.

Wir sollten uns nicht unterkriegen lassen, findet auch Gazet van Antwerpen. Vielmehr sollten wir systematisch nach Zeichen der Hoffnung Ausschau halten, sollten uns nicht auf jeden Internet-Hype stürzen, sollten nicht in sozialen Netzwerken von morgens bis abends herumpöbeln, sondern konstruktiv diskutieren, möglichst viele Menschen im realen Leben kennen lernen und glauben, dass wir alle durch unser Verhalten ein Quäntchen dazu beitragen können, dass die Gesellschaft besser wird.

Gute Vorsätze

Ein neues Jahr geht natürlich auch mit den berühmten „guten Vorsätzen“ einher. La Dernière Heure nennt da einige: Der eine will mehr Sport treiben, der andere Diät machen, und noch ein anderer will mit dem Rauchen aufhören. Da gibt’s nur ein Problem, meint La Dernière Heure: Neun von zehn Belgiern werden sich nicht an ihre guten Vorsätze halten.

Het Nieuwsblad hat einige Promis gefragt, was sie sich für 2017 vornehmen. Gesundheitsministerin Maggie De Block will sich mehr Zeit für Familie und Freunde nehmen, Rik Torfs, Rektor der Uni Löwen, will bis April keinen Alkohol trinken, Innenminister Jan Jambon will „alles tun“, um ein neues Terrorjahr zu vermeiden.

Beängstigende Schlagzeile auf Seite eins von Het Nieuwsblad: „Medikament sorgt für Behinderung bei Kindern“, schreibt das Blatt. Die Mütter hatten während der Schwangerschaft ein Präparat gegen Epilepsie eingenommen. Und ihrer Ansicht nach ist das die Ursache dafür, dass ihre Kinder jetzt behindert sind oder an Autismus leiden. Die Eltern wollen morgen vor Gericht Klage einreichen.

Soziale Sicherheit in Gefahr?

„Machtkampf um Milliarden“, so schließlich die Aufmachergeschichte von De Standaard. Gewerkschaften und Krankenkassen haben in der Zeitung einen offenen Brief veröffentlicht. Darin protestieren sie gegen eine geplante Reform der Finanzierung der Sozialen Sicherheit. Die Regierung will damit offensichtlich mehr Kontrolle über die Ausgaben im Gesundheitssektor bekommen. Für die Gewerkschaften und die Krankenkassen ist hier aber das Modell der Sozialen Sicherheit in Belgien in Gefahr.

Die Absichten der Regierung sind bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar, meint De Standaard in seinem Leitartikel. Es ist legitim, dass eine Regierung sich die Frage stellt, wo das Geld hingeht, dass sie den Krankenkassen keinen Blankoscheck ausstellt. Dass die Sozialpartner angesichts solcher Pläne nicht glücklich sind, das überrascht allerdings auch niemand. Blockadehaltung und Status quo-Denken sind aber auch nicht die Lösung. Es muss erlaubt sein, über eventuell notwendige Veränderungen nachzudenken.

Roge Pint - Bild: Ozan Kose/AFP

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