Die Presseschau von Donnerstag, dem 10. November 2016

Die US-Wahl und der neue amerikanische Präsident Donald Trump beherrschen Titelseiten und Leitartikel. Auf unzähligen Sonderseiten analysieren die Zeitungen den Wahlausgang, geben Erklärungen und wagen den Blick in eine ungewisse Zukunft.

Die Presse warnt vor der "Trumpisierung" der Welt

„Die Trump-Show hat begonnen“, titelt Het Nieuwsblad. „Der Sprung ins Unbekannte“, schreiben Le Soir und La Libre Belgique. „Der Hofnarr wird zum König“, meint L’Avenir auf Seite eins. „Das Ende einer Welt, die wir zu kennen glaubten“, bemerkt De Standaard.

Die Amerikaner haben Donald Trump zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Alle Zeitungen berichten auf zahlreichen Sonderheiten über das überraschende Wahlergebnis in den USA.

L’Écho meint: Mit Trump hat sich der Outsider durchgesetzt, der für Veränderung steht. Der Mann, den die gesamte Elite bekämpft hat. Im Grunde eine schöne amerikanische Geschichte, doch die Realität droht deutlich unschöner zu werden. De Morgen sieht zwei Optionen: Entweder Trump bleibt bei seinen harten Ansichten und in der Welt wird es ordentlich donnern und krachen. Oder aber, er zeigt uns sein anderes Gesicht. Das des pragmatischen US-Präsidenten.

Albtraum oder nicht?

La Libre Belgique geht eher vom ersten Szenario aus und spricht bereits von einem „Albtraum“. Trump hat Frauen beleidigt, Ausländer beschimpft und Muslime bedroht. Dass ausgerechnet er ins Weiße Haus einzieht, löst weltweit Sorge und Unsicherheit aus. Wenn man bedenkt, was der um Längen für das Präsidentenamt qualifiziertere George W. Bush im Nahen Osten angerichtet hat, dann zittert man schon beim bloßen Gedanken an Donald Trump im Oval Office.

Das GrenzEcho dagegen findet: Ja, mit Donald Trump wird die Welt unsicherer und das Verhältnis mit Europa auf den Prüfstand gestellt. Jetzt aber schon über das Ende der Welt oder den Dritten Weltkrieg zu spekulieren, geht entschieden zu weit. Die Cowboys Reagan und Bush im Weißen Haus haben die USA und letztlich auch wir überstanden. Wir werden auch Trump überstehen, so die Zeitung.

Het Laatste Nieuws bemerkt: In seiner ersten Rede als gewählter Präsident war Trump kaum wieder zu erkennen. Weder Clown noch Heulboje. Der 70-Jährige schlug versöhnende Töne an, will der Präsident aller Amerikaner sein. Das Blatt gewährt ihm den Vorteil des Zweifels. Aber will Trump als Präsident glaubwürdig sein, dann ist ein deutlicher Wandel nötig.

Das findet auch Het Belang van Limburg. Aus ihm muss ein Staatsmann werden. Jemand, der Entscheidungen für das Allgemeinwohl trifft, im Sinne aller Bürger. Seine beleidigenden Sprüche, vor allem die gegen Frauen, gehören ein für alle Mal in die Tonne, mahnt das Blatt.

Trump hat sich die Wut der Bürger zunutze gemacht

Wie konnte Trump überhaupt so weit kommen?, fragen sich viele Zeitungen. Het Nieuwsblad sieht hauptsächlich drei Gründe. Erstens fühlen sich viele Amerikaner durch die politische Elite, durch das Establishment in Washington nicht mehr vertreten. Sie haben den Eindruck, dass an ihnen vorbei regiert wird. Das gilt ganz besonders für Hillary Clinton, die irgendwann in ihrer steilen Karriere als Senatorin, First Lady und Außenministerin den Bezug zu den gewöhnlichen Bürgern verloren hat.

Zweitens: Die globalisierte Wirtschaft stößt an ihre Grenzen. Immer mehr Amerikaner fühlen sich abgehängt. Vor allem auf dem Land, das mit Industrieabzug, Strukturschwäche und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat.

Und drittens: Trump hat sich den Ärger und die Wut der Bürger zu Nutze gemacht, darüber einen Kanister Benzin geschüttet und das Ganze angezündet. Er hat die Menschen mit Stammtischparolen bombardiert und ihnen vermeintlich einfache Lösungen präsentiert. Das Problem: Er hat den ekelerregendsten Ideologien freien Lauf gelassen und sie zum Teil noch befeuert. Irgendwo werden wir in unserer Demokratie eine Grenze ziehen müssen. Ansonsten hat bald nur noch der, der am lautesten schreit, eine Chance, gibt das Blatt zu bedenken.

„Trumpisierung“ droht auch in Europa

Le Soir konstatiert: Wir müssen uns nicht wundern, wenn die Rechtspopulisten auf der Überholspur sind. Die traditionellen Parteien finden nicht die passenden Antworten und schauen einfach zu.

De Standaard meint ebenfalls: Seit dem Brexit-Votum, spätestens aber seit der Trump-Wahl muss jedem klar sein, dass die Demokratie in der Krise steckt. Die Signale sollte die Politik ernst nehmen – und zwar schnell. Denn in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland und möglicherweise auch Italien stehen rechtsradikale Politiker bereit, die bei den anstehenden Wahlen auf der Trump-Welle surfen werden.

L’Écho ergänzt: Neben dem sozialen und wirtschaftlichen Leid kommen in Europa noch der Terrorismus, die Angst vor dem Islam, die Flüchtlingswelle und ungerechte Steuersysteme hinzu. Ein gefährlicher Mix.

Für L’Avenir steht fest: An dem, was in den USA passiert ist, sind nicht nur die traditionellen Parteien Schuld. Auch die Medien, selbsternannte Experten, Meinungsforscher und Intellektuelle, die Trump oft nur belächelt, das Problem kleingeredet haben oder es nicht haben kommen sehen. Wir alle sollten uns in Frage stellen, ansonsten ist die „Trumpisierung“ der Welt nicht mehr aufzuhalten.

AKn - Foto Paul Beaty (afp)

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