Notaufnahmeheim Belle Vue: eine traurige Geschichte – ein Kommentar

Die Wogen schlagen hoch - rund um das Projekt "Belle Vue": Dort, so das Ansinnen des Roten Kreuzes, sollten möglichst schnell rund 90 Asylbewerber einziehen.

Aber es gab Probleme, angeblich Kommunikationsprobleme, so dass „Belle Vue“ als Notaufnahmeheim kaum noch in Frage kommt. Derweil sprechen Verantwortliche von einer menschlichen Katastrophe.

Aus dem ehemaligen Genesungshaus „Institut Belle Vue“ in Eupen kann wohl kein Notaufnahmeheim für Asylbewerber werden. Woran die Initiative des Roten Kreuzes, eine solche vorübergehende Auffangstätte am Eichenberg einzurichten, scheiterte, ist nur schwer auszumachen.

Fest steht, dass es von wem auch immer verschuldete Kommunikationsprobleme gegeben hat. Da spielen die für Asylfragen zuständige Föderalministerin Arena und ihr Kabinett ebenso eine Rolle wie die ihr unterstellte behördliche Agentur Fedasil und nicht zuletzt die sozialistische Krankenkasse als Eigentümerin der Immobilie.

Fakt ist auch: Es hat schon im November letzten Jahres und zuletzt Anfang Januar Ortstermine in „Belle Vue“ gegeben – mit Vertretern der beteiligten Organisationen und Institutionen. Inwieweit die Krankenkasse mündliche Zusagen gegeben hat, das Haus für einen Zeitraum von sechs Monaten zur Verfügung zu stellen, ist nur schwer nachvollziehbar.

Tatsache ist, dass die maßgebenden Gremien der Krankenkasse sich zumindest nicht abschließend mit dem Thema befasst haben. Was an Kommunikation zwischen Arena und der Krankenkasse gelaufen ist – auch das ist nicht klar. Deutlich wird nur ein großer Wirrwarr.

Traurig, dass darunter Menschen zu leiden haben, denen es ohnehin dreckig geht: Flüchtlinge, Asylbewerber, Heimatlose, auch Frauen und Kinder ohne Obdach und mit einer völlig ungewissen Zukunft.

„Belle Vue“ hätte ein halbes Jahr lang für sie eine Adresse sein können, „Belle Vue“ hätte ihnen ein Dach über dem Kopf geboten und ein bisschen mehr, ein bisschen soziale, medizinische und menschliche Zuwendung.

War das zuviel verlangt? Wo leben wir eigentlich? Im satten, selbstzufriedenen Ostbelgien, wo es den meisten Menschen gutgeht, aber, wo es auch Armut gibt, zumeist versteckte Armut, wo viele sich nicht trauen, um öffentliche Hilfe nachzusuchen.

In Manderfelds Empfangszentrum wird Menschlichkeit vorgelebt. In Manderfeld, in der Eifel, wo es zunächst natürlich auch Vorbehalte gab gegen die Fremden. Und heute gehören sie wie selbstverständlich zum Bild dieser Ortschaft, wenn auch nur vorübergehend als Reisende auf einem langen, schweren Weg.

Warum sollte das in Eupen nicht möglich sein? Wird hier falsche Rücksichtnahme geübt, Rücksichtnahme gegenüber Bürgern, die in ihrer Nachbarschaft keine Asylanten, keine Flüchtlinge sehen wollen?

Aber das kann es nicht sein: José Kessel, der Verantwortliche des Roten Kreuzes in der DG, hat bei allem Zorn über das Kabinett Arena und die Krankenkasse, eine positive Erfahrung gemacht. Und zwar die, dass viele Eupener Bürger positiv reagiert haben auf die Idee, im „Institut Belle Vue“ ein Notaufnahmeheim einzurichten.

Und so ist das Rote Kreuz zuversichtlich, Alternativen zu „Belle Vue“ zu finden für die Asylbewerber: ob in Worriken in Bütgenbach, im KUZ in Burg-Reuland oder im Vinzenzhaus in Amel oder sogar in Privatwohnungen, bei Menschen, die für ein paar Tage oder Wochen jemanden aufnehmen, der im wahrsten Wortsinn arm dran ist.

Die Notlage der Asylbewerber in Belgien ist groß. Zur Zeit stehen an die 400 auf der Straße. Die bestehenden Zentren sind überfüllt, nicht weil die Zahl der in Belgien Zuflucht Suchenden steigt, sondern weil die Gesetzgebung sich geändert hat und die Asylbewerber sich von daher länger in den Auffangheimen aufhalten.

Das Rote Kreuz hat die Menschlichkeit ganz oben auf die Liste seiner sieben Grundsätze gestellt. Und es ist gut, dass die Verantwortlichen zunächst alles tun, um das akute Problem der Unterbringung zu lösen. Danach, so hat das Rote Kreuz angekündigt, werde man darauf bestehen, die Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit dem Projekt „Belle Vue“ gründlich zu überprüfen.

Eines kann man heute schon vorwegnehmen: Es ist einiges versäumt worden. Hoffentlich war es „nur“ ein Kommunikationsproblem und keine verkappte Fremdenfeindlichkeit. Eupen, Ostbelgien und dem ganzen Land hätte ein Notaufnahmeheim „Belle Vue“ gut zu Gesicht gestanden.

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