Der Tod, das Brautamt, das Geld und die Kirche: Kommunikation mit Pannen – ein Kommentar

Das Bistum hat Gebühren für kirchliche Trauungen und kirchliche Begräbnisse der allgemeinen Teuerungsrate angepasst. Den notwenigen Haushaltsmitteln kommt die Maßnahme sicherlich zu Gute, in Sachen Kommunikationsstrategie verpasste die Amtskirche eine Chance.

Umsonst ist der Tod. Der Spruch stimmt schon lang nicht mehr. Ein Blick auf die Rechnung eines Bestattungsunternehmens genügt. Jetzt wird’s noch etwas teurer, wenn man den Beistand der Kirche sucht, der alleinigen Tradition genügen will, oder – was der eigentliche Sinn ist – den Glauben an ein Weiterleben der Seele bezeugt.

Was nicht heißt, dass es ein Sakrament wäre. Das Sakrament ist die letzte Ölung, inzwischen heißt es „die Krankenstärkung“, was weniger schaudernd klingt. „Kostet das was?“ ist ein ostbelgischer Pastor gefragt worden, als er um drei Uhr nachts auf der Intensivstation erschien, nachdem Angehörige um Beistand gebeten hatten für den der Kirche gegenüber eher abweisend eingestellten Kranken.

Die Frage sorgte am Krankenbett für Heiterkeit. „Nein, das Sakrament koste nichts“ konnte der Pastor beruhigen, im Krankenhaus in Ostbelgien, nicht im Italien Guareschis, des Schöpfers von Don Camillo und Peppone. Don Camillo, besser gesagt, sein ostbelgischer Amtsbruder, kam mitten in der Nacht, seine Nachtruhe war hin. Man kann anführen, in Belgien erhalte ein Priester ein Gehalt vom Staat, für seine Arbeit als Seelsorger – und nicht selten als Sozialarbeiter.

Wenn sein Engagement am Grab mit zusätzlichen 15 Euro gewürdigt wird, wer würde es ihm neiden? 100 Euro fordert die Kirche bei einem Begräbnis oder – inzwischen nicht mehr anstößig – einer Feuerbestattung. Davon muss sie u.a. den Organisten bezahlen, ein Teil geht an den Kirchenfabrikrat, einen Teil behält sie für Pfarrverband und Bistum ein. 100 Euro statt bisher 75.

Das gleiche bei Trauungen. Für 100 Euro kriegt die Braut im Restaurant nicht mal den Tischschmuck. Nur mal angenommen, im gesamten Bistum gäbe es 27 kirchliche Trauungen oder Begräbnisse pro Tag, dann wären das 250.000 Euro zusätzlich im Jahr. Die Publikation einer solchen Zahl hat manche Amtsträger verschnupft. Sie haben der Presse vorgeworfen, eine solche Zahl in die Welt gesetzt zu haben und nannten sie „phantasievoll“.

Dabei ist es weder ehrenrührig, noch unanständig, bei der Anhebung von Gebühren für Leistungen bis hin zu Jugendarbeit und Gefängnisseelsorge Mehreinnahmen zu verbuchen. Erstaunlich ist in dem Zusammenhang nur, dass besagte Amtsträger die erwartete Mehreinnahme nicht selbst mitteilen, so als ob sie sich ihrer schämen würden, wofür es doch bei Gott keinen Grund gibt – angesichts der Aufgaben der Pfarrverbände und der Notwendigkeit von Haushaltsmitteln, um die Ziele zu erreichen, sich auch an den Heizkosten zu beteiligen und über eine Verringerung des Defizits der Kirchenfabrikräte die Gemeindekassen zu entlasten.

Weshalb also die Scheu? Und vor allem: 150, 250, oder 350 oder nur 50.000, das ist doch nebensächlich, wichtiger war es, dass sich die Amtskirche erklären und mitteilen konnte, doch sie tat es erst auf Anfrage, oder im Nachhinein. Dabei muss man kein Père Gilbert sein, um sich mitzuteilen: Trauen tue er nur Paare, die das Engagement ernsthaft meinten, sagte der große Kommunikator in einem Rundfunkinterview, andere segne er lediglich, wenn überhaupt. Bei Prinzessin Claire habe er die Ernsthaftigkeit festzustellen geglaubt, antwortete er diplomatisch auf eine Frage nach seiner Einschätzung von Laurents Absicht.

Nein, man muss nicht wie Père Gilbert kommunizieren können, um Fehleinschätzungen erst gar nicht entstehen zu lassen – und statt dessen eigene Botschaften zu vermitteln. Zum Beispiel, dass die 100 Euro bei Trauungen nicht das Sakrament bezahlen, das spendet nämlich nicht der Priester, sondern das tun die Eheleute selbst. Die Amtsträger des Bistums hätten viel Kommunizieren können, statt sich über eine Zahl zu echauffieren.

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