Louis Siquet und sein „Belgien-Rap“ – ein Kommentar

Louis Siquet überraschte Freund und Feind mit einem Knüller, und so mancher Bürger sagte sich: Das ist ein Hammer! Wenn der Parlamentspräsident Menschen sprachlos vor Überraschung machen wollte, hätte das ihm nicht besser gelingen können.

Hat Louis Siquet das Amt beschädigt ? Oder es vielmehr dem Volk näher gebracht? Manche hatten eine klare Meinung, andere wussten noch nicht so recht und suchten noch, da setzte schon eine rasante Beschleunigung ein: Blitzschnell etablierte sich „Louis“ als ein Vorname, wurde der Parlamentspräsident zum Louis, erklang das Lied im Kelmiser Hallenbad, wo die patriotische Ader ohnehin stark schlägt, hielt Einzug in die Weiberfastnacht, die offizielle zumindest, und rückte die belgische Schicksalsfrage noch mal voll ins Licht.

Und wenn man daher Louis Lied als das betrachtet, was es auch ist: als ein soziologisches Phänomen? Und man die Beantwortung der eingangs gestellten Frage: Amt beschädigt: ja, nein, im Gegenteil, weiß nicht, interessiert mich nicht – bitte nur eine Antwort ankreuzen – dem Bürger überlässt als dem Souverän, wenn Prinz und Hofnarr mit der Politik gemeinsam schunkeln?

Nein, kein Karnevalslied habe er gesungen, betonte Louis Siquet zu Wochenbeginn, als Louis auf der Hülle der CD firmierend, nicht als Präsident, doch präsidial, und er wünsche es sich auch nicht im Karneval – angesichts des Kalenders ein Wunsch so fromm wie wirklichkeitsfern. Wobei Louis im übrigen klugerweise am Fettdonnerstag nichts tat, das Lied aus dem Karneval heraus zu halten, im Gegenteil.

Verwundern muss das nicht, sind Karneval und Politik doch eine Allianz eingegangen Mitte der 70er Jahre: Den Traditionsvereinen ging es schlecht in Eupen, es waren die Straßenkarnevalisten und vor allem die Ou Wiever, die dem Clown am Berg neues Leben einhauchten – die Politik nahm die Chance begierig auf, die neu etablierten Karnevalisten nahmen gerne die gereichte Hand. Publicity für beide Seiten, beiden war gedient. Was nicht heißt, dass dabei nicht der Schalk hervorblitzt, wenn bei der Schlüsselübergabe in Kelmis der Küsch als Wappentier die Belgier einen soll.

Vor diesem Hintergrund hat Louis‘ Lied an Brisanz verloren, denn, dass Louis Siquet es mit seiner Initiative einer Liebes-und Loyalitätserklärung an das Land ernst meinte, mag man ihm getrost glauben. Deshalb steht sein Lied auch nicht in einer Reihe mit Walter Scheels Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder mit Michel Daerdens Projektion als Gainsbourg der Politik. Sie suchten das Showelement in der Politik, Louis Siquet schüttete zur neuen Belgien-Frage glaubhaft sein Herz aus.

Glückliche Generation: Es ist noch nicht so lange her, da polarisierte das Eintreten für einen Standpunkt in territorialer Hinsicht, bis hin zu einer Frage auf Leben und Tod. Mit Rissen durch ganze Familien und Dörfer. Und noch in den 70ern war es vielfach eine Frage von Krampf, von Unterstellungen und Beschimpfungen, deren Bogen von Beutebelgier bis „Heim ins Reich“ führte. Und damit sind wir – nach der Soziologie – bei der Zeitschiene, einer in Ostbelgien nie zu vergessenden Größe.

Ist es da nicht beruhigend, dass eine Thematik, die sich für die Generation der Väter und Großväter dramatisch stellte, 2008 den Hondsjongen, den Klös, Domm en Dööl und Promi Bröörs den Louis zur Seite stellt und den Vinzensvereinen und Rot-Kreuz-Sektionen über eine Wette beim Schwimm-Marathon mehr Spenden in die Kasse spült?

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