"Work Hard. Have Fun. Make History." So lautet das Mantra von Jeff Bezos, Gründer und Big Boss des Online-Giganten Amazon. Und man muss neidlos anerkennen, dass er damit erfolgreich gefahren ist.
"Democracy Dies in Darkness - Demokratie stirbt in der Dunkelheit." So lautet das Leitmotiv der "Washington Post", das sich die linksliberale Zeitung 2017 nach dem ersten Amtsantritt von Donald Trump gegeben hat. Ihren Trump-kritischen Kurs hat sie unter dem Einfluss von Jeff Bezos nach und nach aufgegeben. Er hatte das Blatt 2013 gekauft und ist ja beileibe nicht der einzige Multimilliardär, der sich ein erfolgreiches und einflussreiches Medium unter den Nagel gerissen hat.
Auf Druck ihres Eigentümers wurde auch wenige Tage vor den letzten Wahlen entschieden, dass die Zeitung nicht - wie üblich - eine Wahlempfehlung für die Kandidatin der Demokraten abgeben durfte. Aus Sorge um Glaubwürdigkeit, wie Bezos vorgab, oder aus vorauseilendem Gehorsam?
Wir erinnern uns auch an eine Karikatur, auf der Bezos mit einem Sack voller Dollar neben unter anderem Mark Zuckerberg und Mickey Maus vor einem Trump-Standbild auf Knien rutscht. Der Entwurf der Pulitzer-Preisträgerin Ann Telnaes wurde abgelehnt. Sie kündigte, wie vor ihr aus Protest mehrere Redakteure und wegen der Sache mit der Wahlempfehlung etwa 250.000 Abonnenten.
Nun hat die “Washington Post” ihrerseits 300 Mitarbeiter entlassen, ein Drittel der Belegschaft. Darunter Lizzie Johnson, die für die Zeitung aus der Ukraine berichtet hat. Oder Caroline O’Donovan, die sich mit Amazon befasste. Zufall?
Begründet wird die Massenentlassung mit Millionenverlusten und einer strategischen Neuausrichtung. Ja, ja, die fehlenden Abonnenten ... Dass sich die Nutzung von Medien radikal verschiebt, ist jedem klar. Aber nur am Geld wird es doch wohl nicht liegen. Allein die pompöse Bezos-Hochzeit diesen Sommer in Venedig soll bis zu 50 Millionen Dollar gekostet haben. Und die zweifelhafte Kino-Doku über die First Lady Melania hat sich Amazon 75 Millionen Dollar für Filmrechte, Produktion und Marketing kosten lassen. Bezos und Trump sollen den Deal bei einem Abendessen eingefädelt haben - wenn die Doku auch sonst nicht viel offenbart, sagt das schon genug.
Denn natürlich geht es Bezos und Konsorten nicht um unabhängigen Journalismus - im vorliegenden Fall der "Washington Post" nicht einmal um Gewinnmaximierung. Sonst würde er sie wohl nicht gegen die Wand fahren. Bezos & Co geht es auch nicht um "absolute Meinungsfreiheit", wie sie Elon Musk heuchelt. Denen geht es allein um Meinungshoheit. Um Monopole. Und um Deregulierung. Das wiederum mit dem Ziel der Gewinnmaximierung.
Der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit dem Problem der digitalen Machtkonzentration und der Bündelung von Meinungsmacht. In seinem Buch "Krieg der Medien" beschreibt er die laufende Machtübernahme von Big Tech und von durch Big Tech geförderten Populisten. Und er zeigt klar auf, was wir tun müssten, um unsere Demokratie gegen ihre Feinde abzusichern. Aber (Vorsicht: Spoiler) Martin Andree macht weder sich noch uns etwas vor.
Die Vorladung von Musk durch die französische Justiz oder die überfällige Altersbeschränkung bei Social Media, wie sie Australien und jetzt auch Spanien vorexerzieren, wecken leise Hoffnung. Oder handelt es sich um Rückzugsgefechte? Vielleicht stirbt die Demokratie ja am hellichten Tag.
Stephan Pesch
Die herrschende Meinung ist immer die Meinung der Herrschenden. Wer die materielle Macht hat, ist zugleich die herrschende geistige Macht. Wer war das vor „Big Tech“?
Danke für den Kommentar Herr Pesch.
Ist eine gute Diskussionsgrundlage.
Wenn Zeitungen dicht machen, ist das für mich kein Zeichen von Demokratieschwäche, sondern dass betreffende Zeitungen nicht mehr rentabel sind.
Gewiss Zeitungen verschwinden.Nur es kommen dafür andere neue Medien wie Foren, YouTube-Kanäle etc.Die Vielfalt bleibt.Wird sogar noch größer.
Die Demokratie in den westlichen Ländern hat sich selbst geschwächt. Wenn Parteien in der DG nur Akademiker bevorzugen für politische Ämter, hat das nichts mit Jeff Bezos zu tun.
Demokratie stirbt im Westen auch an Gleichgültigkeit und Bequemlichkeit. Erst wenn man es konkret zu spüren bekommt, wenn es aber schon zu spät ist, dann wird Otto-Normalbürger tätig... Niemöller's "Als sie mich holten gab es keinen mehr, der protestieren konnte" lässt grüßen.
Man kann das Privileg und Recht, dass wir in der DG öffentlich-rechtliche und private Medien in deutscher Sprache haben gar nicht genug schätzen und schützen!
Hier ist der gesunde politische Streit um die besten Ideen in respektvollem Umgang noch möglich. Auf den Big-Tech-Platformen geht es nur noch um Klicks, Hass, Polemik, ohne jeglichen Willen zum Kompromiss - nur die eigene absolute Meinung zählt. Für einen sinnvollen, menschlichen und zukunftsorientierten Dialog völlig unbrauchbar.
An dieser Stelle sei auch eine Lanze gebrochen für die Amtsträger in der DG, die in ihrer Mehrheit und trotz Pöbeleien, Anfeindungen und dergleichen unsachlichen Ausdrucksweisen, gute Arbeit leisten und kompetent sind - kompetent u.a. aufgrund akademischer Titel...
Gegen unsere Vertreter unserer Kleinen, aber feinen und kultiviert-zivilisierten DG ist nichts Schwerwiegendes einzuwenden.
Normal Pros und Cons, doch im Rahmen des menschlich Machbaren.
"Wenn Parteien in der DG nur Akademiker bevorzugen für politische Ämter"
Prinzipiell kann ich für einen Expertenrat unserer DG maximal-machbares Vertrauen ausbauen, wenn in der Tat kompetenten bereits jetzt vorhandenen Akademikern auch ergänzend Vertreter aus der Handwerks-Innung, Landwirte und Kleinunternehmer hinzugefügt werden.
Auf meinen Vorredner will ich entsprechend konstruktiv-denkend zustimmen.
Den "Ausverkauf der Demokratie" gibt es eigentlich nicht.Wird nur so wahrgenommen von Zeitgenossen, die den ständigen Wandel der Dinge als etwas unnatürliches betrachten.Der Zeitgeist ändert sich ständig.
Das Schliessen von Zeitungen sollte man nicht als Demokratieindikator nehmen, sondern das Wahlverhalten.Warten wir mal ab, wie die Amerikaner im November wählen.Gut möglich, dass Trump einen Dämpfer bekommt.
Es ist doch vollkommen normal, dass die Wähler jetzt mehr "rechts" wählen.Die Linken haben Probleme gemacht und nicht gelöst.