Spiel, Spaß und Spannung verspricht ein bis heute populäres Überraschungsei. Für die Zielgruppe sogar ein Produkt mit Lerneffekt. Nicht selten bleibt der schokoladige Nachgeschmack länger erhalten als die Spielfreude mit dem Gimmick. Enttäuschungen gehören zum Leben und auch zum Erwachsenwerden.
Die Mystery-Box ist ein Überraschungsei in XXL. Der Mystery-Shopper kauft nicht, um ein Problem zu lösen. Er sucht die Spannung, den Kick, vielleicht eine Belohnung. Der Reiz ist wichtiger als der Inhalt.
Eigentlich ahnt man es schon: Die Chance, auf eine hässliche Gardine oder einen zu kleinen Überzug fürs Bügelbrett zu stoßen, ist größer als einen kleinen Goldbarren zu erwischen. Verantwortung - für Geld, Ressourcen und Umwelt - wird beiseitegeschoben. Was zählt, ist der Moment des Auspackens, das kurze Hochgefühl, das schon nach Minuten wieder verpufft.
Brauche ich das überhaupt? Diese Frage würde einem erwachsenen Konsumverhalten entsprechen. Der Grundgedanke, Retouren wieder in den Handel zu bringen, ihnen eine zweite Chance zu bieten, ist doch gut, sagen die Befürworter.
Tatsächlich mag mitunter mal ein Glückstreffer dabei sein, ein erheblicher Teil wird wohl ungenutzt bleiben oder im Müll landen. Das Konzept, Müll zu kaufen und es auch noch selber entsorgen zu müssen - was für eine Selbstdemütigung.
Vielleicht bin ich da etwas zu streng, aber in der digitalen Welt gilt oft der warnende Satz: "Wenn etwas kostenlos ist, bist du das Produkt." Viele Online-Dienste sind scheinbar gratis, aber die Nutzer bezahlen mit ihren Daten und ihrer Aufmerksamkeit, die an Werbekunden weitergegeben werden.
Bei den Überraschungsboxen und der Verheißung, dass dabei doch jedes Los gewinnt, greift ein anderes Prinzip: Hier ist der Käufer die Niete.
Manuel Zimmermann