In gewisser Weise müssten wir deutschsprachigen Belgier uns mit den Grönländern besonders verbunden fühlen. Nicht etwa als Brüder im Geiste oder wegen einer bislang verborgenen gemeinsamen Herkunft. Aber wie wir haben auch die Grönländer - nach ihrer zum Teil sehr schmerzhaften kolonialen Erfahrung mit dem Königreich Dänemark - in den 1970er Jahren ein Autonomiestatut gefordert und erhalten, mit eigenem Parlament und eigener Regierung.
Für eine mehr oder weniger vergleichbare (verschwindende) Bevölkerungsgröße: In der DG leben mit rund 80.000 Menschen sogar noch etwas mehr als in Grönland mit seinen 57.000 Einwohnern, aber wenn wir nur die hier lebenden Belgier nehmen, kommen wir der Sache schon näher. Wobei aber auch in Grönland nicht nur Inuit leben. Und wenn unser Gebiet im innerbelgischen Vergleich mit rund 90 Einwohnern pro Quadratkilometer als dünn besiedelt gilt, ist das noch gar nichts im Vergleich zu den 0,03 Einwohnern pro arktischem Quadratkilometer auf der nachweislich größten Insel der Welt.
Zwar nicht so gigantisch oder "massiv", wie es Donald Trump schon 2021 als Immobiliendeal vorschwebte. Wir wissen auch dank der laufenden Diskussionen, wie sehr die gängigen Landkarten die Größenverhältnisse auf der Erdkugel verzerren. Für den Immobilienmakler im Präsidentenkostüm ist die Fläche aber immer noch beeindruckend genug für einen Mega-Deal.
Die von Trump häufig wiederholten und diese Woche beiläufig hingeworfenen, abfälligen Bemerkungen über sein Interesse an Grönland haben nach der Gefangennahme und Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro ein anderes Gewicht bekommen. Trump und Konsorten ist tatsächlich alles zuzutrauen. Da spielt es letzten Endes auch keine Rolle, warum im Einzelnen die US-Regierung Interesse an Grönland zeigt - ob es tatsächlich an der schieren Größe liegt und an Trumpschen Expansionsgelüsten, an den unter dem Eis versteckten, reichhaltigen Rohstoffvorkommen oder doch nur am nationalen Sicherheitsinteresse.
Dabei haben die USA aufgrund eines Abkommens aus den Anfangsjahren des Kalten Krieges schon seit Langem weitgehend "freie Hand", was den militärischen Zugang zu Grönland betrifft, wie diese Woche die New York Times berichtete. Die Zeitung zitiert einen dänischen Experten für Außenpolitik, der sich "nur schwer vorstellen" könne, "dass die USA nicht so ziemlich alles bekommen könnten, was sie wollen - wenn sie nur nett darum bitten." Das könnte eines der Probleme von Trump sein.
Ein Kauf, wie ihn der amerikanische Außenminister Marco Rubio diese Woche wieder ins Spiel brachte, scheitert schon daran, dass Dänemark darüber gar nicht zu entscheiden hätte – anders als noch 1946, als es ein Angebot der Truman-Regierung in Höhe von 100 Millionen Dollar in Gold ablehnte. Heute müssten die Grönländer selbst per Referendum entscheiden. Wir Ostbelgier könnten an die Volksbefragung von 1920 erinnern, die im Sinne eines Selbstbestimmungsrechts der Völker vom damaligen US-Präsidenten Woodrow Wilson vertreten wurde und zur Farce wurde. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Eine Umfrage aus dem letzten Jahr ergab, dass 85 Prozent der Einwohner Grönlands gegen eine Übernahme durch die USA sind. Offen wären sie für Geschäfte (etwa in Sachen Rohstoffe) – und zwar mit so ziemlich jedem. Offen seien sie auch für Dialog, erklärte Grönlands Regierungschef Jens Frederik Nielsen diese Woche ganz diplomatisch. Er verwahrte sich aber gegen die ständigen Drohungen und Annexions-Fantasien. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ging noch weiter und erklärte vorsorglich, ein amerikanischer Angriff auf Grönland würde das Ende der internationalen Weltordnung bedeuten. Nach dieser Woche fragen wir uns umso mehr: welche Welt-Ordnung?
Stephan Pesch
Mit 500 Jahren dunkelbraunster Kolonialgeschichte haben viele EU-Voelker nicht das Recht, sich in Nationale Angelegenheiten rechtmäßig souveräner Nationen wie den USA, Russland, Deutschland, dem Iran oder gegen den Islam einzumischen [Stichwort Palästina]!