Vom Schulmeister zum Schulmanager: Einer muss den Job ja machen – Ein Kommentar

Bei der tagtäglichen Organisation des Unterrichts kommt vieles zu auf die Akteure vor Ort und auf die Schulträger. Das kann nur funktionieren, wenn es von einer Schulgemeinschaft getragen wird, zu der natürlich auch die Eltern gehören. Und es verlangt von allen gegenseitigen Respekt.

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch

BRF-Chefredakteur Stephan Pesch (Foto: Achim Nelles/BRF)

Früher gab es den Schulmeister. Der brauchte nicht mal unbedingt eine förmliche Lehrbefähigung. Unter Umständen genügte es, dass er nur etwas klüger war als alle anderen. Er genoss auch nicht immer die beste Anerkennung, gerade in Sachen Entlohnung – an seiner Autorität im Klassenzimmer wurde aber nicht gekratzt, zumindest nicht von außen.

Manches ist heute noch ähnlich (wenn wir etwa von Anerkennung sprechen), vieles aber ganz anders. Schon die Tatsache, dass es heute jede Menge an Lehrbefähigung braucht.

Was die Autorität betrifft, werden die Grenzen von den Schülern wie seit Generationen gerne ausgetestet. Auch das nimmt neue Dimensionen an, aber die Situation in Ostbelgien ist nicht mit derjenigen in sozialen Brennpunkten zu vergleichen.

Vor allem die Eltern spielen heute eine andere Rolle als es noch ihre Väter und Mütter getan haben. Während sie (pauschal gesehen) immer mehr Erziehungsaufgaben an die Schule abgeben (angefangen beim Trocken werden im Kindergartenalter), reden sie schon gerne mit, wenn es um die Art der Wissensvermittlung und die pädagogische Begleitung ihrer Sprösslinge geht.

Das ist auch legitim. Nur macht der Ton hier die Musik. Und das ist es, was Lehrern die Freude an ihrem Beruf – für die meisten von ihnen ist es immer noch eine Berufung – versalzen kann.

Da muss dann der Schulleiter als Vermittler auftreten, neben seinen vielen anderen Aufgaben in pädagogischer und administrativer Hinsicht. Im BRF durften wir von zwei Schulleitern erfahren, dass ihr verantwortungsvoller Job ihnen viel Freude bereitet. Wobei einer der beiden gleich fünf Schulen zu betreuen hat. Genau wie sein Kollege in derselben Gemeinde St. Vith.

Per Stellenausschreibung hatte die Gemeinde einen neuen Schulleiter oder eine Schulleiterin gesucht – und nicht gefunden. So werden die in der Ausschreibung erwähnten drei bis vier Primarschulen eben von den beiden anderen Schulleitern noch zusätzlich betreut, jede Schule mit ihren Besonderheiten, mit ihren Lehrerkollegien, ihren Schülern, ihren Elternräten. Und dann gibt es noch Rahmenpläne, Schulprojekte undsoweiter – ganz abgesehen von der eigenen Fortbildung.

Dass den Schulleitern mittlerweile Koordinatoren zur Seite stehen, die ihnen einen Teil der Aufgaben abnehmen, ist ein Fortschritt. Dass sie von der Lehrtätigkeit befreit sind, eher ein schwacher Trost – sind sie doch Lehrer geworden, weil sie gerne unterrichten.

„Wer will sich das antun?“, ist darum in Unterrichtskreisen zu hören. Und weil es sich als immer schwieriger erweist, qualifiziertes Personal für die Besetzung von Auswahl- und Beförderungsämtern zu finden, wie es wörtlich heißt, tritt mit dem neuen Schuljahr eine Neuerung in Kraft: Bei der Festlegung des finanziellen Dienstalters wird rückwirkend auch die Arbeit in der Privatwirtschaft oder als Selbstständiger und Freiberufler anerkannt. Im Klartext: Schulmanager braucht das Land!

Erfahrene Führungskräfte wären keine schlechte Lösung. Eine Schule funktioniert aber auch nicht wie ein Unternehmen. Da ist dann schon die Schulgemeinschaft vor – mit Schülern, Lehrern und den Eltern. Sie zusammenzubringen ist die Kunst.

Stephan Pesch

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