Premierenkritik: „Un ballo in maschera“ in der Monnaie

Mit "Un Ballo im maschera" bringt die Brüsseler Oper La Monnaie in diesen Tagen eine der großen Verdi-Opern auf die Bühne. Musikalisch war der Premierenabend ein grandioses Fest der Stimmen und des Orchesters. Die Inszenierung konnte nur bedingt überzeugen.

"Un ballo in maschera" in der Monnaie: Carlo Cigni (Horn), George Petean (Rene Ankarstrom), Maria-Jose Siri (Amelia), Stefano Secco (Gustav), Tijl Faveyts (Ribbing) & La Monnaie Choir

Nur wenige Opern haben eine solch komplizierte und von der Zensur beeinflusste Entstehungsgeschichte wie Giuseppe Verdis „Un ballo in maschera“. Nachdem es Verdi und seinem Librettisten verboten worden war, das Schicksal eines Königs, in diesem Fall des schwedischen Königs Gustav auf die Bühne zu bringen, verlegten sie die Handlung ins weit entfernte Amerika.

Aus Gustav III wurde der Gouverneur von Boston. In der neuen Produktion der Brüsseler Oper „La Monnaie“ greift das Regieteam von „La Fura dels Baus“ um Alex Ollé aber auf das Original zurück und zeichnet mit dem Maskenball ein politisch ebenso spannendes wie beängstigendes Bild, vergisst darüber, dass im Mittelpunkt der Verdi-Oper wohl doch eher eine Liebesgeschichte steht: nämlich, dass Gustav sich in Amelia, die Frau seines besten Freundes und treuesten Weggefährten verliebt hat und das Schicksal es will, dass Renato oder in dieser Version René Ankarström ihn töten wird.

Gewiss spielen auch politische Intrigen gegen Gustav eine wichtige Rolle in dieser Oper und darauf scheint Ollé sich zu konzentrieren. So war George Orwells düstere Zukunftsvision „1984“ Ausgangspunkt der Inszenierung. Wir sind in einem absolutistischen Überwachungsstaat. Alle Personen sind in nahezu Einheitskleidung, jeder mit einer Nummer versehen und einer gleichmachenden Lederkappe auf dem Kopf. Alles Persönliche ist verschwunden.

Dem entspricht auch das Bühnenbild: Auf- und niederfahrende nackte Betonpfeiler grenzen den Raum ein oder öffnen ihn, da ist kein Platz für Licht oder Farbe, alles ist düster. Eines muss man Ollé lassen, er ist in seiner Sichtweise von einer unvergleichlichen Kohärenz und Konsequenz. Aber es gibt doch auch die Liebesgeschichte, das Verlangen Gustavos nach Amelia,  das übrigens nur ein Verlangen bleibt, denn sie haben Renato nie betrogen, Amelia bleibt ihrem Gatten treu.

Diese Vielschichtigkeit der Handlung bringt allerdings der Dirigent Carlo Rizzi mit seiner musikalischen Deutung umwerfend ins Bewusstsein. Das Orchester der Monnaie erlebt unter Rizzis Leitung eine Sternstunde. Ebenso sinnlich wie zupackend leuchtet es aus dem Orchestergraben, das ist grandioses Musiktheater. Und dem können die Sänger in vortrefflicher Form entsprechen.

Vor allem die Frauenrollen kann man sich kaum besser wünschen: Maria José Siri gibt der Verzweiflung der letztendlich doch treuen Amelia empfindsamen Ausdruck, Kathleen Kim spielt und singt in Perfektion die Hosenrolle des Pagen Oscar und Marie-Nicole Lemieux glänzt als Ulrica. Sie versteht es auch durch ihr Bühnenspiel der Figur der Wahrsagerin Ausdruck zu verleihen. Die beiden Männerpartien werden ebenso angemessen gesungen, allerdings werden sie von der Personenführung ein wenig im Stich gelassen. Zumindest wirkte dies am Premierenabend so.

Aufgrund der dichten Aufführungsfolge bis zum 27. Mai sind  zwei alternierende Besetzungen vorgesehen, aber die Monnaie hat gewiss für beide Casts adäquate Interpreten verpflichten können.

Bilder: Johan Jacobs/La Monnaie

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