Großartige Rigoletto-Premiere in La Monnaie

Eine der populärsten Opern überhaupt steht seit Donnerstag auf dem Spielplan der Brüsseler Oper La Monnaie: Rigoletto von Giuseppe Verdi, und zwar in der Übernahme der Inszenierung von Robert Carsen, die im letzten Sommer beim Festival in Aix-en-Provence gegeben wurde.

Wer kennt sie nicht die Geschichte des buckligen Hofnarren Rigoletto, der seinem Dienstherren, dem Herzog von Mantua die jungen hübschen Frauen zum Liebesspiel zuführt und sich über die gehörnten Ehemänner lustig macht, bis, ja, bis der Herzog sich an Rigolettos Tochter Gilda ran macht und auch sie seinem Reiz erliegt. Rigoletto sieht nur eine Möglichkeit, Gildas Ehre und auch seinen eigenen Stolz zu retten: Ein Auftragsmörder soll den Herzog töten, aber Gilda selbst geht für den Herzog in den Tod. Damit erfüllt sich der Fluch, la maledezione, mit dem Rigoletto belegt worden war.

Der Regisseur Robert Carsen verlegt die Handlung in eine Zirkusmanege, eine Metamorphose, die zum einen dem tieferen Sinn der Geschichte gerecht wird und Carsen zum anderen die Möglichkeit zu beeindruckenden Bildern gibt. Seien es die Akrobaten, die bei der vermeintlichen Entführung einer Comtessa virtuos an der Leiter turnen oder die spärlich bekleideten Gespielinnen des Herzogs, die gleich zum Auftakt der Oper wie Raubkatzen den Dompteur umgarnen oder – besonders eindringlich – Gilda auf einer Schaukel mehrere Meter über dem Abgrund schwebend, ihre Liebe besingt.

Alles Bilder, die stimmig und treffend sind. Ganz zu schweigen von der Schlussszene, als Rigoletto bemerkt, dass nicht der Herzog, sondern eben seine Tochter Gilda getötet wurde und sie wohl mit ihrer Mutter im Tod eins wird, die rasend schnell aus einem Tuch von der Bühnendecke zu Boden herunter wirbelt.

Das ist phantasievolles Musiktheater, das uns eine tragische Geschichte näher bringt.

Carsen stehen aber auch eindrucksvolle Protagonisten zur Umsetzung der Geschichte zur Verfügung. Dabei musste Donnerstag am Premierenabend kurzfristig die komplette sogenannte Zweitbesetzung einspringen. Wer wagt es, hier überhaupt von einer Zweitbesetzung zu sprechen? Nein, die drei Hauptpartien kann man sich mit kaum adäquateren Interpreten wünschen: Arturo Chacon-Cruz singt mit sehr virilem Tenor einen Herzog von Mantua, dem man den Spaß an der Verführung und auch seinen Erfolg bei den Frauen sofort abnimmt, Anne-Catherine Gillet ist eine wunderbare Gilda.

Die belgische Sopranistin gibt ein grandioses Rollendebüt , singt mit einer stupenden Leichtigkeit und Sicherheit die Partie, selbst bei der angesprochenen Szene in luftiger Höhe sitzt jeder Ton mit wunderbarer Klangfarbe. Aber vor allem ist Dimitri Platania in der Titelrolle des Rigoletto hervorzuheben. Er singt nicht, er spielt nicht den Rigoletto, er ist förmlich Rigoletto. Nur selten erlebt man es so intensiv, dass ein Sänger sich mit einer Figur identifiziert. Selbst noch beim minutenlangen Schlussapplaus hat man den Eindruck, Platania steckt immer noch in diesem Rigoletto.

Auch das Orchester trägt maßgeblich zum Erfolg bei. Dirigent Carlo Rizzi lässt Verdis Musik in ihrer ganzen Schönheit aufleuchten, ohne je die Sänger zu überdecken, Rizzi schafft auch im Orchestergraben Musiktheater.

Bis zum 23. Mai steht Rigoletto in durch die dichte Aufführungsfolge bedingten wechselnden Besetzungen auf dem Programm von La Monnaie. Bleibt zu wünschen, dass alle vorgesehenen Sängerinnen und Sänger in den nächsten Tagen gesund bleiben, respektive werden.

Bild: Bernd Uhlig (La Monnaie)

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